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Günter Grass
 
 

Literaturnobelpreisträger Günter Grass

 
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"Außerdem bin ich leergeschrieben [mit diesem Buch]. Das muß auch so sein. Der Autor muß am Ende erschöpft sein." 
Günter Grass in einem Gespräch über sein neuestes Werk "Mein Jahrhundert


Günter Grass wurde am 16. 10. 1927 in Danzig geboren. Er gehörte zur  zur "Gruppe 47" und engagierte sich lange Zeit für die SPD. Sein vor wenigen Monaten erschienenes Buch "Mein Jahrhundert" hat für viel Gesprächsstoff gesorgt hat -- und das weit über den Literaturbetrieb hinaus. Hundert wechselnde Gestalten, hundert Episoden: "Mein Jahrhundert" ist eine höchst persönliche Chronologie und gleichzeit die Biographie eines katastrophengeschüttelten mitteleuropäischen Landes. Hundert deutsche Jahre werden erzählt, hundert Geschichten und Schicksale. Hundert Menschen werden geschildert, die gelebt und erlebt haben, gelacht und gelitten - selten ganz privat, meist unter der Fuchtel der Politik, zweimal auch unter der Kriegsfurie. Prominente treten auf: Ernst Jünger, Else Lasker-Schüler, ebenso ein Schriftsteller namens Grass, aber auch die einfachen Leute haben ihren Platz. Die Geschichten dieser unterschiedlichen Menschen ergeben ein Kaleidoskop, das sich mit den Jahren verändert, seine Farben wechselt. 


Günter Grass ist ein unermüdliche Mahner für ein besseres, gerechteres Deutschland in diesen Zeiten, er verkörpert das Gewissen Deutschlands. Dokumentiert hat er das in seinen Buechern, die mehr als Romane oder dröge Schullektüre sind. Klassiker wie "Die Blechtrommel" oder "Die Rättin" haben immer von Günter Grass und seiner Stellung zur deutschen Befindlichkeit gezeugt. Und dem Leser immer ein zwiespältiges, ein heiß-kaltes Lesevergnügen beschert, in dem er sich und seine Gedanken oft genug wiedergefunden hat. 
  Könnte man die Würdigung von Günter Grass sachlicher und würdevoller als das ehrwürdige Nobelpreis-Komitee formulieren? 

"Die Schwedische Akademie 
Der ständige Sekretär 
30. September 1999 

Der Nobelpreis in Literatur 1999 

Günter Grass 

"Weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat."

Die Schwedische Akademie in Stockholm ehrt damit nach 1972 (Heinrich Boell) ertsmals wieder einen Deutschen mit dem hochrangigen Preis.

 
Als Günter Grass 1959 "Die Blechtrommel" herausgab, war es,als wäre der deutschen Literatur nach Jahrzehnten sprachlicher und moralischer Zerstörung ein neuer Anfang vergönnt worden. Auf den Seiten dieses seinen ersten Romans wurde eine verlorene Welt wiedererschaffen, die der Nährboden seines schriftstellerischen Werkes gewesen war, die Heimatstadt Danzig, wie sie Grass aus seinen frühen Jahren vor der Katastrophe des Krieges erinnerte. Hier nahm er sich der großen Aufgabe an, die Geschichte seiner Zeit dadurch zu revidieren, dass er das Verleugnete und Vergessene wieder heraufbeschwor: die Opfer, die Verlierer und die Lügen, die das Volk vergessen wollte, weil es einmal daran geglaubt hatte. Gleichzeitig sprengt das Buch dadurch den Rahmen des Realismus, daß es Hauptgestalt und Erzähler eine teuflische Intelligenz in dem Körper eines Dreijährigen sein läßt, ein Monstrum, das sich der Menschlichkeit mit Hilfe einer Spielzeugtrommel bezwingend nähert. Der unvergeßliche Oskar Matzerath ist ein Intellektueller mit der Kindlichkeit als kritischer Methode, ein Einmannkarneval, der Dadaismus, der im Alltag der deutschen Provinz in dem Augenblick durchgeführt wird, als die kleine Welt in den Wahnsinn der großen Welt hineingezogen wird. Man wagt die Vermutung, dass "Die Blechtrommel" zu den bleibenden literarischen Werken des zwanzigsten Jahrhunderts gehören wird.
  Nach der "Blechtrommel" kehrte Grass in zwei untereinander sehr unterschiedlichen Werken zum Thema Danzig zurück. Die straffe Erzählung "Katz und Maus" zeigt, wie die magische Freundschaft der Knabenjahre untergeht, als die Kriegsspiele auf den wirklichen Krieg treffen. Die "Hundejahre" sind Grass' modernistischstes Werk, ein Text ohne bestimmbares Zentrum, ein Raum fuer Stimmen und ein Treffpunkt für Fieberträume, die, wie sich zeigt, mit dem Leben zusammenfallen.
  In anderen Romanen wie "Hundejahre" wählte Grass eine eher diskursive Linie und plädierte fuer den Zweifel und den guten Willen. In der öffentlichen Debatte seines Heimatlands ist er Kraftquell und Fels des Ärgernisses, aber für literarische Größen draußen in der Welt wie García Marquez, Rushdie, Gordimer, Lobo Antunes und Kenzaburo Oe ein bewunderter Vorgänger.
  Der Roman "Der Butt" bedeutete die Rueckkehr des großen Stils in sein schriftstellerisches Werk in Form einer Weltgeschichte, die vollgestopft ist mit wahren Schnurren und hitzigen ideologischen Diskussionen. Grass stellt die Entwicklung der Zivilisation dar als einen Kampf zwischen verheerenden männlichen Träumen von Größe und weiblicher Kompetenz. Der Ausgang ist ungewiß. Der sprechende Butt, den Gebrüdern Grimm abgeworben, ist in seiner Eigenschaft als Ratgeber der Frauen ein Weltgeist, wie Hegel sich ihn nie hätte vorstellen können. Der Erzähler selbst bleibt dagegen eine notorisch unzuverlässige Mannsperson und rettet den Spielraum fuer Unartigkeiten, ohne den die Kunst stirbt.
  Die beiden Hauptgestalten in "Ein weites Feld", der ewige Humanist und der ewige Spitzel, setzen vor dem Hintergrund des wilhelminischen Deutschland und der heutigen Bundesrepublik das Verhältnis der künstlerischen Phantasie zur Staatsmacht in Szene. Das Buch war ein Zankapfel der deutschen Literaturkritik, aber befestigte die Stellung des Schriftstellers als desjenigen, der die großen Fragen an die Geschichte unseres Jahrhunderts stellt. 


Sein letztes Buch "Mein Jahrhundert" ist ein Kommentar, der das zwanzigste Jahrhundert fortlaufend begleitet und einen besonderen Scharfblick fuer den verdummenden Enthusiasmus zeigt. Der Spatenstich des Günter Grass in die Vergangenheit gräbt tiefer als der der meisten, und er findet, wie die Wurzeln des Guten und Boesen miteinander verschlungen liegen. Wie in den "Hundejahren" festgestellt  wird: "Als Gott noch zur Schule ging, fiel ihm auf dem himmlischen Pausenhof ein, mit seinem Schulfreund, dem kleinen begabten Teufel, die Welt zu erschaffen." 
 
 

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