|
Die Wiederentdeckung einer alten Steigerwaldkrippe
|
||
| Bei den Umfragen nach geeigneten Objekten aus dem Lebensraum Steigerwald
für das im Aufbau begriffene Stadtmuseum Schlüsselfeld konnte
im Oktober 1992 eine Krippe als Dauerleihgabe erworben werden.
Berichten zufolge sollte sich in Schlüsselfelder Gemeindeteil Eckersbach eine handgefertigte Krippe befunden haben. Schon bei der ersten oberflächlichen Besichtigung wurde klar, daß hier eine echte volkskundliche Rarität eingelagert war. Obwohl die Figuren sorgfältig in Kartons verpackt lagen und die Kulissen samt Tragegerüst in einem Schuppen verwahrt wurden, blieben die Folgen mehrfacher Umschichtung unübersehbar. Die Befragung der Besitzer ergab, daß die letzte Aufstellung um 1980 stattgefunden hatte. Zur Geschichte: 1930 - 1932 bauten der Landwirt Georg Gräbner (geboren 16.10.1870, gestorben 20.5.1953) und sein Sohn Georg (Uhrmacher, geboren 7.3.29, gestorben 18.6.1983) am Grundstock dieser Krippe. In den folgenden Jahren wurde sie regelmäßig in der Stube errichtet und zur Schau gestellt. Das Aufbauen dauerte dabei jeweils ca. vier Wochen. Weitere Um- und Anbauten folgten. Die ursprüngliche Konzeption sah wohl eine bewegliche Gesamtszenerie vor, die aber bald aufgegeben wurde. Ein Teil der Figuren kann deshalb durch einen Schiebestangenmechanismus über Treibriemen und Räder von Hand bewegt werden. Mit Einzug der Elektrifizierung in die Krippe konnten durch eine abteuerliche Installation eine Mühle und eine Spieldose samt Illuminierung der Gebäude betrieben werden. Brandflecken z.B. am Gewand des Gloria Engels zeugen von den Risiken des Unternehmens. Vielleicht hätte ja auch das wassergefüllte Butterfaß, das zur Speisung der Mühlteiche diente, letzte Rettung gebracht. ![]() Wegen der Einmaligkeit dieser Krippe entschlossen wir uns spontan, sie bereits in diesem Jahr noch vor Eröffnung des Meseums zu präsentieren. Eine noch längere Einlagerung wäre zudem schlecht für die Erhaltung gewesen. Allerdings kann die nötige Restaurierung in der kurzen Zeit bis Dezember nicht mehr erfolgen, auch stellten sich mangels Aufzeichnungen erhebliche Probleme bei der Rekonstruktion ein. So wird in der Adventszeit 1992 nur ein Provisorium zu sehen sein, das aber ein in seiner naiven Darstellung un liebevollen Behandlung des Themas einmaliges Kunstwerk erkennen läßt. Wilfried Auer Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 3+4 im Jahre 1992 in der "Heimat Bamberger Land" |
|||
|
Inhaltsverzeichnis |