Teams zusammenstellen, führen und motivieren
Das Management von Restaurants ist typischerweise in das Tagesgeschäft
involviert, da Produkte und Dienstleistungen unter einem Dach und zeitlich
verwoben produziert und verkauft werden und der Personaleinsatz
direkt gesteuert werden muß (vergleichbar mit der Tätigkeit
von U-Boot- oder Panzerkommandaten). Dies erzwingt flache Hierarchien und
verlangt vom Management die Fähigkeit zum Führen von Teams, aber
auch eine hohe persönliche Belastbarkeit und Streß-Stabilität
und vor allem die Fähigkeit, geeignete
Mitarbeiter auszuwählen.
Teamfähige Mitarbeiter auswählen
Neben der individuellen Eignung von Bewerbern
spielt auch eine Rolle, ob das sich ergebende Team als Gruppe im Sinne
des Unternehmens zusammenarbeitet. Im Team sollten die verschiedenen Rollen,
die in einer sozialen Gruppe zu finden sind, besetzt sein.
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Das Team sollte in Bezug auf die Berufserfahrung oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit
möglichst heterogen zusammengesetzt sein. Bei Neueröffnungen
von Filialbetrieben ist es deshalb empfehlenswert, einen Teil der Mitarbeiter
aus anderen Betrieben abzuziehen - auf Dauer oder zur Unterstützung
in der Vor- und Nacheröffnungsphase. Dabei sollte jedoch die Chance,
daß sich auch neue Mitarbeiter durch Engagement und Ideen für
das Objekt eine herausgehobene und sie befriedigende Rolle im Team erarbeiten,
nicht abgewürgt werden.
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Für das Betriebsklima ist es günstig, wenn die Teammitglieder
auch privat gerne zusammen sind. Man kann deshalb versuchen, Mitarbeiter
in die Bewerbersuche, -auswahl und -integration einzuspannen.
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Um das für eine gute Zusammenarbeit im Team erforderliche Verständnis
zu erleichtern, sollten die Teams sozial homogen zusammengesetzt sein.
So haben wir gute Erfahrungen gemacht mit Teams, die ausschließlich
aus Studenten, Schülern und Akademikern bestehen. Über ähnliche
Erfahrungen berichtet auch Sandra Brauch, Inhaberin der "Brauchbar" in
Neustadt a.d. Weinstraße (vgl. FIZZ, Ausgabe 12/98, "Gemeinsam sind
wir stark", S. 31). Bei befreundeten Gastronomen haben sich Teams bewährt,
die nur oder überwiegend aus ehemaligen Angehörigen und Partnern
von Angehörigen der US-Army oder aus irischen Gastarbeitern oder Studenten
aus Süd- und Mittelamerika bestehen. Die Erfolge der ausländischen
Restaurants und Gaststätten in Deutschland sind zum Teil auch auf
diesen Effekt zurückzuführen. Die so geschaffenen sozial homogenen
Teams erinnern stark an die klassischen Familienbetriebe mit ihren engen
Bindungen unter den verwandten Mitarbeitern.
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Die Betonung der Teamfähigkeit neuer Mitarbeiter darf nicht so weit
gehen, daß eigenständig denkende Mitarbeiter abgestoßen,
Einzelleistungen herabgesetzt oder der Einzelne ins Gruppenschema gepreßt
werden. Diese Gefahr wird in den letzten Jahre stärker betont, z.B.
von Hedwig Kellner: Die Teamlüge. Von der Kunst, den eigenen Weg zu
finden, 1997; Prof. Fredmund Malik: Der Mythos vom Team, Management-Zentrum
St. Gallen, 1998. Ein Beispiel dazu aus unserer Firmengeschichte: Eine
neue Mitarbeiterin wird als arrogant und unzugänglich diffamiert.
In Wahrheit ist sie während der Arbeit überaus freundlich, nimmt
aber an Gesprächen nach der Arbeit oder an gemeinsamen Aktivitäten
außerhalb der Arbeit nicht teil, weil sie sie anders als die meisten
anderen aus Bamberg stammt und deshalb einen breiten, sie ausfüllenden
Bekanntenkreis in der Stadt hat, im Unterschied zu vielen der anderen,
die als Zugereiste Kontakte im Team gesucht und gefunden haben.
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Die Ausgrenzung oder Akzeptanz neuer Mitarbeiter wird vom Team stark beeinflußt.
Neue Mitarbeiter werden vom Team scharf selektiert. In einer Untersuchung
über "Hidden
Champions" (PDF) wird dieses Phänomen auch für die Weltmarktführer
in Nischenmärken festgestellt
Teams motivieren
Wie bringt man Mitarbeiter dazu, daß sie nicht schlapp machen? Daß
sie besser werden wollen, auch wenn sie schon gut sind, und weniger schlecht,
wenn sie schlecht arbeiten?
Gerade im Gastgewerbe, in dem keine hohen Löhne gezahlt werden,
wird man nicht nur Wundermänner und -frauen einstellen können,
die hohe fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten und hohe charakterlichen
Integrität in sich vereinen. Man muß sich deshalb entscheiden.
Meines Erachtens sind, wenn man die Qual der Wahl hat, menschliche Integrität
wichtiger als Kenntnisse, Fertigkeiten und vor allem Papierblätter,
auf denen diese bescheinigt werden.
Wichtigstes Führungsmittel sind Gespräche unter vier Augen
(siehe dazu auch das Kapitel 23 der Regel
des Heiligen Benedikt: "Das
Vorgehen bei Verfehlungen") und zwar nicht zwischen Tür und Angel
sondern ungestört und ohne daß Folgetermine drängen (weder
beim Vorgesetzten noch beim Mitarbeiter). Für beide Seiten gilt dabei
absolute Vertraulichkeit. Wenn vertrauliche Informationen aus diesem Gespräch
an Dritte weitergegeben werden müssen, ist dies vorher abzusprechen.
Die zwei wichtigsten Aufgaben des Chefs sind es,
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den Mitarbeitern an der Gästefront Hindernisse aus dem Weg zu räumen
und dafür zu sorgen, daß sie Gäste gut und freundlich bedienen
können. Diese Aufgabe erfordert Organisationsvermögen und Fleiß.
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die unvermeidlichen Schwankungen von so zu steuern, dass das Team optimale
Ergebnisse erzielt. Bei dieser Aufgabe ist psychologisches Fingerspitzengefühl
erforderlich und Menschenkenntnis.
Wie geht man mit Niederlagen und Mißerfolgen um, mit sinkenden Umsätzen,
reklamierenden Kunden, Mobbing, aber auch persönlichen Krisen?
Vermeiden und verhindern Sie, daß gejammert wird. Weinen und
trauern ist okay. Man kann sich auch mal einen hinter die Binde gießen.
Aber wer jammert, findet sich mit seinem Elend ab. Er macht den Mißerfolg
zum Teil seines Lebens und geht routiniert mit ihm um, statt es besser
zu machen. Man schützt sich durch Jammern, statt gegen die Ursachen
des Elends anzugehen. Wer jammert, will Mitleid. Mitleid ist aber keine
Dauerlösung sondern auf Dauer hilft nur es anders machen.
Wie kann man Jammern vermeiden. Man sucht oder schafft Erfolgserlebnisse.
Man kann vielleicht nicht sofort hundert tolle Cocktails mixen lernen,
aber einer geht schon. Man kann nicht immer freundlich sein, aber beim
nächsten Gast kann das gelingen.
Teams führen
Arbeit im Team bedarf einiger Regeln: Im eigenen Bereich hat der Verantwortliche
das letzte Wort, keiner trifft eine Entscheidung für einen anderen
Verantwortungsbereich, bestimmte Entscheidungen werden nur im gesamten
Team gefällt, Geschlossenheit im Auftritt nach außen, jeder
informiert die anderen über alles und es gibt einen Vorsitzenden,
der im Zweifel die "Stichentscheidmöglichkeit" hat. Vergleiche Friedmund
Malik: "Kein Team ohne Disziplin", in: Handelsblatt Karriere, 30./31.03.2001,
Seite K3.
Als Vorgesetzter muß man Vorbild sein. Wer selbst nur jammert
(über Umsatzrückgänge, Geschirrbruch oder nervende Gäste)
braucht sich nicht zu wundern, wenn seine Mitarbeiter ihm nacheifern. Wer
Pünktlichkeit fordert, muß selbst pünktlich sein. Wer fordert,
Überstunden zu machen oder einzuspringen, wenn Not am Mann ist, muß
selbst auch dazu bereit sein.
Mitarbeiter müssen sich "wie in einer Familie" aufgehoben und
ernst genommen fühlen. Der familienähnliche Zusammenhalt innerhalb
der Teams zeigt sich zuweilen negativ in der Heftigkeit von Auseinandersetzungen,
die häufiger emotional geführt werden, positiv in der zuweilen
engen Bindung zwischen dem Unternehmen und ehemaligen Mitarbeitern, die
zu Stammgästen werden können oder nach einem Ortswechsel Kontakt
halten und ihre ehemaligen Kollegen gelegentlich besuchen. Es kommt bei
uns sogar relativ häufig vor, daß ausgeschiedene Mitarbeiter
zurückkehren, weil sie an anderen Arbeitsplätzen dieses gute
Betriebsklima vermissen.
Konflikte sind unvermeidlich, schließlich leben wir in einer
Wettbewerbsgesellschaft. Wichtig ist nur, daß man Konflikte nicht
innerhalb des Team schürt oder laufen läßt sondern Konflikte
lieber mit "denen da draußen" anzettelt oder auslebt. Manchmal ist
es sogar günstig, Konflikte mit Dritten regelrecht zu provozieren.
Basketballtrainer wissen dies sehr genau. Wenn ihre Mannschaft sang- und
klanglos zu verlieren scheint, rasten sie manchmal vorsätzlich aus,
schimpfen mit den Schiedsrichtern und provozieren ein technisches Foul.
Dirk Bauermann, der Basketballtrainer der GHP Bamberg und Nationaltrainer,
hat sich sogar einmal vom Platz stellen lassen, also nach dem ersten technischen
Foul weitergeschimpft bis es den Schiedsrichtern gereicht hat. Dies hat
dem gegnerischen Team zwar viele Freiwürfe eingebracht, aber sein
eigenes Team und Abertausende Zuschauer wachgerüttelt und an
der Ehre gepackt. Seine Mannschaft hat fast zwanzig Punkte Rückstand
aufgeholt und einen knappen Sieg errungen.
Für Teams sind vor allem Tronc-Trinkgeldregelungen geeignet, also
eine Verteilung der insgesamt gezahlten Trinkgelder aller Gäste auf
alle Mitarbeiter des Teams (eventuell je Schicht, je Tag oder auch für
einen ganzen Abrechnungszeitraum), da auch jeder einzelne für die
Zufriedenheit der Gäste mit Sorge trägt. In der Szene-Gastronomie
werden diese Trinkgelder mitunter so verteilt, daß pro geleistetete
Stunde jeder den selben Betrag erhält. In den Manteltarifverträgen
ist hingegen eine Gewichtung mit dem Stundenlohn des Mitarbeiters vorgesehen.
Besser bezahlte Mitarbeiter erhalten demnach einen höheren Anteil
an den Trinkgeldern.
Links
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Oliver van Essenberg: „Nicht jammern, arbeiten!“, in: Fränkischer
Tag vom 6. Februar 2004.
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Die Regel des Heiligen Benedikt.
Das vielleicht beste Organisationshandbuch der Geschichte. Die ersten zwölf
Benediktinerklöster wurden im frühen 6. Jahrhundert in Subiaco
bei Rom gegründet. Benedikt stiftete 529 das berühmte Kloster
von Montecassino, wo er die Mönchsregel verfasste, durch die das gesamte
abendländische Klosterleben organisiert und wiederbelebt wurde. Dem
Abt wurden patriarchische Vollmachten über die Gemeinschaft übertragen,
wobei er selbst der Regel unterstand und wichtige Entscheidungen mit den
Mitgliedern der Gemeinschaft beraten musste. Die Sprache dieses Organisationshandbuches
ist sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig. Aber es lohnt sich,
schließlich funktionieren die Organisationen, die nach der Regel
leben, seit rund einundeinhalbtausend Jahren.
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Zur Personalauswahl in der Gastronomie
Bücher
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"Führen,
Fördern, Coachen" von Elisabeth Haberleitner, Elisabeth Deistler,
Robert Ungvari. Gerade unter verschärften wirtschaftlichen Bedingungen
ist es eine Herausforderung, gleichzeitig Garant des Unternehmenserfolgs
sowie qualifizierter Begleiter der Mitarbeiter und Vorbild zu sein. Statt
dem Chef des alten Stils sind heute Partner und Entwickler der Mitarbeiter
gefordert. Coaching ist eine Führungsmethode mit den Grundsätzen
"Hilfe zur Selbsthilfe" und "Fördern und Fordern". Sie unterstützt
Führungskräfte dabei, die Selbstverantwortung und das unternehmerische
Denken der Mitarbeiter zu fördern und gleichzeitig für sich selbst
mehr Freiraum für die Bewältigung übergeordneter und strategischer
Aufgaben zu erreichen. Ausführliche Beispieldialoge und zahlreiche
praktische Hinweise zu typischen Coachingsituationen machen dieses Buch
zu einem wertvollen Ratgeber im Führungsalltag. Elisabeth Haberleitner
war in einer Unternehmensberatung tätig , bevor sie sich als Coach
selbständig machte. Sie ist als Lektorin an der Fachhochschule Camillo
Sitte in Wien tätig und seit der Gründung 1995 freie Mitarbeiterin
am Coaching Institut für Führungskräfte in Wien. Elisabeth
Deistler ist Beraterin und betreut als ehemalige Leistungssportlerin auch
Spitzensportler im mentalen Bereich. Sie ist Lektorin an der Fachhochschule
für Wirtschaftsberatende Berufe in Wiener Neustadt. Seit 1999 ist
sie freie Mitarbeiterin am Coaching Institut für Führungskräfte
in Wien. Robert Ungvari sammelte Führungserfahrung im Zentralbüro
der österreichischen Kabelindustrie . Er ist seit 1997 als selbständiger
Coach am Coaching Institut für Führungskräfte in Wien tätig
. Außerdem gestaltet er Seminare zum Thema Selbst-und Beziehungsmanagement.
Video
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Karl Kowatschek: "Teamtraining:
Erfolgreich im Team", 2001, VHS-Video, 65 Minuten. Schwerpunkte: Teamfähigkeit
verbessern; partnerschaftlich kommunizieren; Zielformulierung und Gruppenverhalten;
Arbeitstechniken; Teamkonflikte lösen.
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