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Was bedeutet die Einführung des "Ratings" für die Gastronomie?

Wie werden sich die neuen Kreditvergabe-Vorschriften (Stichwort "Basel 2") auf die Finanzierungsmöglichkeiten des Gastgewerbes auswirken?

Was bedeutet "Rating"? 

Ein Rating prognostiziert die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Unternehmen in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen pünktlich und vollständig nachkommen wird. 


Die wirtschaftliche Fähigkeit, rechtliche Bindung und der Willen eines Schuldners wird dabei durch Rating-Symbole gekennzeichnet. 

Hintergrund

Seit 1988 müssen die Kreditinstitute ungeachtet der Bonität der Schuldner alle Forderungen gegenüber Unternehmen mit 8% Eigenkapital unterlegen. Die dort beschlossenen Richtlinien für die Eigenkapitalausstattung werden üblicherweise als "Basel I" bezeichnet. 


Im Juni 1999 hat der Basler Bankenausschuss Eckpunkte für eine Neuregelung vorgelegt (sog. "Basel II proposal"). Ab 2004 wird demnach das bei einer Kreditvergabe seitens der Bank zu hinterlegende Eigenkapital abhängig von der Bonität des Schuldners. Ein erstes Konsultationspapier des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht sah vor, daß die Bonität der Kreditnehmer in verstärktem Maße durch externe Ratings bewertet werden sollte.


Die Kosten eines externen Ratings belasten besonders kleine und mittlere Unternehen relativ stark. Deshalb wurde im zweiten Konsultationspapier vom 16.01.01 festgelegt, daß die Schuldnerbonität auch mittels hausinterner Ratingverfahren (also durch die Banken selbst) ermittelt werden kann.  Dieses interne Rating der Bank bedarf hierbei der offiziellen Anerkennung durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Bezüglich des externen Ratings haben sich in jüngster Zeit verschiedene kleine Ratingagenturen gebildet. 


Die Basler Beschlüsse nennen für die Ratingerfordernisse keinen Kreditmindestbetrag. Möglicherweise wird auf die jetzige Regelung des Kreditwesengesetzes abgestellt werden, wonach erst für Kredite von DM 500.000 und mehr die Offenlegung der Verhältnisse des Schuldners verlangt wird. 

Für unterschiedliche Bonitäten wird es unterschiedliche Zinshöhen geben. 

Gastronomen, die erfolgreich sind und dies in ihren Bilanzen darstellen, werden von niedrigeren Zinsen profitieren.


Für die Masse der gastronomischen Unternehmen sieht es hingegen auch schon vor Basel II düster aus. Aus der Sicht der Banken ist der Verschuldungsgrad der Gastronomie bereits außerordentlich hoch. Deshalb haben in der Gastronomie Franchising und Lieferantenkredite, oft gekoppelt mit ausbeuterischen Bezugsverpflichtungen, eine große Bedeutung.

Ratings kosten Geld

Externe Ratings werden nur von nicht ganz kleinen Unternehmen in Anspruch genommen werden. Die Bandbreite etwa der von der Ratingagentur RS Rating Services AG gerateten mittelständischen Unternehmen liegt zwischen 3 Millionen und 300 Millionen Mark Jahresumsatz bei einer Beschäftigenzahl von 20 bis 1.500 Mitarbeitern.


Zwar werden interne Ratings der Banken preisgünstiger sein als externe Ratings. Doch die Banken werden die Gelegenheit ergreifen, sich ihre Arbeit vergüten zu lassen. Auch wenn dies eine Unverschämtheit ist, denn es ist eigentlich die Aufgabe des Kreditgebers, sich zu überlegen, ob er einen Kredit vergibt.

Existenzgründungen werden erschwert

Besonders Existenzgründer werden in Zukunft wohl höhere Zinsen in Kauf nehmen müssen, da bei ihnen die traditionellen, auf der Analyse von Vergangenheitswerten basierenden Verfahren versagen.

Existenzgründer werden in Zukunft in stärkerem Maße auf neuartige Beteiligungsfonds und "Business Angels" (private Geldgeber) angewiesen sein. Solche Finanzierungen kommen aber nur in Frage, wenn hohe Wachstumsraten erwartet werden, etwa bei Betriebskonzepten der Systemgastronomie. Inidividualgastronomen, die im wesentlichen ihren Lebensunterhalt im Auge haben, ohne ein hohes Unternehmenswachstum anzustreben, können von daher keine Finanzmittel erwarten. Vielen Existenzgründer wird deshalb nur übrig bleiben, sich als - formal selbständige - Franchisenehmer zu verdingen, bei denen sie am besseren Rating des Franchisegebers partizipieren, der sich zugunsten von Investitionen beim Fanchisenehmer verschuldet. 

Mehr Eigenkapital bei den Unternehmen erforderlich

Bisher steht noch nicht fest, ob die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Schuldner steigen werden. Von einigen, etwa dem Deutschen Industrie- und Handelstag wird dies aber befürchtet. 


Davon wären Pachtbetriebe der Gastronomie ganz besonders betroffen, weil sie in ihren Bilanzen kaum Eigenkapital darstellen.


Betroffen sind aber auch mittelständische Lieferanten. Besonders wichtig dabei der Getränkefachgroßhandel und die Brauereien, die sich wegen "Basel II" in Zukunft selbst schlechter refinanzieren können und deshalb weniger in der Lage sein werden, sich ihrerseits an der Finanzierung gastronomischer Objekte zu beteiligen.

Schwierige Bilanzpolitik 

Die Banken werden ihr internes Rating aufbauen:
  • auf einer stupiden, technischen Analyse der Bilanzen des Kreditnehmers, 
  • seinen Transaktionen mit der jeweiligen Bank, besonders ob die Kontoumsätze in einem vernünftigen Verhältnis zum Kontokorrent-Kreditrahmen stehen,
  • wieweit der Kreditrahmen ausgeschöpft wird und ob der Kunde sein Konto überzieht. Negativ wirken sich zudem geplatzte Schecks und Lastschriften wie auch die Pfändung von Konten aus. 
  • Abfragen externer Datenbanken (z.B. Schufa, Creditreform), 
  • den Auskünften von Kunden (Fragebögen)
Bilanzen werden aber häufig mit der Zielsetzung der Steuerminimierung erstellt und ergeben ein völlig schiefes Bild von der wirklichen Lage des Unternehmens. 


Da in der Gastronomie ein erheblicher Anteil der Transaktionen bar abgewickelt wird, verzerrt eine Analyse der über Bankkonten laufenden Transaktionen das Bild.


Noch schwieriger wird das Rating, wenn ein Gastronom mehrere Bankverbindungen unterhält. Deshalb werden Banken versuchen, die Kreditergabe mit einer Verpflichtung zu verknüpfen, alle Banktransaktionen über sie abzuwickeln ("Hausbankprinzip").

Professionelles Auftreten wird erwartet

Auch wenn die zuständigen Firmenkundenberater in der Regel keine ebenbürtige Gesprächspartner sind (sonst wären sie unternehmisch tätig), sollte man die Spielregeln beherzigen:
  • Das Kreditgespräch sollte sorgfältig vorbereitet werden.
  • Die Person des Unternehmers, sein Gesundheitszustand, sein Engagement und sein Alter werden mitbewertet. Ist ein Unternehmer oder Gesellschafter älter als 50 Jahre wird nach einer Nachfolgeregelung gefragt.
  • Der persönliche Eindruck ist wichtig, auch wenn man eigentlch keine Lust hat, sich wie ein langweiliger Bankmensch zu verkleiden, und in Lederklamotten wirklich besser aussieht.
  • Man muß die Bank von seiner Leistungsbereitschaft, seinem Können und seinen unternehmerischen Qualifikation überzeugen. Und was braucht das Gegenüber dafür: Papiere, Urkunden, Zahlen, da er keine Ahnung von der Gastronomie hat.
  • Das Konzept muß überzeugen. Neuem gegenüber wird man skeptisch sein. Nenne stattdessen lieber erfolgreiche Beispiele, am besten von außerhalb, damit er sie nicht überprüfen kann. New York und London klingen immer gut. Ein Beispiel in Deutschland ist schlecht, denn vermutlich gibt es auch dort eine Filiale der Bank.
  • Man wird die persönliche Vermögens- und Einkommenssituation ausschnüffeln wollen, um die Hand auf Sicherheiten legen zu können oder nebenbei noch ein anderes Produkt verkaufen zu können. Gibt nur soviel preis, wie unbedingt sein muß.

Ein Business Plan muß her

Dein Konzept muß Du schriftlich spezifizieren. Man nennt so etwas "Business Plan". Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist wichtig, Gedanken, die man sich macht, zu strukturieren und zu dokumentieren. Aber Deine Ideen interessieren den Bankmenschen gar nicht. Ihn interessiert nur, ob Du - auf dem Papier - in der Lage sein wirst, den Kredit zurückzuzahlen, damit er sich vor seinen Chefs und der Revision rechtfertigen kann, wenn der Kredit platzt.


Rund um diese zentrale Botschaft gehört schmückendes Beiwerk, aber keineswegs das eigentliche Konzept. Sonst kann es Dir passieren, dass es zur Konkurrenz weitergereicht wird.


Kern des "Business Plans" ist eine Umsatz-, Kosten- und Ertragsvorschau für die ersten fünf Jahre. Nun weiß natürlich kein Schwein, wieviel man wirklich umsetzen wird. Was als Umsatz angegeben wird, ist der erhoffte Umsatz, der es erlaubt, die Kosten incl. der Bankzinsen und der Tilgung und einen Gewinn zu decken, den ein Banker Dir gönnt.


Da die Bank weiß, daß sie von Deinem Geschäft keine Ahnung hat, sich aber trotzdem die Chance nicht entgehen lassen will, von Dir Zinsen zu kassieren, verlangt sie Sicherheiten für den Fall, daß sie sich geirrt hat. Sie bewertet dabei Dein Vermögen wie folgt:
  • Kontoguthaben bei einem Kreditinstitut werden in voller Höhe bewertet. Aber Vorsicht: Die Bank wird versuchen, die Hand drauf zu legen. Nenne deshalb nur Guthaben, von denen sie ohnehin weiß, also bei der selben Bank.
  • Bei Lebensversicherungen werden nur die Rückkaufswerte bewertet. Spätestens jetzt merkst Du, daß es ein Fehler gewesen ist, eine abzuschließen.
  • Festverzinsliche Wertpapiere werden mit drei Vierteln ihres Wertes als Sicherheit angerechnet, Aktien mit fünfzig Prozent. Auch vor Dein Depot werden sie einen Aufpasser stellen. Gib keine Depots an bei anderen Banken.
Laß, auch wenn es schwerfällt, auch nach der Kreditvergabe den Kontakt zu Deinem Bankberater nicht abreißen. Wenn es schlecht läuft, bring es ihm peu à peu bei und zwar schriftlich (etwa in einem informellen Geschäftsbericht). Dann fällt es ihm schwerer, mit der Begründung, er sei überrascht, Kredite zu kündigen.


Hüte Dich besonders vor Umschuldungen, Zusammenlegungen von Krediten und ähnlichem. Die Bank schafft und nutzt solche Gelegenheiten, um ihre Sicherheiten zu erhöhen. Merke: Nur ein ungesicherter Kredit kommt die Bank teuer zu stehen und nicht Dir.

Externe Rating-Agenturen

Bislang wurden Rating-Agenturen wie Moody's und Standard & Poor's  ausschließlich von Konzernen angeheuert. Nunmehr stürzen sich aber eine ganze Reihe neugegründeter Agenturen, aber auch große Rating-Agenturen und andere Dienstleister in das Geschäft.

Studien zu den Auswirkungen des Ratings auf das Gastgewerbe

Bisher ist uns erst eine einzige Studie zu Ohren gekommen, welche die Auswirkungen von Basel II auf Branchen untersucht. Prof. Dr. Walter Schwaiger von der TU Wien hat sie erstellt. Nach seiner Ansicht, ist das Gastgewerbe unterdurchschnittlich betroffen. Bei der Bonitätsprüfung käme es nicht nur auf die Eigenkapitalausstattung an, wichtig sei auch, wie die Zukunft eines Unternehmens beurteilt werde und inwieweit das Tun des Management nachvollziehbar und transparent wirke.

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 Aktualisiert am 5. Juli 2002