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Kosten sparen durch einen Krankenkassenwechsel

 
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Bis zum 9. Mai 2001 konnten krankenversicherungspflichtige Arbeitnehmer durch eine Kündigung bis zum 30. September zum 1. Januar des Folgejahres eine neue Krankenkasse wählen und damit erhebliche Beiträge für sich und ihren Arbeitgeber sparen. Bei Neueinstellungen konnten sich Arbeitnehmer für eine Krankenkasse ihrer Wahl entscheiden und bei Beitragserhöhungen die Krankenkasse ohne weiteres kündigen.


Das Bundesgesundheitsministerium hat am 9.5.01 das Kündigungsrecht zum 30. September aufgehoben. Diese Änderung sollte klamheimlich durchgezogen werden, so wie frau es im Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) gelernt hat. Die Verbraucherverbände haben zwar versucht, alle Verbraucher zu informieren und dazu zu bewegen, eine Kündigung vorzuziehen, aber in den wenigen Tagen zwischen dem Bekanntwerden der geplanten Änderung und der entscheidenden Sitzung des Bundeskabinetts konnten viele Krankenkassenmitglieder nicht mehr reagieren. Besonders ausländische Arbeitnehmer und andere, etwa ältere und behinderte Menschen, die nicht gut mit Bürokraten umgehen können, wurden verarscht und um rund 100 bis 200 Millionen DM Krankenkassenbeiträge, die sie nun in den Monaten Januar und Februar 2002 zuviel zahlen müssen, betrogen. Die vor wenigen Monaten pompös gefeierte Inthronisierung von Renate Künast als Verbrauchschutzministerin hat sich dabei als Beruhigungspille für kritische Verbraucher erwiesen. 


Es bleibt aber im Jahre 2001 bei einem Sonderkündigungsrecht anläßlich einer Beitragssatzanhebung oder einer Änderung der Leistung oder einem Wechsel des Arbeitgebers.


Ab 2002 ist ein Krankenkassenwechsel nur noch mit einer Kündigungsfrist von 6 Wochen zum Monatsende möglich, frühestens aber nach 18 Monaten. Es bleibt aber beim Sonderkündigungsrecht anläßlich einer Beitragssatzanhebung. Dieses kann innerhalb einer Frist von zwei Monaten ausgeübt werden, auch wenn die Spitzenverbände der Krankenkassen sich rechtswidrig (gegen den Gesetzeswortlaut) auf den Standpunkt stellen, man müsse innerhalb einer Frist von einem Monat nach der Anhebung kündigen, sonst sei man 18 Monate gebunden.


Ein Arbeitgeber kann zum Wechsel in eine Krankenkasse mit einem niedrigen Beitragssatz zwar nicht zwingen, aber sehr wohl dazu ermutigen:


Die Ersatzkassenverbände haben mit Erfolg gegen einen Hotelinhaber geklagt, der den Abschluß von Arbeitsverträgen mit den Arbeitnehmern eines übernommenen Hotels davon abhängig gemacht hat, daß diese zu einer Betriebskrankenkasse wechseln. Das Landgericht Erfurt hat betont, niemand dürfe auf das Wahlrecht Einfluß nehmen. Sachfremde Erwägungen, wie etwa die Furcht den Arbetisplatz zu verlieren, sollten bei der Wahl keine Rolle spielen.


Hingegen hat das Landgericht Dresden mit einem noch nicht rechtskräftigen Urteil vom 29.6.2001 eine Empfehlung des Arbeitgebers, in eine preisgünstigere gesetzliche Krankenkasse zu wechseln, als zulässig erachtet. Die Mitarbeiter des Arbeitgebers dürften dabei nicht unter Druck gesetzt werden. 


Ein Jahr zuvor hatte das Landgericht Dresden noch entschieden, daß Arbeitgeber nicht berechtigt seien, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einer "teuren" Krankenkassen angehören, per Rundschreiben nahe zu legen, zu einer billigeren Kasse zu wechseln, dafür ein vorbereitetes  Kündigungsschreiben beizufügen und zu einer "Rückmeldung" aufzufordern. Die Firmen hätten die von den Arbeitnehmern gewählten Krankenkassen zu akzeptieren.
  • Informiere Dich über die Krankenkassen mit den günstigsten Beiträgen. Es gibt Krankenkassen, die Mitglieder bundesweit, landesweit oder auch nur aus einzelnen Regionen aufnehmen (entscheidend ist der Wohnort der Mitarbeiter). Die in den verschiedenen Ländern günstigsten Angebote liegen bei den landesweiten Krankenkassen zur Zeit (August 2000) bei 11,0 Prozent (in Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) und 11,8 Prozent (in Berlin und im Saarland). Focus informiert online über die Beitragssätze von 120 gesetzlichen Krankenkassen.

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  • Besorge Dir von der oder den für die Wohnorte Deiner Mitarbeiter in Frage kommenden Krankenkassen mit den niedrigsten Beiträgen Informationsmaterial und Formulare zur Beantragung eines Krankenkassenwechsels

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  • Fülle die Formulare soweit aus, daß sie von Deinen Arbeitnehmern, für die sich ein Wechsel lohnt, nur noch unterschrieben werden müssen.

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  • Berechne für diese Arbeitnehmer seine individuelle Ersparnis. Sie hängt auch ab dem Beitragssatz seiner alten Kasse. Siehe unsere Beispielrechnung für einen bisherigen Beitragssatz von 14,4% (etwa Innungskrankenkasse Franken) und einem neuen Beitragsatz von 11,0% (Betriebskrankenkasse Krupp, Hoesch, Stahl) bei verschiedenen Monatslöhnen.

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  • Informiere die Arbeitnehmer in Einzelgesprächen über diese Einsparungsmöglichkeit. Ideale Gelegenheiten sind: Einstellungsgespräche, Gespräche, die eine Entscheidung über die Beurteilung einer Probezeit oder einer eventuellen Übernahme nach der Ausbildung oder nach einem Praktikum vorbereiten sollen, Gespräche anläßlich von Gehaltserhöhungswünschen des Arbeitnehmers und anstehende Beförderungen. Du solltest die Form von Einzelgesprächen wählen, um die individuellen Einwände behandeln zu können, und um allgemein-politische Diskussionen zu vermeiden. Ausserdem kannst Du in Einzelgesprächen die individuellen Ersparnisse konkret ansprechen . Terminiere die Einzelgespräche so, daß Du mit den Mitarbeitern beginnst, bei denen die höchsten Ersparnisse zu erwarten sind und die wahrscheinlich Deinen Argumenten gegenüber aufgeschlossen sind. Die weniger wechselwilligen Arbeitnehmer kannst Du dann mit den zusätzlichen Argument behandeln, daß die anderen mitmachen und es die Lohn- und Gehaltsabrechnung erleichtert, wenn alle Arbeitnehme in der selben Kasse Mitglied sind. Akzeptiere keine sofortige Ablehnung, sondern vereinbare in den Fällen, daß der Mitarbeiter nicht wechseln will, ein zweites Gespräch.

  • Mögliche Einwände des Arbeitnehmers und wie ihnen entgegnet werden kann

    Einwand Entgegnung
    Die günstige Krankenkasse habe keine Zweigstelle vor Ort. Die Kommunikation mit der Kasse müsse deshalb schriftlich oder telefonisch erfolgen. Frage nach, wann er zuletzt in der Filiale seiner jetzigen Kasse gewesen sei. Biete an, die wichtigsten Formulare vorraetig zu halten und notfalls beim Ausfüllen oder Telefonieren zu helfen. Besonders Mitarbeiter mit schlechten Deutschkenntnissen ziehen oft die persönliche Vorsprache bei einer Kasse vor, so daß sie diesen Service zu schätzen wissen.
    Die günstige Krankenkasse erstatte nicht alle Leistungen. Frage nach, welche Leistungen der Arbeitnehmer befürchtet, nicht erstattet zu bekommenn, und kläre mit der günstigen Kasse ab, ob sie diese Leistungen auch erstattet. Eventuell wird dies im Prospekt dieser Kasse bereits erlätuert.
    Die günstige Krankenkasse stehe möglicherweise vor einer Beitragserhöhung. In diesem Fall darf der Arbeitnehmer innerhalb eines Monats die Mitgliedschaft in dieser Kasse kündigen und sich eine neue suchen. Du hilfst ihm dann dabei.
    Die Familienmitglieder würden nicht wechseln wollen. Mache deutlich, daß Dir das Thema wichtig ist. Biete an, mit der Familie zu reden, zu Hause oder im Unternehmen. Frage, wer denn "die Hosen an" habe.
    Er müsse sich das noch einmal überlegen. Frage nach, welche Informationen er noch benötigt. Biete an, ihm diese Informationen zu beschaffen. Terminiere ein weiteres Gespräch noch vor dem 30. September. Frage, ob er mitmache, wenn die anderen Arbeitnehmer überwiegend mitmachen.


     
    Inzwischen ist bekannt geworden, daß nicht wenige Ärzte gegen einen Wechsel zu den Betriebskrankenkassen polemisieren und teilweise behaupten, die Leistungen seien schlechter. In Wahrheit sind diese am Hungertuch nagenden Weißkittel nur sauer, weil sie bei einigen Kassen für die selbe Leistung eine etwas niedrigere Kopfpauschale bekommen.


    Wenn Mitarbeiter von solchen Polemiken berichten, könnten Sie z.B. ins Kalkül ziehen, in allen Fällen, in denen der betreffende Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt, eine Nachprüfung durch den Arbeitsmedizinischen Dienst der Krankenkasse zu veranlassen.

    Exemplarische Berechnung von Ersparnissen

    Die möglichen Ersparnisse sind beeindruckend und betragen in der Regel mehrere Hundert bis über eintausend DM.

    Monatslohn
    Monatsbeitrag 
    bei 14,4%
    Monatsbeitrag 
    bei 11,0%
    Ersparnis 
    für den Arbeitnehmer 
    pro Jahr
    2.000 DM
    288,00 DM
    220,00 DM
    408,00 DM
    3.000 DM
    432,00 DM
    330,00 DM
    612,00 DM
    4.000 DM
    576,00 DM
    440,00 DM
    816,00 DM
    5.000 DM
    720,00 DM
    550,00 DM
    1020,00 DM
     
    Wenn sich der Arbeitnehmer allen Argumenten widersetzt, schnapp ihn Dir, setze ihn in Dein Auto, fahre zur nächsten Zweigstelle seiner Krankenkasse, mache - soweit möglich - ein Rundgang im Gebäude und frage den Arbeitnehmer, ob er dies alles mit finanzieren wolle. Zumindest das Verwaltungsgebäude der AOK Bamberg ist so beeindruckend, daß es wohl jedem kostenbewußten Bürger die Sprache verschlägt.


    Auch einer anderen Bamberger Ersatzkasse scheint es gut zu gehen; sie hat sich im Juli 2001 1.048 Flaschen Sekt aus einer Sektkellerei in Ludwigshafen liefern lassen. Ein Prosit der Gemütlichkeit! 


    Die AOK Rheinland betrieb im Foyer der Medien-Nacht Düsseldorf einen "Informationsstand für die Inanspruchnahme von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen". Nach §1 in Verbindung mit §20 des SGB V sei dies Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen. Es handele sich dabei nicht, so die Auskunft von Dr. Ellen v. Itter, Leiterin Stabsstelle Medien, um ein Sponsoring. Die Anfrage sei über die Agentur gekommen, die die Medien-Nacht organisiert. Ein Kontakt von oder zu Politikern oder Parteien habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben... 


    Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen haben im Jahre 2000 mit 14,3 Mrd. DM einen neuen Rekord erreicht. Damit sind sie seit 1989 allein im Westen um mehr als 50 Prozent gestiegen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (mittlerweile zur SPD konvertiert) stiegen die Verwaltungsausgaben im ersten Halbjahr 2001 weiter um 4,8 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, ein beachtliches Kostensenkungspotential.


    Die Gehälter von Krankenkassen-Vorständen sind häufig zu hoch. Sie gehen oft mit den Beiträgen ihrer Mitglieder unverantwortlich um und vergleichen sich gerne mit Managern der freien Wirtschaft, obwohl sie nicht deren Entscheidungsspielräume haben, sondern weitestgehend nur gesetzliche Vorschriften exekutieren. Selbst Vorstände von kleinen oder mittleren Krankenkasen verdienen oft mehr als ein Bundesminister. Mehr als zwei Dutzend Kassen weigern sich gar, trotz eindeutiger Vorschriften, offenzulegen, was ihre Vorstände abzocken.


    Weniger dramatisch verbildlicht auch eine Sammlung von farbenfrohen Prospekten und Zeitschriften der teuren Kasse oder von Presseausschnitten mit Artikeln zum Thema "Gehälter des Krankenkassen-Managements" die Vorteile eines Wechsels.

    Links zum Thema "Krankenkassen wechseln"

    Autor: Gerhard Schoolmann.


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    Aktualisiert am 14. April 2003

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