Titel: Was ist gute Biergastronomie?
Autor: Lars Seyfrid, (Vorsitzender Verbraucherinitiative Kampagne
für gutes Bier e.V. – www.kgbier.de)
Datum: 12.7.2006
Text:
Bier ist wohl unbestritten das wichtigste Getränk in der deutschen
Gastronomie. Nur ist es auch das Getränk, welches am meisten an
Charakterarmut leidet. Während Getränke, wie Wein, Kaffee,
Whisky und eine Reihe von alkoholfreien Getränken sich im
großen und/oder langfristigen Stile einer Renaissance unterziehen
wird das Bier hinderliche Eigenschaften, wie Hauptträger des
Alkoholismus, Pennergetränk, Wirtshausgelage und Unterstützer
der derben Gemütlichkeit einfach nicht los.
Dem angemessen ist Bier auch faktisch nie ein aktiv gestaltender Teil
in der deutschen Gastronomie – jede Gaststätte muß es
führen, aber mehr als ein unauffälliger Begleiter darf es
nicht sein.
Woran erkennt man gute Biergastronomie? Hier einige Beispiele:
- Gestaltung einer Bierkarte nach dem Vorbild einer Weinkarte, d.h.
Integration verschiedener Informationen zu der Wertigkeit des Produkts
- Angebot preislich differenzierter Biere – optimal wäre es,
wenn der Preis den Gast objektiv die Güte des Bieres erkennen
lässt. Begleitende Informationen zu Bio/Nicht Bio, Alkoholgehalt
und z.B. Größe der Brauerei helfen in der Einschätzung
der Wertigkeit des Bierangebots. Auflistung sollte sinnvollerweise
preislich aufsteigend sein
- Eine betont große Vielfalt an Bieren: Hier ist es wichtig
zu erkennen, wo die Akzente gesetzt werden (z.B. vornehmlich regional)
und es ist wichtig, die Biere sinnvoll zu kategorisieren, z.B. nach
Regionen, nach Biersorten oder auch nach Speiseempfehlung.
- Angebot von saisonalen Spezialitäten
- Gastronomie mit einer erkennbaren Spezialisierung beweisen Ihren
bewussten Auswahlprozess bei der Wahl passender Biere. Die
Gaststätte eines Sportclubs sollte viel Wert auf sportgeeignete
Biere legen, z.B. flaschenvergorene Weizenbiere, alkoholfreie oder
–verminderte Biere. Länderküche auf der anderen Seite tut
auch gut daran nicht zwingend die Biermarke ihres Landes anzubieten,
gerade wenn es geschmacklich kaum einen Unterschied zu einem in
Deutschland gebrauten Bier gibt. Hier ist eher eine innigere
Auseinandersetzung mit der geschmacklichen Harmonie von Speisen und
Bieren ausschlaggebend.
Richtlinien, die helfen gute Biergastronomie zu sein:
- Uneingeschränktes Bekenntnis zur freien Markwirtschaft, so
schränken Brauereikredite die freie Entscheidungsfindung ein.
Akzeptieren Sie nicht weniger als den besten Preis und verbauen Sie
sich nicht den Gelegenheit sich spontan gegen ein Bier, bzw. für
ein neues zu entscheiden
- Der Gast hat Auswahl und Neuheiten verdient – bieten Sie ihm
beides in einem sinnvollen Verhältnis
- Keine Angst vor Flaschenbier – es hilft dabei dem Gast ein
einwandfreies und informatives Produkt zu servieren
- Schaffen Sie eine informative, bzw. aussagekräftige und
ansprechende Bierkarte
- Die Unterstützung regionaler Produkte geht uns alle an – ein
Produkt ist nicht automatisch besser, wenn es aus einer anderen Region
kommt
- Die Saison gibt uns nicht nur passende Speisen, sondern auch
passende Biere
- Informieren Sie sich regelmäßig über Bier,
besuchen Sie Seminare, Brauereiführungen und Messen, um zu
erkennen, wie gut das eigene Angebot tatsächlich ist
- Imitieren Sie nicht Ihre Nachbargaststätte - Differenzierung
des Charakters Ihrer Gaststätte hört nicht beim Bier auf
- Ein gut beworbenes Bier ist vielleicht bekannt, aber in der Regel
nicht besser als unbekannte. Lassen Sie Ihren Geschmack entscheiden und
transportieren Sie Ihre eigene Überzeugung dem Gast
gegenüber.