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Preiskalkulation in der Gastronomie
Ein Kilogramm eines Gastronomie-Kaffees
kostet im Einkauf zwischen 26 und 36 DM netto. Warum schwankt - meist unabhängig
vom jeweiligen Einkaufspreis - der Preis für eine Tasse Kaffee zwischen
vielleicht 2 und 8 DM? Warum streut der Preis so stark?
Liegt es an der Qualität ("Value-Added pricing")? Wohl
kaum. Wer hat nicht schon für wenig Geld einen köstlichen Kaffee
getrunken und viel Geld für eine kaum trinkbare Brühe bezahlt?
Was kostet eigentlich ein doppelter
Espresso?
Die Hamburger Zeitschrift "Der Feinschmecker"
hat 1998 die wichtigsten deutschen Hotels und Restaurants befragt. Am teuersten
ist der kleine Schwarze in Düsseldorf: Das Drei-Sterne-Restaurant
"Im Schiffchen" verlangt dafür 11 Mark. Auf dem zweiten Platz der
heißen Preisparade mit jeweils 10 Mark pro Doppel-Espresso liegen
das Steigenberger Hotel "Frankfurter Hof" (Frankfurt/Main), das Restaurant
"Le Canard" (Hamburg), das Hotel "Excelsior" (Köln) und das "Seehotel
Siber" (Konstanz). Im Vergleich dazu sind relativ preiswert: "Brenner's
Parkhotel" (Baden-Baden) und die "Traube Tonbach" (Baiersbronn) - 6,50
Mark muß der Gast für eine Tasse doppelten Espresso hinlegen. |
Eine etwas überzeugendere Antwort lautet, daß es an den
Kosten ("Cost-Plus Pricing") liege. Etwa an der Pacht, die lageabhängig
in verschiedenen gastronomischen Objekten höchst unterschiedlich ist,
denkt man auf der einen Seite an ein Café im Zentrum einer Großstadt
und auf der anderen Seite an ein Dorf weit ab vom Schuß. Oder an
die Kosten einer hochwertigen Kaffeemaschine
oder eines guten Kaffees.
In Wahrheit entscheidet die Zahlungsbereitschaft der Gäste
("Customer Expectation-based Pricing") über den Preis. Und
warum zahlen Gäste in manchen gastronomischen Betrieben gerne mehr
und in andern weniger? Sie messen dem Produkt mehr oder weniger Wert bei
und dieser Wert hängt in erster Linie nicht vom Produkt an sich ab,
sondern vor allem vom Branding des Objektes,
in dem es angeboten wird. Deshalb muß die Festlegung der Zielguppen
eines Restaurants der Preiskalkulation vorausgehen.
"It is important to understand who your
target market is and develop and price your menu accordingly. If you are
opening in an area that would support a casual theme restaurant - one that
serves pastas, pizzas, sandwiches and burgers - you must develop a menu
that is moderately priced. An upscale theme restaurant will carry a higher-priced
menu. However, your target market for the casual restaurant will be larger
due to its affordability and therefore will appeal to a broader base of
customers."
Ron Gorodesky and Ed McCarron: Strategic
Positioning of a Restaurant. Part I - Pricing. |
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Kalkulationsverfahren
Zu den verschiedenen Kalkulationsverfahren:
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Die Aufschlagskalkulation wird
noch häufig verwendet. Sie ist ideal, wenn man Pleite gehen möchte.
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Beim Target-Costing wird vom realisierbaren
Marktpreis oder einem geschätzten Verkaufspreis und dem erwünschten
Gewinn auf einzelne Kostenkomponenten zurückgerechnet (Zielkostenrechnung).
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Das Activity-Based-Costing konzentriert sich
auf die einzelnen Aktivitäten ("Prozesse"). Die Kosten werden über
Aktivitäten zu den Produkten zurückverfolgt. Aktivitätsorientierte
Attribute werden als 'Kostentreiber' genutzt. (Prozeßkostenrechnung).
Ich bin mir nicht sicher, ob die in vielen Restaurants
in Italien übliche Methode der Preissstückelung auf der Analyse
von Kostentreibern und Prozessen beruht oder nur der Preisvernebelung dient.
So werden selten Endpreise für ganze Menüs angegeben, sondern
stattdessen nur Preise für die einzelnen Gänge. Pro Person wird
eine Art Platzgebühr (coperti) von etwa 1,50 Euro und auf die Summe
der Einzelpositionen und der Platzgebühr wird dann noch eine Service-Gebühr
(Bediengeld) aufgeschlagen.
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Die deckungsbeitragsbezogene Kalkulation
erläutern wir am Beispiel von Tex-Mex-Gerichten.
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Fluid Pricing bezeichnet Preismechanismen wie Auktionen
oder zeitlich Preisdifferenzierungen
im Rahmen von Yield-Management-Systemen. Der Preis wird dabei nicht autonom
vom Verkäufer festgelegt, sondern ergibt sich im Verlauf von Verfahren
aus Regeln, die vom Verkäufer vorab festgelegt worden sind, aus dem
Verhalten von Käufern. Im Verlauf dieser Verfahren können sich
die Preise ändern; sie erscheinen aus Käufersicht "flüssig"
zu sein.
Siehe auch unsere Seite mit Büchern und Links zu Kostenrechung
und Controlling in der Gastronomie.
Vielfach ist unbekannt, daß die Grundpreisverordnung,
welche festlegt, daß Preise zusätzlich auch auf den Liter bezogen
angegeben werden müssen, die Gastronomie ausnimmt. Unter anderem müssen
Waren, die im Zusammenhang mit Dienstleistung angeboten werden, nicht
mit dem Grundpreis ausgezeichnet werden, wenn sie in Beherbergungsbetrieben,
Gaststätten, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, Krankenhäusern,
Kantinen oder Friseurgeschäften angeboten und erbracht werden.
Preisdifferenzierung
Zu wenig werden im Gastgewerbe und seltener in der Gastronomie
als in der Hotellerie die Möglichkeiten differenzierter Preise genutzt,
also das Angebot einunddesselben Produktes zu unterschiedlichen Preisen:
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Zeitliche Preisdifferenzierung.
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Preisdifferenzierung nach Verwendungszweck, etwa ermäßigte
Preise für karitative Organisationen.
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Persönliche Preisdifferenzierung. Beispiele sind
Sonderpreise für Studenten, Senioren oder Kinder. Oder unterschiedliche
Preise für Mitarbeiter und Studenten in den Mensen von Studentenwerken.
Oder subventionierte, niedrigere Preise für Betriebsangehörige
und auf der Basis von Vollkosten kalkulierte Preise für Nichtbetriebsangehörige
in Kantinen, die auch Nichtbetriebsangehörigen offen stehen.
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Räumliche Preisdifferenzierung. Ein Beispiel
sind entfernungsabhängige Gebühren bei Lieferdiensten oder auch
Preise, die sich in verschiedenen Filialen einer Kette je nach Standortqualität
unterscheiden. Oder Preiszuschläge an bestimmten Tischen, an denen
der Gast schneller bedient wird. Die Almhütte
in Darmstadt-Eberstadt besitzt z.B. eine sogenannte "Kilostub'n",
in der Gruppen bis zu 20 Personen feiern können. Alle dort bereitgestellten
Preise und Getränke werden nach Kilo berechnet. Die Gäste
zapfen selbst an der im Tisch integrierten Zapfstelle, das Haus stellt
alles Nötige an Getränken und Speisen bereit.
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Mengenmäßige Preisdifferenzierung. Ein
Beispiel sind Angebote wie "3 für 2", also dass ein Gast nach der
Bestelllung von 2 Bieren das dritte Bier umsonst bekommt. Oder elf Kölsch
zum Preis von zehn ("10 plus 1"). Oder auch niedrigere Preise für
"Stammesser", also solche Gäste, die sich verpflichten, jeden Tag
zu essen.
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Individuelle Preise (sogenannte "perfekte Preisdifferenzierung").
Ein Beispiel ist etwa ein individuelles Angebot für die Bewirtung
einer Hochzeitsfeier. Varianten sind solche Preisfestsetzungsmechanismen,
bei denen die Kunden ihrerseits Zahlungsbereitschaften äußern,
etwa Auktionen.
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Spielerische Preisdifferenzierung. Etwa wenn ein Mitarbeiter,
der den Eintritt zu einer Veranstaltung kontrolliert, mit einem Besucher
auslost, ob dieser den Eintrittspreis zu zahlen hat (gesehen im Morph
Club Bamberg).
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Preisdifferenzierung nach Vertriebswegen, etwa einen
niedrigeren Übernachtungspreis bei einer Online-Differenzierung. Gründe
für eine solche Differenzierung können sein: niedrige Vertriebskosten,
unterschiedliche Zielgruppen (etwa wenn Kunden, die online reservieren,
preiskritischer sind) oder die Möglichkeit, bestimmte Vertriebswege
abhängig von Auslastungsgraden auf- und abzuschalten.
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Loyalitätsabhängige Preisdifferenzierung.
Vergünstigungen werden in Abhängigkeit von der Dauer der Kundenbeziehung
gewährt. Beispiel: Feriengäste, die seit x Jahren ihren Urlaub
in einem Objekt verbringen, erhalten bestimmte Vergünstigungen.
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Preisbündel. Siehe dazu unsere Seite Preisbildung
im Internet.
Weiterführende Links
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Abseits.de: Preisfindung
im Internet.
-
Pricing.
Eine Sammlung grundlegender Artikel, vom Harcourt College.
-
Pricing
Essentials from Floor to Ceiling by Debra Kahn Schofield.
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Strategic
Positioning of a Restaurant, Part I - Pricing by Ron Gorodesky and
Ed McCarron, in: Restaurant Report.
-
Matthias Nold: Preise
steigen mit dem Lohn. Die Schweizer Cafetiers haben laut eigenen Aussagen
bis heute falsch kalkuliert – und die Kaffeepreise werden voraussichtlich
auch im nächsten Jahr steigen, in: Gastro Journal, Ausgabe 50/2001.
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Der
Konsument, ein unbekanntes Wesen? (5) - Der richtige Preis - Preiselastizität
nach Bedarfsfeldern, in: Convenience-Akademie.de.
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Der
Konsument, ein unbekanntes Wesen? (6) - Der richtige Preis - Preissicherheit
mit Methode, in: Convenience-Akademie.de.
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Dr. K.Gedrich, Wissenschaftszentrum Weihenstephan für
Ernährung, Landnutzung und Umwelt, Department für Wirtschafts-
und Sozialwissenschaften, Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Haushalts:
Preispolitik
(PDF), Teil einer Veranstaltung von Prof. Dr. Karg und Dr. K. Gedrich über
"Ökonomik
der Gemeinschaftsverpflegung" im Sommersemester 2001, Technische Unversität
München. Das Skript
(PDF; 406 KB) zur Veranstaltung.
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Angela Pickel: Relationship
Pricing im System des Customer Linking Managements als Instrument der Kundenbindung,
in: Online-Lehrbuch des Ausbildungsbereichs Betriebswirtschaftslehre (Prof.
Dr. Dr. habil. H.-T. Beyer), Institut für Wirtschaftswissenschaft,
Universität Erlangen.
Bücher
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Menu
Pricing by David V. Pavesic.
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Der Preis hat für den Handel eine noch nie dagewesene
Bedeutung. Die Konsumenten werden immer anspruchsvoller und wollen zugleich
das Gefühl haben, beste Qualität zum niedrigsten Preis zu kaufen.
Dieses Phänomen wird zum regelrechten Volkssport und hat mit dem Fortfall
von Rabattgesetz und Zugabeverordnung noch viel mehr um sich gegriffen.
Was aus Kundensicht verständlich ist, ist für den Unternehmer
eine neue Herausforderung. Sie müssen mit Preisstrategien antworten,
bei denen sie und die Kunden gewinnen. Sie müssen ihre Preispolitik
auf völlig neue Füße stellen, erkennen, dass der Preis
ein wesentlichen Faktor des Kauferlebnisses ist und dies praktisch umsetzen.
Wie den Kunden das Gefühl vermittelt wird, günstig einzukaufen,
ohne dass die Handelsmarge belastet wird, zeigt der Leitfaden "Erlebnisfaktor
Preis – Mit der richtigen Preisstrategie zu mehr Umsatz und Gewinn"
von Sabine Hölper.
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Dr. Georg Wübker: "Professionelle
Preisfindung. Mehr Gewinn durch besseres Pricing", 2004.
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