Namen gastronomischer Betriebe
Zur Kennzeichnung gastronomischer Betriebe dienen Namen oder Logos (siehe
unsere Seite über "Branding in der Gastronomie")
und vormals auch Schilder, auf denen der Name bildlich oder figürlich
dargestellt worden ist:
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Schon in der Antike wurden Gasthäuser mit Namen wie "Adler" oder "Schwert"
versehen und oft in Gasthausschildern widergegeben.
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Im frühen Mittelalter steckten Wirte grüne Buschen, Tannenzweige,
Kränze, Blattwerk usw. als Zeichen der Gastlichkeit an die Türen
und Fenster und als Symbol des Schankrechts. Von daher rühren auch
die meist in der Barockzeit angefertigten Wirtshausschilder, welche den
alten Brauch mit dem Grünzeug widerspiegeln. Sie finden sich
heute noch in den Straußwirtschaften in Süddeutschland,
in denen Winzer nur eigenen Wein ausschenken dürfen.
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Im schwäbischen Rottweil schrieb der Rat 1550 Wirtshausschilder sogar
vor. Verwendet wurden dabei Zeichen, die aus der Heraldik hergeleitet
waren oder sich auf Tiere bezogen. Dazu kamen religiöse
Motive wie das Paradies oder die Drei Könige.
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Das Recht, Fremde aufzunehmen und zu bewirten, wurde mit einem Gasthausschild
demonstriert.
Anfangs wurden bemalte Holztafeln an einer Stange befestigt. Um
die Wende zum 17. Jahrhundert ging man auf gußeiserene Ausleger
über, die aus einem Tragarm und einem bemaltem oder gar vergoldeten
Schild bestanden. Der Name des Gasthauses wurde bildlich umgesetzt, ein
Entgegenkommen an die oft nicht des Lesens kundigen Passanten.
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Durch
die von Linde erfundene Kühlmaschine (1873) wurde die industrielle
Herstellung von Lagerbieren ermöglicht, da die untergärige Hefe
Temperaturen um 8 Grad Celsius brauchen. Eine Entwicklung, die Gabriel
Sedmayer junior zugeschrieben wird, dessen Vater 1807 die Münchener
Spatenbrauerei
übernommen hatte. Der Massenproduktion von Bier folgte die Serienfertigung
von Wirtshausschildern, die damit zur "Daueraußenwerbung" für
die bierliefernden Brauereien verkamen. Anfangs
wurden sie aus Emaille und Glas gefertigt. Das wenig robuste Glas und Emaille
wurde ab 1928 durch Acrylglas ersetzt. Im letzten Viertel des letzten Jahrhunderts
begann man verzinktes Stahlblech und Eisen durch Aluminium zu ersetzen.
An
die Stelle geschmiedeter Schildarme und geschnitzter Schildtafeln traten
mehr oder weniger häßliche Reklameschilder
meist der Brauereien oder gar Neonreklamen.
Herleitung von Namen
Man kann folgende Gruppen von Namen nach ihrer Herkunft unterscheiden.
Sie werden häufig auch kombiniert vergeben:
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Namen des Hauses. Erst im späten 18. Jahrhundert begann man
Häuser zu numerieren. Bis dahin hatten herausragende Häuser eigene
Namen, wie etwa das "Haus
zum Krebs" in Bamberg, in dem der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich
Hegel seine "Phänomenologie des Geistes" verfaßte.
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Namen des Standorts: einer Region, etwa Bodenseehotels,
einer Stadt, etwa "Bamberger Hof".
oder einer Straße, etwa Hotel
Berliner Ring (einer Straße in Bamberg) oder gar das Gletscherrestaurant
am Jungfraujoch in der Schweiz.
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Namen berühmter Gäste, etwa das Restaurant "Lutherhaus"
im thüringischen Sonneberg.
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Namen der Inhaber, etwa Maxim's
in Paris, benannt nach dem Inhaber und früheren Kellner Maxime Gaillard,
das 1898 erbaute Hotel "Ritz" von
César Ritz, die Restaurants "Michael
Jordans 23" und "Michael Jordan's Steakhouse" des Basketballspielers
Michael
Jordan in Washington oder das Heino
Rathaus Café in Bad Münstereifel.Le
Procope, Paris, 1686 eröffnet vom Italiener Francesco Procopio
dei Cottelli.
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Namen der Köche (oft zugleich Inhaber), so die Residenz
Heinz Winkler, Steinheuers
Restaurant, das Hotel und
Restaurant Jörg Müller, Charlie
Trotter's Restaurant,
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historischen Bezeichnungen oder Symbole für Ausschankstätten
, wie sie in der römischen Zeit üblich gewesen sind, etwa "Grüner
Kranz", "Tanne", "Strauß", "Zum Reif", "Zur Fichte" für die
Symbole der Gastlichkeit, oder Bezeichnungen der Produkte, die in den Gaststätten
verarbeitet wurden, etwa "Zum Faß", "Zur Traube", "Zum Hecht", "Zum
Lamm", "Zum Löffel". So wurde die erste Burschenschaft Deutschlands
im Mai1815 im Gasthaus "Zur Tanne" in Jena gegründet (siehe drefa-Projektgruppe
Geschichte Mitteldeutschland, Gründung
der Urburschenschaft 1815 in Jena). Das Restaurant "Hecht"
in Zug existiert bereits seits 1435, das Restaurant "Lamm"
in Mössingen seit 1738.
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christliche Symbole der Gastlichkeit, so etwa die Heiligen Drei
Könige (siehe etwa den Brauereigasthof "Drei
Kronen" in Memmelsdorf bei Bamberg).
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lokalbedingte Namen wie "Rathausschänke", "Am Marktplatz",
"Bahnhofsgaststätte", so etwa die "Rathausschänke"
an der Oberen Brücke in Bamberg, manchmal auch in Anspielung auf nahe
gelegene Sehenswürdigkeiten, so etwa das Panorama-Restaurant
Loreley.
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Namen berühmter Gäste, etwa das Hotel "Zum
Ritter St. Georg" in Heidelberg ist - 1592 erbaut - eines der ältesten
in Deutschland, oder das Hotel "Barbarossa"
in Konstanz. Im Jahre 1183 schloß in diesem Hause der deutsche Kaiser
Friedrich I. Barbarossa den Frieden mit den lombardischen Städten.
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Stadtnamen, etwa die Namen einer nahe gelegenen Stadt, so etwa das
Hotel
Würzburger Hof in Bad Kitzingen, oder einer Stadt, deren Flair
oder Image auf das Objekt übertragen werden soll und zudem oft das
ethnische Sortiment assoziert, etwa das chinesische Restaurant "Hongkong"
in Bonn.
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Namen der hauptsächlich angebotenen Produkte oder auch der Unique
Selling Position. Beispiele sind: Kentucky
Fried Chicken, Daily Soup in
New York, Suppenbörse. Berlin,
Buffalo
Wild Wings, eine US-Kette, Enchilada,
Spaghetti
Factory,
Le
Croissant Shop, historisch das Kaffeehaus "Kaffeebaum"
in Leipzig usw. Der Name "Restaurant" selbst bezeichnete ursprünglich
eine Suppenausgabestelle (siehe unsere Seite über die Geschichte
des Restaurants), bevor er sich als Bezeichnung für Speisegaststätten
international durchsetzte. Zu dieser Gruppe kann man auch die Brauereigaststätten
zählen, bei denen die Biere der Brauerei im Mittelpunkt stehen und
die oft den Namen der Brauerei tragen, so etwa das Hofbräuhaus
oder der Augustiner
in München. Eine Weiterentwicklung stellt die Verwendung von Biermarken
oder auch Kaffeemarken als Objektbezeichnung dar, so etwa die vielen Kaffeebars
des Namens "Segafreddo".
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Namen, die wesentliche Eigenheiten des Objektes, des gebotenen besonderen
Services oder auch der Einrichtung werbend hervorherben sollen, so etwa
die Wellness Hotels,
Hotels
mit Herz, art'otel Dresden.
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Bezeichnungen der Zielgruppe, etwa Baby-
und Kinderhotel Der Jenshof, Kals am Großglockner, Tirol, Familien-
und Kinderhotel Pillerseehof, Luxory
Family Hotels, Großbritannien, eine Kombination aus einer Beschreibung
der Eigenheit (luxoriös) und Zielgruppe (Familien), die Hotelkette
Familotel
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selbstironische Namen sind besonders in der Generation der 68er
üblich gewesen, so etwa "Balazzo
Brozzi" in Nürnberg, die Kneipe "Stilbruch"
in Bamberg, das Bistro Wahnsinn
in Pressath oder das Café
Größenwahn in Frankfurt am Main. Der Name unseres "Café
Abseits" spielt auf den vermeintlich abgelegenen Standort an; ironisch
sind auch einige Frühstücksangebote wie "Steuerzahler-Frühstück",
"Frühstück Danach" oder "Frühstück Größenwahn",
genauso wie Pizza-Bezeichnungen in unserem zweiten
Restaurant. Der Name des Wirtshauses "Zur
letzten Instanz" in Berlin-Mitte spielt auf die Nähe des Gerichts
an. "Schlenkerla", der Namen der
berühmten Bamberger Rauchbierbrauerei und Brauereigaststätte,
spielt an auf einen Buckligen, der seine Armen "schlenkern" ließ.
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Namen, die das Thema der Gaststätte bezeichnen, siehe dazu
unsere Seite über "Themen-Restaurants".
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Namen, die lediglich die Art der Gastronomie bezeichnen, etwa "Brasserie"
oder "Die Kneipe", und sich damit einen Alleinstellungsanspruch für
alle Objekte diese Art vor Ort anmaßen.
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Namen, die auf bekannte Lieder anspielen. Deutsch-sprachige Beispiele
sind mir nicht bekannt. Lynn C. Hattendorf Westney bringt in seinem Artikel,
betitelt "Dew Drop Inn
and Lettuce Entertain You: Onomastic Sobriquets in the Food and Beverage
Industry", einige englisch-sprachige Beispiele, unter anderen: O Salad
Mio, Washington, DC, und YesterDaves, Albuquerque, New Mexico, deren Ursprünge
sich auch Deutschen erschließt ("O Sole Mio" von Eduardo di Capua,
z.B. interpretiert von Luciano Pavarotti, und "Yesterday" von den Beatles).
In der Schweiz gibt es ein Solarium O
Sole Mio und in Basel ein Hotel Garni Casa
O Sole Mio.
Buchempfehlungen
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European
Gastronomy von Willi Bode.
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Hier
kehrt man ein. Wirtshausschilder aus drei Jahrhunderten. Von Ursula
Pfistermeister. Dieser Band zeigt den ganzen Reichtum und die Vielfalt
jener weit verbreiteten Aushängeschilder, mit denen die Wirte von
alters her vor allem in Süddeutschland, in Österreich und
der Schweiz, aber auch in Frankreich und England zur Einkehr einladen.
Ursula Pfistermeister stellt diese Wirtshausschilder nicht nur im
Bild vor. Sie geht auch auf ihre geschichtliche Entwicklung und Herstellung
ein, gibt einen Einblick in die oft überraschende Bedeutung
der Bildsymbolik und berichtet nicht zuletzt von den Häusern, die
den Gast auf diese lebenswürdige, traditionsreiche Art empfangen.
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. ..
da laß dich fröhlich nieder. 90 Wirtshausschilder, fotografiert
und vorgestellt von Friedrich W. Klemme.
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Schöne
Laden- und Wirtshausschilder. von Wolfgang Lauter.
Weiterführende Links
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Speisekarten-Seite.de: Zur
Geschichte der Speisekarte.
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History
of Restaurants, in:Tallyrand's Culinary Fare
-
Hotel Ritz, Paris
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Maxim's, Paris
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Spitzenköche, ihre Restaurants und Bücher
-
Die
Geschichte der Augustiner Großgaststätte in München.
-
Die Geschichte
der Gaststätte Hofbräuhaus in München.
-
Wolfgang Abel: Von
der Sudelküche zum Gourmettempel und zurück. Gasthäuser
im Wandel der Zeit, in: Badische Zeitung vom 24.09.1999.
-
Histore
de la gastronomie francaise.
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Wirtshausschild
des Hotels "Goldene Kanne" in Dinkelsbühl.
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Wirtshausschild
Krone in Markdorf.
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Stadtmuseum
Rottweil.
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In einem Artikel von Lynn C. Hattendorf Westney, betitelt "Dew
Drop Inn and Lettuce Entertain You: Onomastic Sobriquets in the Food and
Beverage Industry", sind Beispiele von englisch-sprachigen Restaurant-Namen
gesammelt, die belegen sollen, daß die Namen von Gaststätten
heutzutage soziale Sitten semantisch oder humoristisch reflektieren.
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Names That Can &
Cannot Be Trademarked, in: AdSlogans.co.uk
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Top
20 - Restaurantnamen in der Schweiz, von Gastrofacts.ch.
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Matthias Klopp: Wie
finde ich einen guten Namen für mein Unternehmen?
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