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Das museumspädagogische Konzept
von Monika Auer
 
Die personenbezogene Vermittlung
 
Das Stadtmuseum Schlüsselfeld wurde von einem ortsansässigen Team interessierter Leute aufgebaut, das auch nach der Eröffnung weiterhin regelmäßig zusammenkommt und über Bestand und Gedankengut der Ausstellung ausführlich informiert ist. Diese Tatsache gewährleistet, daß bei Bedarf problemlos jemand zu finden ist, der, mit genügend internem Fachwissen ausgestattet, Besuchergruppen durch das Museum führen kann. Dabei ist es einerlei, ob sich Interessenten bei der Stadtverwaltung oder dem Museumsleiter direkt anmelden. 
 
   Die Räumlichkeiten lassen darüberhinaus auch Fachvorträge zu verschiedenen Themen zu. Dabei kann eine Teilnehmerzahl von maximal 80 Personen aufgenommen werden. Es ist vorgesehen, zukünftig nicht nur den Museumsleiter, sondern auch andere, selbst auswärtige Referenten zu Wort kommen zu lassen. Bei der Planung richtet sich das Museum nach aktuellen Fragestellungen, Themenwünschen interessierter Gruppen und Vortragsangeboten. 
 
    Nach Bedarf, bzw. auf Wunsch und nach Absprache ist das Museumsteam bereit, im Haus und auch außerhalb Lehrdemonstrationen durchzuführen. So wurde beim Winkelmarkt 1992 die Reinigung antiker Buchumschläge vorgeführt. Im Mai 1996 wurden bei der Oberfrankenausstellung in Bayreuth neben einer Holzschnitzdemonstration alte Spinn- und Webtechniken u.a. mit dem nachgebauten merowingischen Gewichtswebstuhl demonstriert. 
 
    Dieser Webstuhl kam auch im Juli 1996 beim evangelischen Gemeindefest im Stadtteil Aschbach zum Einsatz, dort mit dem Ziel, unter der Zusammenwirkung möglichst vieler Gemeindemitglieder einen Teppich zu weben. Diese Art der Museumsarbeit spircht auch Personenkreise an, die - aus welchen Gründen auch immer - zu einem Besuch des Museums selbst nicht in der Lage sind. 
 
    Ein sehr wichtiges Feld museumspädagogischen Wirkens ist die Zusammenarbeit mit Schule und Lehrern. Das Museumsteam ist in der Lage, bei der Unterrichtsvorbereitung mit schriftlichem Material, mit zusätzlichen Informationen im Rahmen einer vorbereitenden Führung, als auch mit Leihgaben behilflich zu sein. Erste sehr positive Erfahrungen wurden 1995 bei einer Projektwoche der Volksschule Schlüsselfeld gewonnen, während der die Schüler aller Klassen sich in den unterschiedlichsten Weisen mit dem musealen Angebot auseinandersetzten: 
  • man zeichnete Tiere und Geräte ab
  • man entwarf einen Museumsführer für Kinder
  • verfaßte einen Zeitungsartikel über das Museum
  • man informierte sich im Rahmen des Heimat- und Sachkundeunterrichts über den Themenbereich "Wasser"
  • man befaßte sich mit der Problematik der Unkräuter u.v.m.
Weitere Projekte sind in Vorbereitung. 
 
   Außerdem ist es möglich, Lehrer mit ihren Schülern selbständig im Museum Unterricht halten zu lassen. So wurde z.B. der Zeichenunterricht in die Museumsräume verlagert. Wiederholt wurden vor der Krippe Weihnachtsfeiern mit Grundschulen gestaltet. Fest in den Stundenplan der Volksschule Schlüsselfeld ist seit fast zwei Jahren eine "Arbeitsgemeinschaft Museum". Sie bietet vor allem Schülern der Orientierungsstufe unter Betreuung der Museumspädagogin, die gleichzeitig Lehrerin an der örtlichen Schule ist, regelmäßig Gelegenheit, entweder im Museum selbst, im Klassenzimmer oder auch extern geschichtliche, geologische und naturkundliche Zusatzerfahrungen zu gewinnne. Aktivitäten diesbezüglich waren bisher 
  • die Herstellung von Butter mit Hilfe alter und neuerer Handgeräte
  • das Nachformen antiker Gefäße in Ton
  • das Abzeichnen von Museumsobjekten für den "Findebogen"
  • die Suche nach Porzellanscherben auf den Reichmannsdorfer Äckern
  • die Information über die Reichmansdorfer Porzellanmanufaktur speziell und Porzellan im Allgemeinen
  • die Übung im Vergleichen und Unterscheiden von Steinen, Mineralien und Keramik u.v.m.
   Am jährlichen Sommerferienprogramm der Stadt Schlüsselfeld beteiligt sich das Museum mit einem Aktionsnachmittag vorzugsweise in freier Natur. Kostenlose Museumsbesuche sind während der Sommerferien für Kinder auch im Ferienprogramm des Landkreises angeboten. 
 
   Eine weitere Museumsaktivität nennt sich "Stöbertour". Darunter sind vom Frühjahr bis zum Herbst monatliche Sonntag-Vormittagsausflügs in den Steigerwald zu verstehen, an denen jeder Interessierte kostenlos mit oder ohne eigenes Auto teilnehmen kann. Bei diesen Kleinexkursionen werden die Teilnehmer an geologisch, botanisch und historisch interessante Projekte wie Steinbrüche, Biotope, Burganlagen usw. herangeführt und so die begrenzten Räumlichkeiten des Museums um die Begegnung vor Ort erweitert. 
 
    Neben diesen regelmäßigen Veranstaltungen führt das Stadtmuseum zu gegebenem Anlaß Sonderveranstaltungen durch. So wurde z.B. nach einem Vortrag im November 1995 im folgenden Jahr als Aktion des Heimatvereins Reicher Ebrachsgrund und Umgebung ein keltischer Grabhügel bei Oberköst restauriert. Unter der Leitung des Museumsdirektors wurde das im vorigen Jahrhundert geplünderte und neuerdings verwühlte Bodendenkmal instandgesetzt und als vorgeschichtliches Zeugnis dem Wanderer wieder erkennbar gemacht. Pläne zu weiteren Sonderaktionen bestehen bereits. 
 
    Solche Aktivitäten und interessante Neuzugänge im Museum werden der Öffentlichkeit über Rundfunk und Presse mitgeteilt. Hauptmedien sind der "Fränkische Tag" und die "Nordbayerischen Nachrichten" ebenso wie das Amtsblatt der Stadt Schlüsselfeld und der Steigerwaldkurier, in besonderen Fällen auch die DPA. Die Einbeziehung in diverse aktuelle Nachschlagwerke trägt zum Bekanntheitsgrad bei. Wissenschaftliche Forschungsbeiträge werden zudem in einschlägigen Fachorganen veröffentlicht und im Museum angeboten. 
 
    Besonders Gewicht fällt aus museumspädagogischer Sicht auf die Öffnung der Arbeitsabende für Besucher. Auf diese Weise wird Einsicht in die Hintergrundarbeit gewährt und die Möglichkeit zu Meinungs- und Informationsaustausch geschaffen, ebenso wie: 
  • Heranführung an Sammel-, Inventarisierungs- und Restaurierungstechniken
  • Vorstellung von Objekten, die bislang nicht zur Ausstellung gekommen sind.
  • Einsicht und Beratung bei der Problematik im Umgang mit Antiquitäten
  • Einblick in die Ausstellungstechnik
Gewinnbringend für das Museum und seine Arbeitsgruppe wirken sich aus: 
  • der Zugewinn von neuem Wissen aus dem Gespräch mit Besuchern
  • die Erweiterung von Erkenntnissen über Wissenslücken und Wünsche von außen
  • Nachwuchsförderung und Gewinn neuer Mitarbeiter und Kurzzeithelfer
  • Vertiefung von Öffentlichkeitsarbeit durch Meinungsbildner.
Dieser engagierte Gedankenaustausch in ungezwungenen Gesprächen bewirkt eine Intensivierung des Kontaktes zwischen Mensch und Museum in einer Atmosphäre, die so privat ist, wie sie weder in einer Ausstellung noch in einer organisierten Veranstaltung sein kann. 
 
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