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Die Zukunft der (deutschen) Zeitungsverlage
Im ersten Halbjahr 2000 sind die Verkaufszahlen für Zeitungen und
Zeitschriften über den deutschen Groß- und Einzelhandel nach
einer jahrelangen Phase der Stagnation im Jahr 1999 und auch im ersten
Halbjahr 2000 erstmals rückläufig. Der Absatz an insgesamt verkauften
Exemplaren sank alleine im letzten Jahr um 3 Prozent (Quelle:
"Bedroht das Internet die
Printwelt?", Bericht über die Jahresversammlung des Bundesverbandes
Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten (Presse-Grosso)
am 20.9.00 in Baden-Baden, in: Internet
Intern vom 21.9.00). Zu der Entwicklung bis Mitte 2006 siehe:
"Werbeträgerdaten
- Quartalsauflagen" von der Informationsgesellschaft zur Feststellung
der Verbreitung von Werbeträgern e.V. Demnach sind besonders Tageszeitungen
und Fachzeitschriften vom Auflagenrückgang betroffen, weniger die
Wochenzeitungen.
Im Frühjahr 2002 kündigen zahlreiche Zeitungsverlage Entlassungen
an. Vergleiche: "Sparen,
Schließen, Schassen". Deutschlands Zeitungsverlage stecken in
der schwersten Finanzkrise ihrer Geschichte. Erstmals entlässt die
"FAZ" jetzt Redakteure. Der Qualitätsjournalismus gerät in Gefahr.
Von Wolfgang Gehrmann & Götz Hamann & Peter Littger, in: Die
Zeit Nr. 27/2002.
Schlagen hier Entwicklungen im Internet zu Buche?
1994 stellte die erste amerikanische Zeitung ihren Inhalt ins Internet
(die Beilage Digital
Ink Co der Washington Post). Im Mai 2000 berichtete Editor
& Publisher, daß nunmehr 148 der 150 auflagenstärksten
amerikanischen Tageszeitungen online sind. Eine der beiden, die noch nicht
online sind, die "Investor's Business Daily", hat es im Sommer vor und
die andere steht zum Verkauf (Quelle: http://www.nua.ie/surveys/analysis/weekly_editorial.html).
Die erste deutschsprachige Tageszeitung im Internet ist "Der
Standard" gewesen.
Weltweit sind die meisten Zeitungen online, sogar in den Entwicklungsländern
(vergleiche unsere Seite "Online-Ausgaben von Presseerzeugnissen
und Online-Magazine"). Doch das traditionelle Geschäftsmodell
funktioniert online nicht. Früher wetteiferten Zeitungen mit konkurrierenden
Zeitungen und anderen Medien. Jetzt kann jedermann Nachrichten
und Inhalte anbieten. Wie können die Zeitungen dennoch überleben?
Bedrohtes Geschäftsmodell von Printausgaben
Konstantin Neven DuMont hebt in seinem Artikel "Das
regionale Zeitungshaus der Zukunft - Eine wichtige Säule der Demokratie",
in: Kölner Stadtanzeiger vom 27. September 2003, drei Entwicklungen
heraus, welche das Geschäftsmodell von Printzeitungen bedrohen:
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"Erstens lauert die Ungewissheit, ob und wann die klassischen Anzeigenrubriken
der Zeitungen endgültig zur branchenfremden Konkurrenz ins Internet
abwandern. Dieser Prozess hat bereits begonnen.
-
Zweitens machen Politik und rigide Gesetze den Regionalverlagen das Leben
unnötig schwer. Mit anzeigenfinanzierten Amtsblättern sowie offiziellen
werbefinanzierten Internet-Plattformen der Gemeinden macht der Staat den
privaten Zeitungsverlegern heimlich Konkurrenz und minimiert dadurch Geschäftsfelder.
-
Und drittens wenden sich junge Leser zunehmend von der Zeitung ab. Auch
aus diesem Grund gehen die Auflagen seit Jahren kontinuierlich zurück."
In Deutschland versucht der Bundesverband
Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) überlebensfähige Unternehmens-
und Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Der Großteil der 160 Zeitungsverlage
mit eigenen Online-Angeboten stellt seine Rubrikanzeigen - zum Teil mit
komfortablen Suchfunktionen - ins Netz. Während es sich dabei allerdings
um lokale und regionale Rubrikenmärkte handelt, sind Branchenfremde
dabei, riesige Datenbanken aufzubauen, wo der Handel mit Autos, Immobilien,
Stellen, Reisen und anderem mehr von Anfang an national oder international
betrieben wird. Diesen Wettbewerbern wollen die Zeitungsverlage eine große
nationale Marke für das
Rubrikengeschäft entgegensetzen.
Das Internet habe sich noch nicht negativ auf dieses Geschäft ausgewirkt.
Doch mit der wachsenden Marktdurchdringung des neuen Mediums müssten
die gedruckten Zeitungen mit Einbußen rechnen. Die meisten Zeitungen
setzen bei ihren Online-Auftritten auch weiterhin auf die lokale Stärke.
Dabei sei die lokale Berichterstattung nur ein Teil des Angebots,
so der BDZV. Hinzu kämen viele Servicefunktionen, lokale Suchmaschinen,
personalisierte Nachrichtenangebote und E-Mail.
Damit bildeten die Zeitungsverlage lokale beziehungsweise regionale Portal-Seiten
und folgten den Produktstrategien großer Anbieter.
Im Verhältnis zu anderen Online-Unternehmen sind Verlage in der
starken Position, Inhalte nicht neu erstellen oder einkaufen zu müssen,
sondern alte Inhalte neu darstellen zu können, vorausgesetzt, sie
müssen für die zusätzliche Verbreitung alter Inhalte nicht
erneut an die Autoren zahlen.
Die Zeitungsverleger gehen davon aus, dass die Nutzer auch auf längere
Sicht nicht bereit sein werden, für Inhalte zu zahlen. Allenfalls
Fachinformationen für einzelne Zielgruppen könnten gegen Entgelt
angeboten werden. Die wichtigste Einnahmequelle bleibe deshalb bis
auf Weiteres die
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Werbung, die sich im Netz zwar sehr dynamisch, doch auf einem relativ
niedrigen Niveau entwickle. So steigerten sich die Gesamtwerbeumsätze
im Internet in Deutschland von 14 Millionen im Jahr 1997 auf 50 Millionen
im Jahre 1998. Für das Jahr 1999 rechne die Kommunikationsbranche
mit über 100 Millionen Mark Umsatz aus Online-Medien. In wieweit die
Verlage beim
-
E-Commerce profitieren könnten, bleibe abzuwarten. Siehe dazu
auch Isabella Wallnöfer: "Die
Zeitung als Wein- und Blumenhändler". , in: Die Presse vom 31.
August 2004. Daneben machten die Verlage einen Teil ihrer Umsätze
mit
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Access-Providing (Anbieten von Internet-Zugängen) sowie
-
Service-Providing (zum Beispiel Gestaltung und Pflege von fremden
Internetseiten). Im redaktionellen Bereich könne das Syndication-Prinzip,
das heißt die
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Lieferung von redaktionellen Inhalten an Dritte (siehe auch unsere
Seite über Contentanbieter), noch
weiter entwickelt werden. So liefert die International Herald Tribune einer
ganzen Reihe von Tageszeitungen eine englischsprachige, verknappte Fassung
als Beilage, so unter anderen der japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun
(ab dem 2. Vierteljahr 2001), Ha"aretz in Tel Aviv, der Mailänder
Tageszeitung Corriere della Sera und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(FAZ). Die 1887 gegründete International Herald Tribune befindet sich
je zur Hälfte im Besitz der New York Times und der Washington Post,
und hat eine weltweite Leserschaft der Originalausgabe von etwa 635 000.
Womöglich läßt sich mit dem Verkauf von Online-Inhalten
doch Geld verdienen. Die Rhein-Zeitung hat im Juni 2001 ein PayContent-Modell
E-Paper
gestartet und verdient angeblich bereits Geld damit (vgl.: "Und
es rechnet sich doch" vom Juni 2002). Die Rhein-Zeitung stellt alle
regionalen Printausgaben komplett ins Netz. Zugriff auf die digitalen Inhalte
haben allein Abonnenten, die für das anfangs kostenlose E-Paper seit
Februar 2002 zwei bis fünf Euro monatlich zahlen - zusätzlich
zu den Gebühren für das Print-Abo. Die erheblichen Investitionen
in die Software-Eigenentwicklung, die die Umwandlung in HTML-Dateien weitgehend
automatisch bewerkstelligt, amortisieren sich aber nur, wenn es gelingt,
die Software weiterzuverkaufen. Die Chancen dafür stehen aber gut:
Seit Juni läuft in Österreich ein Probelauf. Weitere Verlage
sind an einer Übernahme interessiert. Das Business-Modell rechnet
sich im laufenden Betrieb, da im wesentlichen nur Kosten für den Traffic
und eine kleine Hardware-Ausstattung von vier PCs anfallen, denen Zusatzerlösen
aus den digitalen Abonnements und Mehrerlöse für Anzeigen aus
der gesteigerten Auflage anfallen, insoweit die Inserenten diese zusätzliche
digitale Auflage zu vergüten bereit sind. Ob es aber nicht profitabler
wäre, zugunsten eines erheblich größeren Traffics und damit
erhöhten Werbeerlösen einen kostenlosen Zugriff er erlauben,
sei dahingestellt.
Was ist das besondere an Online-Zeitungen?
Den Mehrwert journalistischer Online-Angebot im Vergleich zu Printangeboten
machen aus:
-
die Interaktion und das Angebot von interaktiven
Elementen,
-
die Aktualität bis hin zu einer "sofortigen" Aktualisierung,
etwa Live-Übertragungen oder Nachrichten-Feeds direkt aus den Meldungen
von Presseagenturen,
-
die skalierbaren Selektionsmöglichkeiten in bezug auf die Tiefe
der Information (bei Printausgaben kann man in begrenztem Umfange etwa
auch nur die Überschriften lesen, den Teaser oder auch den gesamten
Artikel),
-
die individuellen Sequenzen von Seiten, die vom User augewählt
werden können (die es in geringerem Umfange auch bei Zeitungen, gibt,
etwa wenn der eine zuerst den Sportteil zuerst liest, der andere den Börstenteil).
-
der Flow.
Zum Verhältnis von Print- und Online-Ausgaben
Die gedruckte Zeitung wird in wenigen Jahren andere Funktionen haben:
-
Nachrichten werden vorab über das Internet veröffentlicht werden,
zusammen mit einem schnellen Kommentar.
-
Hintergrundinformationen aus dem Archiv, auf welche früher nur Profis
zugreifen konnten, stehen dann jedem Leser auf Wunsch online zur Verfügung.
-
Die Leser können sich zeitgleich mit der Meinungsbildung professioneller
Journalisten informieren und eine eigene Meinung bilden und ihre Meinung
frühzeitig einbringen.
-
Das Gespräch zwischen den Journalisten und mehr oder weniger sachkundigen
Lesern wird an Bedeutung gewinnen; die Recherche wird öffentlich.
-
Die gedruckte Ausgabe wird sich eher mit der ausgeruhten Reportage oder
dem feinsinnigen, fast literarischen Text beschäftigen, mit der zeitlosen
Einordnung, der aufwendig recherchierten Geschichte.
-
Die klassische Arbeitsteilung zwischen hektischer Tageszeitung und gründlicher
Wochenzeitung/Magazin wird verschwimmen; Medien im Wochen- und Monatsrythmus
werden aktueller (wie etwa das "Capital" von monatlicher auf vierzehntägiger
Erscheinungsweise umgestellt), Tageszeitungen gründlicher (wie etwa
die "Welt" mit einer Ausweitung der Anzahl guter Journalisten) und getrennte
Redaktionen von Tageszeitungs- und Wochenendausgabe (wie bei der "Welt"
und "Welt am Sonntag") obsolet.
Daß eine konsequente Verknüpfung von Print- und Online-Ausgabe
ein Erfolgsfaktor sein kann, beweist die "Welt" mit einer Auflagensteigerung
von 7,6% im III. Quartal 1999. Die Zugewinne konnten insbesondere bei den
jungen Lesern realisiert werden. Die Welt setzte auch im IV. Quartal 1999
ihren Aufwärtstrend mit deutlichen Auflagensteigerungen gegenüber
dem Vorjahr beschleunigt fort. Sie verkaufte im IV. Quartal 1999 durchschnittlich
239.304 Exemplare (IVW IV/99). Das sind 20.997 Exemplare bzw. 9,6 Prozent
mehr im Vergleich zum Vorjahresquartal (Quelle: asv.de).
Der dafür Verantwortliche Manager ist trotz seines jungen Alters (Jahrgang
1963!) Ende 1999 als Verantwortlicher für die Internet-Aktivitäten
des Springer-Verlages in den Vorstand der Springer AG aufgerückt und
wird, falls er nicht ein Opfer des Manager-verschleißenden Machtkampfes
zwischen den Anteilseignern wird, als Kronzprinz gehandelt.
Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat
durch zahlreiche Neuerungen auf den Erfolg der Welt reagiert und erscheint
seit dem 3.9.00 mit neuem Design und Konzept:
-
Inhalte der gedruckten "Zeit" werden ergänzt durch online-exklusive
Kolumnen und Artikel aus der Feder namhafter Zeit-Fossilien: Mitherausgeber
Josef Joffe und Ex-Chefredakteur Robert Leicht sind jeweils mit einer täglichen
politischen Kolumne dabei (Joffe auf englisch), der Co-Ressortchef Politik
Gero von Randow schreibt wöchentlich über das Genießen
und Fritz J. Raddatz stellt jede Woche ein Gedicht der Weltliteratur vor.
Daß diese "alten großen Herrn" der schreibenden Zunft nicht
nur widerwillig sondern, wie zu hören ist, sogar mit einer ähnlichen
Begeisterung dabei sind wie Zwanzigjährige, bewahrheitet ein Sprichwort,
wonach in der Mitte der Tod liege.
-
Neben einer neuen Hochschulseite mit aktuellen Informationen und Services
rund um das akademische Leben informiert ein erweiterter Kulturkalender
über Konzerte, Ausstellungen und Theaterereignisse im gesamten deutschsprachigen
Raum.
-
Ein neuer Newsletter gibt jeden Werktag einen Überblick über
die wichtigsten überregionalen Tageszeitungen der Bundesrepublik.
-
Das Online-Diskussionsforum ZEIT-Debatte, welches bisher ziemlich zusammenhanglos
zu den redaktionellen Inhalten im Raume stand, wird enger in das redaktionelle
Angebot eingebunden.
-
Leserdiskussionen und Expertenpodien sind geplant, sowie es DM Online mit
seinen Experten-Chats seit langem mit Erfolg vormacht.
-
Hingegen klingt es fast schon ein wenig lächerlich, wenn eine Zeitung
"ereignisnahe Kommentare" als Neuerung bezeichnet. Dies erinnert an den
"Muff", den aufgebrachte Studenten bereits vor 30 Jahren an den Universitäten
entdeckt zu haben glaubten, als ein Teil der jetzigen Zeit-Redakteure wohl
studiert haben dürfte.
-
Dieser "Muff" der 68er steht in erstaunlichem Gegensatz zur Begeisterung,
mit der der frühere Herausgeber Theo Sommer sich einen Wunsch erfüllt
und Vorträge prominenter internationaler Redner online zur Verfügung
stellen will. Zumindest für Deutschland ist dies eine Neuerung, wenn
auch in den USA schon lange üblich. Dadurch eröffnen sich guten
Rednern, seien es nun Wissenschaftlern oder Politiker, nicht unerhebliche
Verdienstchancen über die Phase hinaus, indem sie den Arsch noch hochbekommen,
gegen Honorar vor Publikum Reden zu schwingen
Internetnutzer lesen anders
Die Online-Ausgaben von Printmedien berücksichtigen zum großen
Teil nicht die unterschiedlichen Lesegewohnheiten von Print- und Online-Medien,
wie sie in einer Studie aus dem Jahre 2000 vom Poynter Institute an der
Stanford University ermittelt worden sind:
-
Internetuser sind textorientiert, sie konzentrieren sich zuerst
auf den Text (besonders den Titel / Schlagzeile) und erst danach auf Photos
und Graphiken. Printmedienleser schauen zuerst auf die Illustrationen und
erst danach lesen sie den Text.
-
Printmedienleser lesen nur 30 Projekt jeden Artikels im Gegensatz zu den
Internetusern,
die 3/4 eines Artikels lesen.
-
Internetuser nutzen durchschnittlich 6 Sites pro Sitzung, die meisten
Zeitungsleser lesen nur eine einzige Zeitung.
-
Internetnutzer mögen keine personalisierten Sites, weil sie
befürchten, sie verabsäumen Nachrichten. Nur 64 Prozent aller
Photos, 22 Prozent anderer Bilder und 45 Prozent aller Anzeigen werden
von Internetuser wahrgenommen. 45 Prozent suchen zuerst die Online-Ausgabe
eines lokalen Nachrichtenblattes auf, 28 Prozent zuerst eine nationale
Nachrichten-Site, wohingegen 8 Prozent auf einer spezialisierten Site starten
und 9 Prozent mit einem Portal.
(Quelle: http://www.wired.com/news/culture/0,1284,36104,00.html)
Sonderentwicklung bei Fachzeitschriften?
Zwölf international agierende Fachverlage wollen zukünftig
Links im Internet verwenden, um die Zitation von Beiträgen in Fachjournalen
zu vereinfachen. Zusammen wollen diese Verlage in einem ersten Schritt
über drei Millionen wissenschaftliche Beiträge im Internet veröffentlichen.
Bisher haben viele wissenschaftliche Verlage das Internet eher kritisch
gesehen. Das Internet wurde als ungeeignet für wissenschaftliche
Publikationen angesehen, wobei
-
die Möglichkeit der nachträglichen Manipulation,
-
die mangelhafte Erreichbarkeit, sowie
-
Probleme bei der genauen Zitation
vorgeschoben wurden (vergleiche http://www.nytimes.com/library/tech/99/11/biztech/articles/17journals.html)
Neugründung von Fach-E-Zines
Das Projekt
Magazin ist das erste Fachmagazin über Projektmanagement, das
im Internet erscheint und im Abonnement erhältlich ist. Es bietet
praxisbezogene Unterstützung für Projektleiter, Projektmitarbeiter
und Berater. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Ausgabe mit Fachartikeln,
Berichten aus der Praxis, Produktvorstellungen und aktuellen Nachrichten.
Am 21. Februar 2000 erschien die erste Ausgabe. Das Angebot wurde von Anfang
an gut angenommen: Inzwischen sind über 30 Ausgaben online, 2.000
Abonnenten lesen regelmäßig das Magazin (Stand vom Januar 2002).
Wichtig beim Aufbau dieses erfolgreichen E-Zines erscheint uns - ähnlich
wie beim Aufbau von virtuellen Communities
- die Einbindung der Nutzer:
"Meine Arbeit für die webgrrls und die Arbeit für das
Magazin ergänzen sich durch den intensiven Austausch ideal. Mindestens
die Hälfte der webgrrls arbeiten in Projekten. Bei den monatlichen
Treffen der webgrrls kann ich oft Tipps bei aktuellen Problemen geben und
erhalte selbst Anregungen für neue Artikel. Durch die webgrrls habe
ich auch Autorinnen und Mitarbeiterinnen gefunden."
Petra Berleb in einem Webgrll-Artikel
über die Entstehungsgeschichte Ihre E-Zines. |
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Solche Neugründungen von Online-Magazinen brauchen
einige Voraussetzungen, um erfolgreich sein zu können:
-
eine klar umrissene, zahlungsfähige Zielgruppe,
die einen Bedarf für dieses Angebot hat.
-
gute Kontakte zur Zielgruppe, evtl. sollte man ihr
selbst angehören,
-
das Angebot darf nicht leicht kopierbar sein.
-
die MacherInnen benötigen betriebswirtschaftliches
Know How und
-
Kenntnisse und Erfahrungen im Themengebiet des E-Zines
und
-
Durchhaltevermögen (Geld oder Arbeitszeit) für
die Zeit bis zum Break-Even-Point. Solche Projekte können in der Regel
auch nebenberuflich gestartet werden.
Kostenpflichtiger Content
Wann sind Leser bereit, für Online-Inhalte zu zahlen?
Mehrere Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
-
Die Leser müssen die Lektüre als Pflicht ansehen wie etwa
die Neuen Juristischen Wochenschrift für
Juristen oder das Handelsblatt
für Börsianer. Ein Archiv aller Ausgaben der Neuen Juristischen
Wochenschrift seit Heft 1/1981 ist eingstellt in eine Volltextdatenbank
beck-ONLINE. In der "beck-online. die
datenbank" kann man kostenlos alle Inhaltsverzeichnisse der NJW einsehen.
Suchabfragen und Volltexteinsicht sind kostenpflichtig.
-
Die Lektüre muss den Lesern einen unmittelbaren Nutzen verschaffen
(wie etwa die Testergebnisse der Stiftung
Warentest).
-
Die Leser müssen auch noch von dem schnellstmöglichen Online-Zugriff
(evtl. vor dem Zugriff auf die Printausgabe) einen besonderen Vorteil haben
(etwa wie bei bestimmten Börsenblättern, wo man vor der Masse
Aktienempfehlungen lesen kann, oder der Zugriff auf Titelstories des Spiegels,
bevor die Printausgabe herauskommt).
-
Der Inhalt muß einzigartig sein. Darunter fallen nicht
Nachrichten, die von anderen Medien (kostenlos) übernommen werden
können. Einzigartig sind Kommentare, Interviews, Fotos, Karikaturen,
Filme.
Siehe dazu auch: J.D. Lasica: Getting
to Know You. What Cost Registration? Online newspapers are requiring users
to register -- but at what cost?, in: Online Journalism Review vom
30. Juni 2002. Eine Zusammenstellung von Zeitungen, die Inhalte nur gegen
eine Registrierung zur Verfügung stellen, und welche Erfahrungen sie
damit gemacht haben.
Weiterführende Links
-
Olaf Deininger: Vom
Fachverlag zum Clubhaus, in: Telepolis vom 12. Dezember 2001.
-
Ein kritischer Artikel der Financial Times Deutschland 7.4.2000: "Verlage
wissen, dass sie ins Netz wollen - aber nicht wozu" von Reinhard Röde.
-
"Online--The
Future of Newspapers? Germany's Dailies on the World Wide Web" von
Christoph Neuberger, Jan Tonnemacher, Matthias Biebl, and André
Duck, Department of Journalism, Catholic University of Eichstätt,
1998.
-
"Multimedia"
des 'Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger.
-
Presse-Grosso.de. Großhandel
mit Zeitungen und Zeitschriften.
-
Strichcode
statt Internetadresse. Über eine technische Innovation, mit der
Print- und Online-Ausgaben verknüpft werden sollen.
-
Hagen, L. M.: Riepls Gesetz im Online-Zeitalter. Eine Sekundärnanalyse
über die Grenzen der Substitution von Massenmedien durch das Internet,
in: In: Reips, Ulf-Dietrich; Batinic, Bernad; Bandilla, Wolfgang;
Bosnjak, Michael; Gräf, Lorenz; Moser, Klaus; Werner, Andreas (Hrsg.)
(1999) (Aktuelle, 1999): Aktuelle Online Forschung - Trends, Techniken,
Ergebnisse. Zürich: Online Press. WWW document. Available ULR: http://dgof.de/tband99/
-
Abseits.de: Zukunft der Buchverlage
-
Abseits.de: Zukunft der Buchhändler
-
Abseits.de: Content-Anbieter und -Broker
-
Abseits.de: Online-Ausgaben von Presseerzeugnissen
und Online-Magazine (Linksammlung)
-
Hsiang Iris Chyi, George Sylvie: "Online
newspapers in the u.s. – perceptions of markets, products, revenue, and
competition" (jmm - the international journal on media management,
vol. 2, no. 11, 2000, p.69-77).
-
Chris Lapham: "The
evolution of the newspaper of the future" (cmc magazine, july 1, 1995)
-
Am 2. Februar 2001 fand in Bamberg ein Workshop "Zukunft der Zeitung" statt
Veranstalter ist gewesen die Forschungsstelle für neue Kommunikationsmedien
an der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit der ZeitungsMarketingGesellschaft
(ZMG), der Volkswagen-Stiftung, der Augsburger Allgemeinen und dem Fränkischen
Tag. Abstracts der dort gehaltenen Vorträge finden sich unter http://www.uni-bamberg.de/split/kowi/fnk/workshop.html.
-
"New Publishing Models".
Linksammlung zu Aufsätzen. Teil der "Scholarly
Electronic Publishing Bibliography" von Charles W. Bailey jr.
-
Online Publishers Association
(OPA)
-
Beth Cox: As
the Internet Comes of Age, More of Us Are Paying for Content, in: internet.com
vom 14. März 2002.
-
J.D. Lasica: Getting
to Know You. What Cost Registration? Online newspapers are requiring users
to register -- but at what cost?, in: Online Journalism Review vom
30. Juni 2002. Eine Zusammenstellung von Zeitungen, die Inhalte nur gegen
eine Registrierung zur Verfügung stellen, und welche Erfahrungen sie
damit gemacht haben.
-
Dominic Gates: Newspapers
in the Digital Age. Forget the death of newspapers: The men running America's
top chains say papers will survive the digital revolution, in: Online
Journalism Review vom 1. Mai 2002
-
Vin Crosbie: Information
Wants to Be Free (or Does It?). Publishing: Free or Fee?, in: ClickZ
vom 2. Juli 2002.
-
Fachverlage
setzen auf bezahlte Inhalte im Web, in: Heise News vom 10. Oktober
2002.
-
Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP).
-
Stefan Krempl: E-Publish or
Perish. Der vernetzte Weg zur ‘Freien Wissenschaft’, in: c't 18/2002,
S. 84.
-
Robin Meyer-Lucht: Zwischenzeit,
Tageszeitungen waren Pioniere der Online-Nachrichten. Heute steht fest:
Die Branche hat sich ihr eigenes Grab geschaufelt, in: Brandeis 10/2002.
-
"Am
Tropf. Die Krise der Werbewirtschaft schlägt auf überregionale
Zeitungen durch und gefährdet Qualitätsjournalismus." Von
Markus Brauck, in: Frankfurter Rundschau vom 13. März 2003.
-
"Online
lesen wie gedruckt", in: Neue Zürcher Zeitung vom 4. April 2003.
Verlage lancieren ergänzende Internet-Angebote eines neuen Typs: Zeitungen
wie die «New York Times», «Le Monde» oder die NZZ
werden jetzt im Abonnement als digitales Faksimile der gedruckten Ausgabe
vertrieben.
-
John Berthelsen: Web
News cashes in, in: Asia Times vom 12. April 2003.
-
Markus Stolpmann: Die E-Paper-Abos,
die Zeitungsleser und der Streik vom 4. Mai 2003.
-
Robin Meyer-Lucht: Virtualienmarkt.
Deutsche Zeitungen im Internet: ratlos, in: Perlentaucher. Über
das Verhältnis deutscher Verlage zum Internet und wirft einen Blick
auf Geschäftsmodelle von New York Times, Slate und Salon.
-
"Das regionale Zeitungshaus
der Zukunft - Eine wichtige Säule der Demokratie" von Konstantin
Neven DuMont, in: Kölner Stadtanzeiger vom 27. September 2003.
-
"Wissenschaftliche
Verlage in Bedrängnis" von Philipp Grätzel von Grätz,
in: Telepolis vom 10.11.2003.
-
"Die Zukunft der
wissenschaftlichen Zeitschrift" von Helge Torgersen, Institut für
Technikfolgen - Abschätzung, Österreichische Akademie der Wissenschaften,
Wien, in: ORF ohne Datum.
-
Donn Friedman: "From
Free to Fee in 10 Easy Steps", in: Online Journalism Review vom 5.
November 2003. Ein Erfahrungsberichit über die Umstellung des Albuquerque
Journal von einer kostenlosen Online-Ausgabe dieser Tageszeitung
auf eine kostenpflichtige.
-
Isabella Wallnöfer: "Die
Zeitung als Wein- und Blumenhändler". , in: Die Presse vom 31.
August 2004.
-
Vivien Marx: "Amerikas
Zeitungen suchen die zündende Geschäftsidee", in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung vom 21. Juni 2006.
-
Mark Pohlmann: "Tags
bedrohen Verlage mehr als Blogs", in: Fischmarkt vom 21. Juni 2006.
Buchempfehlungen
-
Die Internet-Ökonomie. Strategien
für die digitale Wirtschaft (European Communication Council Report).
Von Axel Zerdick, Arnold
Picot, Klaus Schrape, Alexander Artope, Klaus Goldhammer, Dominik K.
Heger, Ulrich T. Lange, Eckart Vierkant, Esteban Lopez-Escobar, Roger
Silverstone. 2001. Mehr
darüber.
-
Breyer-Mayländer, Thomas / Fuhrmann, Hans-Joachim (Hrsg.): Erfolg
im neuen Markt. Online-Strategien für Zeitungsverlage. 2001. Die Herausgeber
sind als Multimedia-Experten beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
tätig und konnten für diesen Band eine Reihe namhafter Fachleute
aus der Verlags- und Online-Praxis als Autoren gewinnen.
-
Thomas Breyer-Mayländer:
Wirtschaftsunternehmen Verlag. 2000.
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