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Zeitliche Preisdifferenzierung im Gastgewerbe
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Dienstleistungen sind nicht lagerbar. Deshalb bietet sich eine zeitliche
Differenzierung der Preise an. Dies gilt auch in der Gastronomie, aber
nur in abgeschwächter Form, da es sich bei der Gastronomie um eine
Kombination aus Warenverkauf und Dienstleistung handelt:
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Es gilt um so eher je niedriger der Wareneinsatz ist, also häufiger
bei Übernachtungen als bei Speisen und Getränken, und eher
bei
Restaurants mit hohem Kalkulationsaufschlag als bei solchen Restaurants
mit hohem Wareneinsatz.
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Und es gilt um so eher die Waren (Handelswaren, Fertig- und Halbfertigprodukte)
ihrerseits begrenzt haltbar sind, also weniger für Tiefkühl-
als für frische Produkte.
Eine zeitliche Preisdifferenzierung bietet sich immer dann an, wenn die
Nachfrage
im Zeitablauf unterschiedlich ist. So sind Zimmerpreise in Hotels in
der Hauptsaison höher als in der Nebensaison und Eintrittspreise in
Diskotheken meist von Donnerstags bis Samstags höher als an den anderen
Tagen bis hin zu negativen Preisen, etwa in Form von Freigetränken.
Eine zeitliche Preisdifferenzierung, die sich auf den Zeitpunkt
des Kaufes oder der Reservierung bezieht (Frühbucherangebote),
verringert das Risiko, Produkte vor Toresschluß billiger verkaufen
zu müssen. Last-Minute-Angebote, also Angebote für
Spätbucher, erlauben es, je nach Kapazitätsauslastung, den
Preis für Restplätze bis zur Preisuntergrenze (mit einem geringen
Deckungsbeitrag) herunterzusetzen, diese Preisherabsetzung aber auf die
freie Restkapazität zu begrenzen. Werden Preise für Frühbucher
mit Preisen für Spätbucher kombiniert, ergibt sich eine Gaussche
Preisverteilung, bei welcher der Normalbucher den höchsten
Preis zu zahlen hat.
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Zur gewinnmaximalen Gestaltung zeitlich differenzierter Preise sind
in der Wissenschaft das sog. "Peak-Load Pricing" und alternativ die "Niehans-Regel"
entwickelt worden. In der Theorie ergeben sich als optimale Preise sehr
stark differenzierte Preise. Der Preis sei dabei zu Zeiten von Kapazitätsengpässen
um drei- bis fünfmal so hoch wie zu Zeiten freier Kapazitäten
(so Bernd Skiera, Martin Spann, Gewinnmaximale
zeitliche Preisdifferenzierung für Dienstleistungen (PDF), Vorabversion
des Beitrags: Skiera, B. / Spann, M. (1998), "Gewinnmaximale zeitliche
Preisdifferenzierung für Dienstleistungen", Zeitschrift für Betriebswirtschaft,
68, 703-718). Solche Preisunterschiede sind in der Gastronomie selten
anzutreffen und werden möglicherweise als Wucher diffamiert, wie etwa
die Zimmerpreise im Raum Hannover während der CEBIT.
Skiera/Spann äußern die Vermutung,
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"daß in vielen Branchen die Möglichkeiten einer zeitlichen
Preisdifferenzierung noch nicht vollends ausgeschöpft sind. Wir begründen
dies mit der Beobachtung, daß in Branchen, die sich unserer Einschätzung
nach überdurchschnittlich intensiv mit der Festlegung der Preise für
ihre Produkte beschäftigen, die sich aus der Gleichung (6) ergebenen
und im Zahlenbeispiel errechneten Unterschiede zwischen Peak-Preisen und
Off-Peak-Preisen häufiger anzutreffen sind. So sind die Gesprächsgebühren
in vielen Mobilfunktarifen in der Hauptzeit (d.h. Peak-Zone) mitunter fünfmal
so hoch wie in der Nebenzeit. Gleiches gilt für die Luftverkehrsbranche."(Bernd
Skiera, Martin Spann, Gewinnmaximale
zeitliche Preisdifferenzierung für Dienstleistungen (PDF), Vorabversion
des Beitrags: Skiera, B. / Spann, M. (1998), "Gewinnmaximale zeitliche
Preisdifferenzierung für Dienstleistungen", Zeitschrift für Betriebswirtschaft,
68, 703-718).
Wenn man unterstellt, daß in Restaurants der Preis für Speisen
und Getränke sich etwa zu 40% als Preis für das Produkt an sich
darstellt (anders gesagt: den Wareneinsatz) und zu 60% als Preis für
die Dienstleistung, würde eine drei- bis fünffache Preissteigerung
in Zeiten großer Nachfrage einer Preiserhöhung um 120% bis 240%
entsprechen oder anders herum einem Rabatt von ca. 55% bis zu 70% Prozent
in Zeiten schwacher Nachfrage. Tatsächlich aber sind die Preise in
der Gastronomie in Zeiten starker Nachfrage nicht so hoch wie möglich
und in nachfrageschwachen Zeiten können deshalb nicht so hohe Rabatte
gewährt werden.
Von einem Leser wurde eingewandt, es gäbe doch Rabatte von bis
zu 50% in Restaurants, etwa bei Two-for-one-Aktionen. Nun, bei solchen
Aktionen (siehe unsere Artikel über "Coupons"):
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wird der Rabatt für den zweiten Gast in der Regel nur für das
Hauptgericht gewährt, nicht aber für Vor- und Nachspeisen und
Getränke.
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Two-for-one-Aktionen rechnen sich nur für Restaurants mit relativ
hohem Preisniveau.
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Mit Two-for-one-Aktionen wird (in der Regel erfolglos) versucht, neue Stammgäste
zu gewinnen, die bei späteren Besuchen, Normalpreise zahlen sollen.
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Ist ein solches Preisverhalten aber wirklich unvernünftig?
Es kommt darauf an:
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Wenn ein Gastronom die Wirkungen seines Verhaltens auf die Kundenbindung
vernachlässigen kann (etwa in der Teilen der Event-Gastronomie,
bei Messen - siehe z.B. die Übernachtungspreise
des Hotels Kaiserhof in Offenbach,
in touristischen Zentren oder bei Millenium-Silvesterfeiern), wird er häufig
dazu neigen, höhere Preise zu nehmen als außerhalb der Zeiten
starker Nachfrage. Gäste werden diese Preise zahlen, auch wenn sie
es nicht gewohnt sind, daß Kapazitätsengpässe allzu rigoros
zu Preiserhöhungen genutzt werden.
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Ganz anders, wenn die Zufriedenheit eines Gastes
auch davon abhängt, dass Restaurants von vielen anderen Gästen
besucht werden wie etwa in der Szene-Gastronomie. Eine zu starke Preiserhöhung
kann sich dann dahingehend auswirken, daß die Zahl der Gäste
so dramatisch abnimmt, daß das Objekt an sich für alle Gäste
uninteressant wird. In einem solchen Fall ist es lohnender, Preiserhöhungsspielräume
nicht oder nur sehr behutsam auszuschöpfen (vergleiche hierzu: Gary
S. Becker: A
Note on Restaurant Pricing and Other Examples of Social Influences on Price,
1991) Oft werden dann stattdessen Kostensenkungspotentiale genutzt (Werbung,
Wareneinsatz, Service-Zusatzleistungen, Service), Zusatzverkäufe (Merchandising,
Cross Selling) angeregt oder die Kapazitäten erweitert (Ausschank
in größeren Gebinden, Umstellung auf Selbstbedienungssysteme,
zusätzliche Tische, Erweitungsbauten, Eröffnung weiterer Filialen
u.v.m.).
Happy Hours
Gerade in der Trend- und Szenegastronomie ist die "Happy
Hour" weit verbreitet. Siehe z.B. eine Übersicht
über Happy-Hour Angebote in der Universitätsstadt Bamberg. |
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Happy-Hour-Angebote empfehlen sich aber nur in bestimmten strategischen
Situationen (hohes Preisniveau und bestimmte Alterststufen im Lebenszyklus
eines gastronomischen Objektes). Siehe dazu das, was wir über Scheckhefte
geschrieben haben.
Die genauen Auswirkungen auf den kurzfristigen Erfolg hängen
aber auch von der konkreten Ausgestaltung ab:
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Werden nur schwach ausgelastete Zeiten beworben oder normale Umsätze
zu ohnehin besucherstarken Zeiten kannibalisiert?
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Werden Schläfer oder Renner beworben?
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Können Lieferanten für Werbekostenzuschüsse, Naturalrabatte
usw. gewonnen werden?
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Können durch ein Target Pricing spezielle
Angebote mit niedrigeren Kosten entwickelt werden?
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Wie hoch sind die Preisnachlässe? Verbleibt noch ein
Deckungsbeitrag?
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Wird das Sonderangebot auf bestimmte Gästetypen begrenzt?
Sind diese Gäste attraktiv für andere Gäste (ein Beispiel
sind kostenlose Drinks für weibliche Gäste in Diskotheken).
Langfristig muß kontrolliert werden, daß das
normale Preisniveau nicht an fehlender Akezptanz leidet. Hilfreich kann
dabei sein, auf die Bezeichnung "Happy Hour" zu verzichten und Angebote
auf das Objekt zugeschnitten zu bezeichnen.
Yield Management
Da sich Methoden des "Yield Managements" bei Fluggesellschaften
bewährt hatten, begannen internationale Hotelketten in den Neunziger
Jahren, diese Methoden zu übernehmen.
Das Verfahren beginnt mit einer Analyse der Target-Preise
(Zielpreise), also der Preise, welche die Zielgruppen zu zahlen bereit
sind. Genauer gesagt handelt es sich um ein Bündel von Preisen und
der für jeden Preispunkt vermuteten preissensitive Nachfrage.
In einer zweiten Stufe werden Angebotsstrategien optimiert, um einen
optimalen Ertrag zu erzielen.
Verständlich wird die Methode erst vor dem Hintergrund,
daß man in Hotelreservierungssystemen
in der Lage ist, jederzeit die Angebotspreise zu ändern und zwar so,
daß sie nur einem konkreten Interessenten offenbart werden, anderen
Kunden aber nicht offengelegt werden. Aufgrund einer Prognose der Entwicklung
von freien Kapazitäten, basierend auf den Erfahrungen etwa des Vorjahres,
werden die Preise kurzfristig ertragsoptimerend festgelegt. Entwickelt
sich die Auslastung gut, werden höhere Preise verlangt. Ist absehbar,
daß Restkapazitäten übrig bleiben, werden diese überschüssigen
Kapazitäten zu niedrigen Preisen verscheuert.
Siehe dazu auch "Auslastungsoptimierung
im Tourismus" von Dietmar Winkler, in: eTourism vom September 2003.
Weiterführende Links
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Bernd Skiera, Martin Spann, Gewinnmaximale
zeitliche Preisdifferenzierung für Dienstleistungen (PDF), Vorabversion
des Beitrags: Skiera, B. / Spann, M. (1998), "Gewinnmaximale zeitliche
Preisdifferenzierung für Dienstleistungen", Zeitschrift für Betriebswirtschaft,
68, 703-718.
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Abseits.de: Preiskalkulation
in der Gastronomie.
-
Abseits.de: Preisfindung
im Internet.
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Abseits.de: Kundenkarten und Kundenclubs
in der Gastronomie
-
Abseits.de: Coupons. mit Beispielen
für Preisdifferenzierungen.
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Pricing
– der richtige Preis im Zeitalter von Agenten und Reverse Auctions,
in: Kunden
im E-Commerce, Hrsg.: Markus Klietmann
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Hotel
Yield Management Using Optimal Decision Rules, von Ralph D. Badinelli
und Michael D. Olsen, Virginia Polytechnic Institute and State University
Blacksburg, in: Journal of the international academy of hospitility research,
Ausgabe 1, November 1990.
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