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Das museumspädagogische Konzept
von Monika Auer
 
Die Austellung als mediale Vermittlung
 
Die Anzahl der Wand-, Tisch- und Schrankvitrinen ist möglichst gering gehalten worden zugunsten freierer Präsentationsvarianten. Die vorhandenen Vitrinen sind gut sichtbar durchnumeriert und erleichtern so die Orientierung in den Räumen. Ihre Gestaltung berücksichtigt den Sinnzusammenhang der gezeigten Objekte ebenso wie die ästhetische Darbietung als Anreiz zum Hinsehen und optische Gesichtspunkte, die den Blick des Betrachters auf angenehme Weise dem Wesentlichen zuleiten. Auf starre Einlegeböden wurde verzichtet, um Bilder zu schaffen, die durch ihre atmosphärisch-ganzheitliche Wirkugng den Betrachter ansprechen sollen. Die Rückwände und Böden der Vitrinen sind mit dezentfarbigen Stoffen ausgekleidet, die die jeweilige Thematik diskret unterstreichen und eine ausgeglichene Raumatmsophäre begünstigen. 
 
   Besonderes Gewicht liegt neben der in vitro Präsentation auf den frei im Raum dargebotene Ausstellungsstücken. Auf die zwar schützende, aber auch Distanz schaffende Verglasung wird in vielen Fällen verzichtet zugunsten einer direkten Begegnungsmöglichkeit mit den Originalen. Die Erfahrung in der kompletten Dimensionalität wirkt wesentlich intensiver und nachhaltiger. Ein Dialog mit dem Dargebotenen wird erleichtert. Die Begegnung steigert sich zum sinnlichen Erlebnis. Wo wegen der Empfindlichkeit der Objekte ein Berühren verhindert werden muß, wie z.B. bei der Präsentation von Storchenpaar, Kegelbahn und Töpferwaren, beschränkt sich die Abgrenzung auf einseitige, sparsam eingesetzte Glas- und Acrylscheiben, die lediglich Hinweischarakter besitzen. 
 
Raum 1: Die Natur im SteigerwaldAuch Schaukästen, wie z.B. bei den Schmetterlingen und der Hangmaus, vermitteln Nähe, ohne das Ausstellungsgut zu gefährden. Mit Rücksicht auf die Zielgruppe "Kinder" sind die Mehrzahl der frei präsentierten Gegenstände und die für Kinder interessanten Vitrineninhalte im unteren Drittel der Raumhöhe angeordnet. 
 
    Um das Zwiegespräch des Besuchers mit dem Raum noch mehr zu fördern, sind im Museum wiederbeschaffbare Originale solcherart präsentiert und zusätzlich mit dem Hinweis versehen, daß Anfassen nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht ist: 
  • So verfügt die geologische Abteilung über eine Sandsteinsammlung mit der Aufforderung, die unterschiedliche Struktur durch Betasten zu erfassen. 
  • In der Abteilung "Natur" sollen Felle durch Berühren erkundet und dem passenden Tier -(Abbild) zugeordnet werden. 
  • Außerdem befindet sich hier ein Mikroskop, mit dem der Besucher selbsttätig Präparate aus der Tier- und Pflanzenwelt betrachten kann. 
  • Das Ausprobieren alter Arbeitstechniken ermöglicht der Nachbau eines frühmittelalterlichen Webstuhls im Raum "Volkskunde". 
  • Besonders Kinder nutzen hier auch gerne die Möglichkeit, Tonscherben mit Hilfe von Klebeband wieder zu Gefäßen zusammenzubauen: Ein Bekanntwerden mit museal-restauratorischen Tätigkeiten ebenso wie der innige Dialog mit dem Material Ton in einfach gebranntem Zustand. 
     Ein weiteres Angebot an den Besucher, sich aktiv mit dem Gezeigten zu befassen, liegt in der Möglichkeit, Hilfsmittel wie Lupen, Rot-Grün-Brillen oder demnächst auch ein Nachschlagewerk zum Baumbestand des Steigerwaldes zu benutzen. Auch die Anordnung der Ausstellungsstücke regt in vielen Fällen zu gewinnbringenden Gedankenspielen und Vergleichen an. 
 
   Da, wie eingangs erwähnt, keine Sammlung o.ä. als Grundstock vorhanden war, konnten auch die Schaustücke selbst nach museumspädaogischen Gesichtspunkten zusammengetragen und ausgewählt werden. So verfügt das Stadtmuseum über einen wachsenden Fundus, der die grundlegenden Themenbereiche fachlich und historisch repräsentieren kann, wie z.B. die Gesteinsformationen des Keupers oder die nahezu komplette Sammlung einheimischer Gehölzarten. Ein großer Anteil an Ausstellungsstücken stammt als Spende oder Leihgabe direkt aus der Bevölkerung und vermittelt ein hohes Maß an emotionalem Bezug. Dazu werden in Original oder Nachbildung Raritäten und Besonderheiten ausgestellt, wie z.B. die Ebracher Saurier und das Holgramm einer Fledermaus. 
 
   Solche "Highlights" und einige punktuell eingefügten Objekte mit vorder- oder auch hintergründigem Humor, genannt sei hier das 3D-Bild der Kunigunde, sorgen für Auflockerung und tragen zur Steigerung des Interesses bei. Nicht zuletzt sind die Demos mit provokativem Charakter zu erwähnen, die Besucher zu kritischem Denken anregen sollen. Erwähnt sei hier nur die Un-Kraut-Vernichtungstafel aus den 60er Jahren. 
 
   Eine Präsentation von Objekten in ihrem natürlichen Umfeld erleichtert das Verständnis für Funktion und Sinn. Dieses Umfeld wird durch Auswahl und Anordnung der Gegenstände einerseits, andererseits durch fotografische Demonstration im Hintergrund geschaffen. Dadurch ist es möglich, die das Gesamtbild unterbrechende Beschriftung auf ein Minimum zu reduzieren. Das Sehverhalten der heutigen Gesellschaft wird bekanntlich durch bildhaft-plakativ Dargebotenes intensiver angesprochen als durch Schrifen und Texte. Lesebereiten Besuchern werden aber in Augenhöhe, d.h. an der Obergrenze des unteren Raumdrittels, und in gut erfaßbarem Schriftbild mittels leicht verständlicher kurzer Texte zusätzliche Informationen angeboten. 
 
    Das Museum hält als Handreichung für den Ausstellungsbesuch oder auch als Erinnerungsfaktor einen 
  • Führer für Erwachsene mit erläutertem Rundgang und einen 
  • Kinderführer bereit. Letzterer erstellt von einer Grundschulklasse in Projektarbeit. Beide Prospekte zeigen in Kurzform die Thematik der einzelnen Räume auf. Darüberhinaus liegen 
  • "Findebögen" titulierte Such- und Malblätter für Kinder von 6 bis 96 zum Bearbeiten bereit, die mit Erläuterungen und Fragen ein bewußtes Hinsehen und Wahrnehmen fördern und am Ende den Fleiß sogar mit einer Überraschung belohnen. 
  • Kostenlose Abhandlungen und 
  • preisgünstige Spezialbroschüren ermöglichen bei Interesse ein tieferes Eindringen in angeschnittene Themen. Außerdem wird Wissenswertes über Schlüsselfeld und seine Sehenswürdigkeiten in Form von 
  • Stadtführer und 
  • Stadtplan angeboten. 
 
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