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Virtuelle Universitäten
 

Virtuelle Universitäten

Bundesministerin Edelgard Bulmahn hat am 2.7.2000 die Gründung einer "Virtuellen Deutsche Universität" vorgeschlagen. Das über Internet und andere neue Medien zu empfangende Lehrangebot solle von allen Hochschulen der Bundesrepublik gemeinsam gestaltet und getragen werden. Sie wolle jetzt mit den Kultusministern der Länder beraten, wie ein solches Konzept umgesetzt werden kann. Mit einer virtuellen Universität könnten die Spitzenleistungen der deutschen Hochschulen und der Forschung weltweit präsentiert werden. Dies sei auch eine Werbung für den "Studienstandort Deutschland" und könne mit dazu beitragen, mehr junge Ausländer von der Qualität einer wissenschaftlichen Ausbildung in der Bundesrepublik zu überzeugen. Gleichzeitig eröffne eine virtuelle Universität Berufstätigen wie Studierenden interessante Möglichkeiten der Weiterbildung. [Quelle: dpa, heise online 02.07.2000] 


Es ist verständlich, daß Frau Bulmahn mangels Bundeskompetenz eine solche zentralistische Lösung präferiert, aus der ihr eine zumindest moderierende Funktion erwachsen könnte. Ist dieser Vorschlag aber vernünftig? Nun spricht nichts gegen ein ergänzendes Portal, auf der in- und ausländische Interessenten Zugang zu allen virtuellen Studienmöglichkeiten in Deutschland finden (wenn auch noch mehr dafür spricht, sich an der bestehenden globalen Datenbank Globewide Network Academy registrieren zu lassen). Aber die angestrebte zentrale Organisation verschleudert nicht nur Ressourcen, die für die Entwicklung von Inhalten und Methoden dringend gebraucht werden. Sie verstärkt eine von vielen Praktikern beklagte Situation, daß die dringend notwendigen, oft geringen Finanzmittel für die zahlreichen kleinen, dezentralen Projekte fehlen und stattdessen klobige, zentralistische Projekte initiiert werden, bei denen die Gefahr besteht, daß sie über den Aufbau neuer Bürokratien und Verwaltungsgebäude nicht hinauskommen. 
 
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Aber der Bulmahnsche Großberliner Traum ist nicht nur unvernüntig, er ist auch nicht durchsetzbar. Ein Angebot virtueller Studien eröffnet Dozenten, Fakultäten, Universitäten und Bundesländern vielfältige Chancen zur Profilierung und zur Erzielung zusätzlicher Einnahmen. Manche wären vielleicht bemüht, von einer zentralen Infrastruktur zu profitrien, aber kaum jemand wäre bereit, seine knappen Ressourcen in den Dienst einer Marke "Deutsche Virtuelle Universität" zu stellen, an deren Markenwert er nicht entscheidend partizipieren kann. Im Gegenteil, selbst landesweite Projekte wie die Virtuelle Hochschule Bayern werden an dem Egoismus der kleineren Einheiten Universitäten, Fakultäten, Dozenten scheitern, für deren besten es lohnender sein wird, eigene Marken zu entwickeln. In den größeren Einheiten werden - wenn der erste staatliche Geldsegen ausgegeben ist - nur diejenigen verbleiben, denen es an der Fähigkeit mangelt, sich selbständig zu profilieren und zu behaupten. Die anderen werden, statt die Gemeinschaft mit schwachen, deutschen, staatlichen Universitäten zu suchen, sich lieber mit starken, privaten und vor allem ausländischen Universitäten, Fakultäten und Dozenten zusammentun. Deshalb, wie auch wegen der für zahlungskräftigen Ausländer mangelnden Attraktivität eines Offline-Studiums in Deutschland und in deutscher Sprache, ist eine Markierung "deutsch" lächerlich und nur erklärlich, wenn man auf Teufelkommraus sich als deutsche Politikerin Kompetenzen anmaßen möchte. 
Spätestens im Jahr 2005 werden die deutschen Hochschulen im direkten Wettbewerb mit privaten Anbietern stehen. Mehr als die Hälfte aller Studierenden wird dann virtuelle Studienangebote nutzen, so das Expertenpapier "Szenario 2005". Um sich auf dem Bildungsmarkt behaupten zu können, müssen Universitäten und Fachhochschulen ihre Stärken herausstellen und sich auf die neue Konkurrenz vorbereiten, fordert das Papier, das von dem Expertenkreis "Hochschulentwicklung durch neue Medien" der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung erarbeitet wurde. Autoren sind die Professoren José L. Encarnaçao (Darmstadt), Wolfgang Leidhold (Köln) und Andreas Reuter (Heidelberg). Vorgestellt werden auch Best-Practice-Beispiele der Boston Consulting Group.
Laut "Szenario 2005" werden Studenten im Jahr 2005 nicht mehr nur zwischen staatlichen Hochschulen wählen können. Im globalen Online-Bildungsmarkt werden private Bildungsanbieter und Corporate Universities das staatliche Angebot erweitern. Zudem werden Hochschulen Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen eingehen. Bildungs-Broker werden helfen, individuelle Bildungsangebote für den einzelnen Studenten zusammenzustellen. 
Vorbild für den Weg der Hochschulen können erfolgreiche Projekte sein wie "WINFO-Line - Wirtschaftsinformatik Online" der Universitäten Göttingen, Kassel, Leipzig und Saarbrücken unter Leitung von Prof. August-Wilhelm Scheer und "VIRTUS - Virtuelle Universitätssysteme Köln". Beide Projekte sind Teil der Initiative "B.I.G. - Bildungswege in der Informationsgesellschaft" der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung. Das Kooperationsprojekt "WINFO-Line - Wirtschaftsinformatik Online" entwickelt eine virtuelle Lernwelt für das Fach Wirtschaftsinformatik im Internet. In "VIRTUS - Virtuelle Universitätssysteme Köln" wird ein beträchtlicher Teil des Lehrangebotes der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln multimedial aufbereitet. Damit soll angesichts hoher Studentenzahlen die Studienorganisation und die Qualität des Lernens verbessert werden. (Quelle: Presserklärung der Bertelsmann-Stiftung vom 14. Mai 1999)
Die Zahl der amerikanischen Unternehmens-Universitäten mit einem vielfältigem Angebot für die Angestellten einer Firma hat, so schreibt CBS MarketWatch.com am 6.10.99, in den letzten zehn Jahren von 400 auf 1.600 zugenommen. 1956 hatte General Electrics ein Bildungszentrum so bezeichnet. Im Unterschied zu den meisten amerikansichen Unternehmens-Universitäten, die nur für die eigenen Mitarbeitern da sind, steht die Motorola University auch Großkunden, Distributoren, Händern und wichtigen Kunden ("key accounts") offen und nutzt Räume in den global verteilten Niederlassungen ihrer Mutter. Möglicherweise werden Unternehmen zukünftig mehr Interesse an den traditionellen Universitäten als Partner zeigen, um Doppelarbeiten zu ersparen. 
Ab Frühjahr 1999 planen die amerikanischen Universitäten Columbia, Stanford, Carnegie Mellon und Chicago und die London School of Economics ein gemeinsames Ausbildungsprogramm, das unter dem Namen "Cardean" vermarktet werden soll und sich vor allem an Manager der mittleren Ebenen richtet, die sich auf Gebieten wie Unternehmensfinanzen, Marketing oder Finanzbuchhaltung weiterbilden wollen (nach einem Bericht von Stern Newsletter Edupage vom 19.11.99 basierend auf Wired News vom 12.11.99). 
Erst seit Sommer 2000 nutzt der Bertelsmann-Konzern in Form einer Barnes And Nobles University eine intelligente Verknuepfung von Online-Kursen und dazu passenden Angeboten von Lernmaterialien (Bücher aber auch EDV-Zubehör, etwa Digitalkameras und Scanner bei Kursen zum Webpublishing).

Sites zum Thema Online-Studium

In Deutschland ist die Fachhochschule Schmalkaden einer der Online-Pioniere. Dort sind schon Vorlesungen als Video-Stream live und als Aufzeichnung verfügbar. 
Die IHK Wolfsburg testet eine Online-Abschlussprüfung in der Fachrichtung "Industriemechanik". Die Fragen samt passender Antwortoptionen werden nach dem Zufallsprinzip gestellt und gleich im Anschluss auch ausgewertet. Uhr und Rechner für richtig beantwortete Fragen laufen (zur Selbstkontrolle) mit. Die offenen Fragen können in ein Textfeld eingetragen und nochmals nachgelesen werden. http://www.compufit.wolfsburg.de
Die imc GmbH www.im-c.de mit Hauptsitz in Saarbrücken und weiteren Geschäftsstellen in Köln und Berlin wurde Ende 1997 als Spin-Off des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität des Saarlandes von Dr. Wolfgang Kraemer, Frank Milius und Dr. Volker Zimmermann  zusammen mit Prof. Dr. Dr. h.c. A-W. Scheer, Business Angel und  Hochschullehrer gegründet. Das Unternehmen ist führender Anbieter von E-Learning-Lösungen in Deutschland. Namhafte Unternehmen wie DaimlerChrysler, Lufthansa, HypoVereinsbank, Deutsche Bank, Henkel, IBM, IDS Scheer, Metro, SAP und VEBA nutzen bereits die Produkte und Dienstleistungen der imc GmbH für den Aufbau ihrer virtuellen Lern- und Wissenswelten. 
klett-training.de ist das größte Projekt seiner Art in Europa. Von der Grundschule bis zum Abitur erhalten Schüler aller Altersklassen die Möglichkeit, durch Training im Internet-Lernstudio ihre Noten zu verbessern. Entwickelt wurde die Site von Viviance new education, mit 220 Mitarbeitern weltweit im e-learning für Unternehmen und Institutionen als Education Service Provider tätig und in zehn Ländern an siebzehn Standorten als Bildungsanbieter für Unternehmenund Institutionen vertreten, davon allein drei in den USA.

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Aktualisiert am 16. Januar 2002