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Kneipen-Straßen

 
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Die Nähe anderer gastronomscher Betriebe
  • bedeutet nicht nur Wettbewerber in der Nähe 
  • sondern bietet auch die Chance einer höheren Attraktivität des Standorts. 
  • Sie kann sich positiv oder negativ auf die Standortkriterien der Standortumgebung auswirken.

Vor- und Nachteile von Standorten in Kneipenstraßen

  • die Passantenfrequenz ist höher.

  •  
  • Gäste und Mitarbeiter anderer gastronomischen Objekte können Zielgruppen sein, stellen Kundenpotentiale dar.

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  • Wachstumspotential des Einzugsgebiets. Eine hohe Gastronomiedichte macht die Gegend attrativ für Bevölkerungsgruppen, die gerne gastronomische Objekte aufsuchen.

  •  
  • Verminderte oder erhöhte Auflagen für Lärm-/Abgas-Immissionen und -Emissionen. Vorhandene gastronomische Objekte können die Toleranz gegenüber Umweltbelastungen erhöhen oder vermindern ("das Faß zum Überlaufen bringen").

  •  
  • die Attraktivität des Stadtteils und/oder der Straße (Image, Bekanntheit) steigt, wenn attraktive gastronomische Objekte dort ansässig sind.

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  • den Reiz des Umfeldes. Besitzt der Standort ein angenehmes und reizvolles Umfeld und kann man von der vorhandenen Infrastruktur (Gastronomie, Geschäfte) profitieren?

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  • die Parkplatzsituation (Stellplätze im Straßenraum, in vorhandenen Parkhäusern und Tiefgaragen).Wie gut ist der Standort mit Stellplätzen in fußläufiger Umgebung versorgt? Die Besucher anderer Gaststätten nehmen einerseits den eigenen Gästen die Parkplätze weg. Andererseits kann das hohe Aufkommen an Parksuchverkehr dazu führen, daß Parkplätze (etwa Tiefgaragen, Parkhäuser) errichtet werden, Buspendeldienste eingerichtet werden usw.

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  • die ÖPNV-Anbindung (auch Nachtlinien) ist wahrscheinlich besser, wenn das Verkehrsaufkommen höher ist.

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  • Nähe zu Hotels (für Restaurant-Standorte) bzw. zu Restaurants (für Hotel-Standorte). Wie gut ist die unmittelbare und fußläufige Umgebung des Standortes mit Hotels bzw. Restaurants ausgestattet?

  •  
  • Kulturelle Aktivitäten. Die Nähe zu vorhandenen Veranstaltungsräumen und gastronomischen Objekten mit eignen kulturellen Aktivitäten zieht Publikum an.

  •  
  • die Wettbewerbssituation zu anderen Gastronomiebetrieben ist intensiver in der Nähe anderer gastronomischen Objekte.

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  • die Beschaffbarkeit von Personal wird erleichtert, weil Mitarbeiter nicht selten die Nähe anderer gastronomischer Objekte zu schätzen wissen, zum Beispiel um nach der Arbeit als Gast andere Objekte aufzusuchen. 

  •  
  • Es eröffnen sich Chancen für Werbegemeinschaften, kooperative Werbung der in der Straße ansässigen Betriebe nicht nur in der Gastronomie.
Die Ambivalenz der Nähe weiterer gastronomischer Objekte legt eine zyklische Entwicklung nahe:
  • Vorhandene gastronomische Objekte, die erfolgreich sind, animieren Wettbewerber, weitere Objekte zu eröffnen. Die Konzentration von Gaststätten nimmt zu, wenn und solange dies von den Planungsbehörden zugelassen wird.
  • Ab einer bestimmten Dichte schlägt die Entwicklung um und Häufungen von Gaststätten dünnen wieder aus.
  • Dieser Zyklus kann sich wiederholen.

Einbettung in Prozesse der Stadtentwicklung

Diese zyklische Entwicklung von Kneipenstraßen und anderen Formen des gehäuften Auftretens von gastronomischen Objekten ist meist eingebettet in unterschiedliche Prozesse der Stadtentwickling:
  • das Eindringen kaufkraftstärkerer Gruppen in Wohngebiete kaufkraftschwächerer Gruppen, Gentrification bezeichnet, oder
  • die Verslumung, bei der umgekehrt kaufkraftschwächere Gruppen in Wohngebiete kaufkraftstärkerer Gruppen eindringen.
Diese Prozesse können naturwüchsig erfolgen oder durch Behörden oder Investoren geplant. 


Thomas Krämer - Badoni unterscheidet in seinem Buch "Die Kneipe als Kulturform" Kneipenagglomerationen mit und ohne Bevölkerungsumfeld. Zu ersteren rechnet er z.B. 
  • die Düsseldorfer Altstadt, 
  • das münsterische Überwasser-Viertel,
  • in München Teile von Schwabing, 
  • in Bremen der Schnoor oder Auf den Häfen.
Sie hätten historische Vorläufer in den Amüsiervierteln. Anfang der 70er Jahre seien Kneipenviertel mit Bevölkerungsumfeld entstanden. Besucher dieser Kneipenviertel seien "hochmobile, kaufkräftige und angebotsorientierte Schichten des Mittelstandes, deren Eltern meist gar nicht oder in bürgerliche Honoratiorengaststätten gingen". Es sei "die unpolitische Seite der gleichen Schicht, die den Kern der Studentenbewegung gebildet hat". Die Kneipen dieses Typs seien modisch und internationalistisch (heute würden man sagen multi-kulti oder von Fusion Cuisine sprechen..


Eine moderne Entwicklung stellen Urbane Erlebniszentren (Urban Entertainment Centers) dar. Private Investoren planen eigene ganze Blöcke und Straßenzüge inclusive solcher Flächen und Nutzungen, die außerhalb dieser Zentren, also "normalerweise" von kommunalen Behörden geplant und finanziert werden. Bekannte Beispiele für Erlebniszentren, die an bestimmte Standortqualitäten anknüpfen, heißen "Fishermen's Wharf", "Alte Spinnerei", "Speicherstadt", "Schokoladenfabrik", "Hacke'sche Höfe" oder "Marina". Das bislang größte integrierte städtebauliche Projekt Deutschlands ist die "Neue Mitte Oberhausen" mit dem Einkaufszentrum (CentrO). (Quelle: Die Zukunft der Stadt von Volker Eichener, in: InWis Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum).

Bekannte und berühmte Kneipenstraßen

  • Drosselgasse in Rüdesheim. Die 150jährige Geschichte der Rüdesheimer Drosselgasse als Touristenattraktion beschreibt Rolf Göttert im Wiesbadener Kurier vom 22. April 2003: "Groschebuwe" lockten Gäste in Scharen an."
  • Untere Straße in Heidelberg, um nicht zu sagen die gesamt Altstadt von Heidelberg.
  • Sandstraße in Bamberg (siehe: Bierstadt Bamberg). Erst in den letzten Jahren hat sich die Austraße in Bamberg zu einer Kneipenstraße entwickelt, während gleichzeitig die Sandstraße an Attraktivität verloren hat. Eine Rolle hat dabei auch die Verkehrspolitik gespielt. Die Austraße wurde Fußgängerzone, die Sandstraße nur abends vom durchfahrenden Verkehr befreit. Außerdem ist die Austraße Standort einer großen Fakultät der Bamberger Universität und Mensa.
  • Elbstraße in Hamburg (siehe: Große Elbstraße: Gastrotipps für Sehleute. Zwischen Fischmarkt und Neumühlen hat sich eine neue Restaurantmeile entwickelt. von Nataly Bombeck, in: Hamburger Abendblatt vom 12. November 2002).
  • Docklands in London.
  • Victoria and Alfred Waterfront in Kapstadt.
  • "Fisherman's Wharf" in San Francisco.

Künstliche Ballungen von Gastronomie

Die Vorteile der Häufung gastronomischer Objekte zu nutzen, liegt nahe. Sie werden geplant realisiert als
  • Themenparks
  • in der Eventgastronomie virtuell als Kneipenfestivals, temporär bei Volksfesten.

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28. Oktober 2003