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Euro-Umstellung
Euro-Umstellung

Gastronomie sorgt für negative Schlagzeilen

Euro-Kritiker haben es prognostiziert, Verbraucher haben es befürchtet: Die Euro-Einführung als Alibi für Preiserhöhungen. Seit heute wissen wir, dass die Pessimisten recht behalten haben. In nahezu allen Tageszeitung zwischen Flensburg und Konstanz kann man auf den Titelseiten lesen, was der Bundesverband der Verbraucherzentralen anhand einer Studie ermittelt hat: Von 1000 untersuchten Dienstleistungen und Produkten seien zwei Drittel teurer geworden – und das bis zu 48%. Und die schwarzen Branchen-Schafe sind auch schon ausgemacht: Gastronomie und Dienstleister. Zwar versuchen Bundesbank, Statistisches Bundesamt und Einzelshandelsverbände noch abzuwiegeln und das Inflationsgespenst in seine Schranken zu verweisen, doch unter Image-Aspekten ist für die gastronomischen Betriebe das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Preiserhöhungen sind Fakt

Und daran tragen manche Gastronomen eine gehörige Mitschuld, wie eine stichprobenartige Untersuchung der Düsseldorfer Beratungsagentur „DIE GASTRONAUTEN“ in Düsseldorf ergeben hat. Demzufolge gab es nur wenige Betriebe, die ihre Preise konstant gehalten haben. Mehr noch, sowohl bei Getränken, als auch bei Speisen, lagen die Erhöhungen nicht selten im zweistelligen Prozentbereich. So verteuerte sich beispielsweise eine Mini-Pizza zum Mitnehmen von DM 5,- auf € 3,-, das Tomatensüppchen von DM 6,80 auf € 4,50, der Kräuterschnaps von DM 4,50 auf € 2,40 und das Alt-Bier von DM 2,70 auf € 1,50, um nur einige Beispiele zu nennen. „Die optisch niedrigeren Preise scheinen viele Gastronomen zu versteckten Preiserhöhungen verführt zu haben – meist nicht durch das gesamte Angebot, aber partiell“, kommentiert Chef-Gastronaut Jürgen Friedmann die gemachten Erfahrungen. Eine Tatsache, die sich für die wenig verwöhnte Branche als Bumerang erweisen könnte. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und vor dem Hintergrund der bereits im Vorfeld der Euro-Einführung geäußerten Befürchtungen, reagiert der Verbraucher doppelt sensibel auf Preiserhöhungen – ganz gleich ob gerechtfertigt oder nicht“, formuliert Friedmann. Einige Gäste, mit denen DIE GASTRONAUTEN gesprochen haben, fühlten sich über die Theke gezogen bzw. für dumm verkauft. „Die sehen mich so schnell nicht wieder“, zitiert Friedmann einen Altstadtbesucher, der sich auf offener Straße über die neue Preisgestaltung für sein obergäriges Lieblingsgetränk ausließ. Eine Einzelstimme zwar, doch spiegelt sie eine anscheinend weit verbreitete Meinung wieder, die auf Grund bereits erwähnter Negativ-Presse noch verstärkt werden dürfte.

Wer jetzt allerdings glaubt, Volkesstimme würde sich schon in Kürze wieder beruhigen, der könnte sich täuschen. „Oft dauert es Monate, einen Kunden zu gewinnen, aber nur wenige Sekunden, um ihn wieder zu verlieren“, weiß Friedmann aus langjähriger Erfahrung. So gesehen kann es in vielen Fällen für eine effektive Schadensbegrenzung schon zu spät sein. Was also ist zu tun, um der öffentlichen Meinung entgegen zu wirken, bestehende Kunden zu halten und möglicherweise sogar neue zu gewinnen?

Problem offensiv angehen

„Der oftmals negativen Preisüberraschung sollten positive Service-Überraschungen entgegengestellt werden, damit keine emotionale Schieflage beim Gast entsteht“, empfiehlt Friedmann. Ein Gratis-Gläschen, ein paar Knabbereien oder ein Give-Away können seiner Ansicht nach schon kleine Wunder bewirken. Aber auch dem Service kommt in Zeiten wie diesen besondere Bedeutung zu. So sollte das Servicepersonal ein Lächeln mehr auf den Lippen haben und vor allem rhetorisch geschult sein, um auf eventuelle Preisdiskussionen fundiert und freundlich reagieren zu können. Möglichen Aggressionen gilt es mit Souveränität und Argumenten die Schärfe zu nehmen. Allgemeine Hinweise zur neuen Preisgestaltung samt Begründung könnten nach Ansicht Friedmanns auch auf den Tischen ausgelegt, in die Speise- bzw. Getränkekarte integriert oder gut sichtbar ausgehängt werden. „Es ist häufig besser, offensiv und aktiv mit schwierigen Themen umzugehen, als auf Gästereaktionen zu warten“, so der Gastronaut. Schließlich behielten die meisten Gäste ihren Frust für sich und würden durch späteres Fernbleiben glänzen.

Für weitsichtige Gastronomen sieht Friedmann gegenwärtig aber auch eine Chance. „Wer seine Preise stabil gehalten hat, bzw. professionell auf die Situation reagiert, kann durchaus mit positiver Gäste-Resonanz rechnen und neue Kunden gewinnen“.  Mittelfristig werde dann sowieso der Markt das Preisgefüge in Ordnung bringen. Schließlich entscheide der Gast darüber, wo er sein Bier trinke und seine Nudeln esse.

 
DIE GASTRONAUTEN
Jürgen Friedmann und Jörg van Alen
Steinkaul 10
40589 Düsseldorf
tel.: 0211/9095-201
fax: 0211/9095-209
e-Mail: info@die-gastronauten.de
 
aktualisiert am 24. Januar 2001