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Wenn man in einem bundesweiten Branchenbuch nach "Milchbar" sucht, findet man immerhin noch dreißig Einträge. Einige von ihnen sind - wenigstens dem Namen nach - übrig geblieben von einer Vielzahl von Milchbars, die in den Nachkriegsjahren eröffnet worden sind. Andere wurden erst in den letzten Jahren neu eröffnet. Retro-Design nennen Fachleute so etwas, also das Wiederaufgreifen früherer Formen, in der Gastronomie seltener zu finden als bei Möbeln oder Autos.

Milchbars im Ausland

In Neuseeland wurden die ersten Milchbars in den 30er Jahren eröffnet ("Black and White" in Wellington 1936). Im Unterschied zu den "Tea Rooms", die von den englischen Einwanderern mitgebracht worden sind, waren sie eine Imitation der in den USA aufblühenden Milchbars.

In den USA erlebten Milchbars in den Jahren der Prohibition einen Boom, also als der Ausschank von Alkohol verboten gewesen ist. Die verringerten Umsatzschancen versuchte man mit dem Ausschank alkoholfreier Getränke zu kompensieren und erfand so nebenbei die Milchbar aber auch Coca Cola. Oft genug reicherte man aber auch Milch, Kaffee und andere alkoholfreie warme und kalte Getränke mit einem Schuß oder auch mehr Alkohol an. Eine Gruppe dieser Mixgetränke ist heute noch als Milkshakes bekannt. So ähnlich ist ja auch in Wien der "Pharisäer" entstanden: Alkoholkonsum, getarnt durch eine Sahnehaube (Rezept: heißer gesüßter gestreckter Mocca im Einspännerglas mit Schlagobers und 4 cl Rum).
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Während des Zweiten Weltkrieges, als in Neuseeland amerikanische Soldaten stationiert gewesen sind, entwickelten sich dort diese Milchbars zu Treffpunkten von Soldaten und den von ihnen angelockten jungen Frauen und Männern (ähnlich wie in der ersten Pizzeria Deutschlands nach dem Zweiten Weltkieg).


Im Unterschied zu den eher förmlichen Restaurants, in denen Tische in Reih und Glied arrangiert waren und die Küche und die Lagerräume einen großen Teil der Betriebsräume beanspruchte, nahm in den Milchbars der Gastraum einen weit größeren Teil des Betriebsraumes ein. Die Theke wandelte sich von einer Ausgabestelle für Speisen und Getränke zum Zentrum der Kommunikation zwischen und mit den Gästen. Aus Bedienungen wurden Barkeeper. Die Bar erstreckte sich meist über die ganze Länge des Gastraumes.


Die ersten Milchshaker wurden 1911 vom amerikanischen Hersteller Hamilton Beach produziert, der sie in den frühen 30er Jahren zu einer patentierten "multiple spindle machine" weiterentwickelte. Sie wird in veränderter Form auch heute noch produziert.


Legendär ist die Milchbar "Korova" aus dem Roman "Clockwork Orange" von Anthony Burgess (von Stanley Kubrick verfilmt), die als "Korova Milkbar" in New York City nachempfunden worden ist.


Milchbars in Polen sind preiswerte Schnellgaststätten mit billigen, einfachen Mahlzeiten für alle, die sich die teuren Gaststätten nicht leisten können. Der Name Milchbar leitet sich von den Milchspeisen ab, die hier angeboten worden sind. Die erste Milchbar "Pionier" öffnete 1946 in Krakow. Siehe dazu:  Sznycel oder Kotlet. Die polnischen Milchbars gab es schon vor der Wende. Doch aus Nostalgie kommt hier keiner her. von fabian hickethier, kraków.

Die Entwicklung in Deutschland

Die erste deutsche Milchbar wurde 1937 auf dem XI. Internationalen Milchwirtschaftlichen Weltkongreß in Berlin von Hans Krönlein präsentiert. Gegenüber den Faschisten, die amerikanischen Ideen und Produkten ablehend gegenüberstanden, wurde argumentiert, der Konsum von Milch diene der Volksgesundheit. 


Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einzelne Milchbars, sie wurden aber schnell von italienischen Eisdielen abgelöst.

In Stuttgart schuf der Architekt Rolf Gutbrod die "Milchbar am Flamingosee". Der "Pavillon" entstand 1950 für die Deutsche Gartenschau; 1993 wurde er renoviert. Heute ist er tagsüber Versorgungsgastronmie im Höhenpark Killesberg, abends finden hier "After-Work-Partys" und geschlossene Feiern statt. 


Das "Café Milchbar" in Bremerhaven existiert seit 1957 und wurde bis 1998 von derselben Familie bewirtschaftet, wenn auch mit einem zunehmend erweiterten Sortiment (Speiseeis aus eigener Herstellung und Gebäck, Eistorten und Torten). Nachdem die bisherigen Betreiber in den Ruhestand gegangen sind, wurde das "Café Milchbar" 1998 relauncht. Das Ambiente ist den 50er und 60er Jahren nachempfunden, das Speiseangebot ein Mix aus deutschen, amerikanischen und Tex-Mex-Speisen. Hier finden auch Parties statt.


Typen wie James Dean wurden zu Idolen der "Teenager", die sich mit Elvis-Tolle, Lederjacke und James-Dean-Jeans kostümieren und sich zu Klängen der Musikbox in Milchbars und Eisdielen trafen. Diese Jugendkultur wird wunderschön dargestellt in dem Film "Schuld war nur der Bossanova". Das Wort "Bar" erhöhte den Reiz durch die Anspielung an die legendären Cocktail-Bars.


Milchbars sind noch überdurchschnittlich oft in den neuen Bundesländern anzutreffen, wo sich die Bezeichnung vielerorts bis zur Wende gehalten hat und danach als bekannte Ortsbezeichnung belassen worden ist, teilweise mit ganz anderem Konzept. So ist die Milchbar Lounge in Leipzig eher ein Nightclub, in der man bis nachts um drei tanzen, essen und trinken kann. Die Milchbar in der Kreuzberger Manteuffelstraße ist eine Szenekneipe mit Punkrockmusik.


Die Hudsonbar in Berlin hat sich der Tradition der ersten Milchbars verschrieben und im Randsortiment eine ganze Reihe alter Rezepte wiederentdeckt.


Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) hat das Thema Milchbar in einem witzigen Werbeauftritt für Milch aufgegriffen. Die CMA-Milchbar ist eine virtuelle Milchbar in modernem Design, in der auf spielerische Weise Rezepte für Milch-Shakes und Milchgerichte vorgestellt werden. 


Wer eine Milchbar eröffnen möchte, sollte die kritischen Erfolgsfaktoren beachten:
  • Der wichtigste Erfolgsfaktor ist der Standort
  • Peinlichste Sauberkeit des Personals, die auch durch Vertrauensbildner (etwa Arbeitskleidung, Häubchen, zusammengebundenes Haar) demonstriert werden kamn, ist Pflicht.
  • Klassische Milchbars sind ähnlich wie Eissalons vermutlich kein Ganzjahres-Konzept, zumindest sollte man die geringeren Umsätze in den kalten Monaten durch Heißgetränke (Kaffeebars) oder vielleicht auch Suppen usw. zu kompensieren versuchen. 

Weiterführende Links

  • Milchbar am Flamingosee, Stuttgart. Tagsüber ist die Stuttgarter Milchbar Versorgungsgastronmie im Höhenpark Killesberg. Abends finden im 50er-Jahre-Pavillon, der 1993 renoviert worden ist,  "After Work Partys" und geschlossene Feiern statt. Der Pavillon entstand 1950 für die Deutsche Gartenschau. Architekt: Rolf Gutbrod.
  • Eiscafé Espressobar Milchbar, Marburg.

Bücher

Milchshakes. Mix it. Powerdrinks vom Feinsten. von Franz Brandl 
nur noch antiquarisch zu bekommen BEUTEL, F.J.. Das Getränkebuch. Neubearb. u.m. Sonderbeitrag: "Die Milchbar" (Soda-Springquell - Soda-Fontäne) von H.Krönlein. 6.Aufl. Nordhausen am Harz,Killinger (1938). XXIV, 240 S. Mit 757 Rezepten und 43 Abb. Illustr. 
Aktualisiert am 25. Juli 2008