Abseits.de -->
Gastronomie-->
Controlling-->
Preiskalkulation-->
Pfandpflicht für Einwegverpackungen
 

Pfandpflicht für Einwegverpackungen: Auswirkungen auf das Gastgewerbe

Zur Homepage
Suchen
Gaststätten
Bamberg
Community
Partner
Bücher
Poster
Gastronomen
Bierliebhaber
Webmaster
Internet
Impressum
Kontakt
 
Die zum 1.1.2003 geplante Einführung der Pfandpflicht für Einwegverpackungen bei Getränken wie Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke wird von den Privatbrauereien (im Unterschied zu den im Brauerbund organsierten Brauereikonzernen) und vom Getränkehandel begrüßt. Mit dem Pfand würden Investitionen in das Mehrwegsystem gesichert und Arbeitsplätze erhalten, erklärten Vertreter der entsprechenden Verbände am 13. März 2002 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin.


Die seit 1991 in der Bundesrepublik Deutschland geltende Verpackungsverordnung sieht eine Pfandpflicht für alle Einwegverpackungen vor und zwar von 25 Cent für Dosen und kleine Flaschen, sowie 50 Cent ab einem Inhalt von 1,5 Litern. Dosen und Kunststoffflaschen sind bisher unter der Bedingung von der Pfandpflicht befreit, daß 72 % der gekauften Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt werden. Dies entspricht dem Anteil der Mehrwegverpackungen von 1991. Da diese Quote nicht erreicht wird, erlischt die Befreiung von der Pfandpflicht ab 1.1.2003.


Einwegverpackungen von Wein, Fruchtsäften, Spirituosen und Milch sind nach der jetzigen Mehrweg-Statistik noch nicht betroffen.
Welche Auswirkungen hat diese Pfandpflicht möglicherweise auf das Gastgewerbe? Die folgende Diskussion möglicher Vor- und Nachteile leidet darunter, daß die geplante Verordung noch nicht bekannt ist. Der Teufel steckt im Detail.

Vorteile und Chancen für das Gastgewerbe

  • Das Gastgewerbe wird im Branchenvergleich (also als Wettbewerber des Einzelhandels, aber auch zu Tankstellen-Shops und Getränkeverkäufern im Randsortiment wie Bäckereien und Metzgereien) im Allgemeinen eher profitieren, denn der Mehrweganteil ist im Gastgewerbe noch bzw. bereits sehr hoch. 

  •  
  • Die Beschaffungskanäle des Gastgewerbes wie Getränkefachgroßhandel und Brauereien bieten bereits jetzt in der Regel auch Mehrweggebinde an.

  •  
  • Der Preisdruck, der von Einweggebinden ausgeht, wird gebremst (siehe dazu unsere Seite über Bierabnahmepreise). Der Preisabstand zwischen einem Bier in der Gastronomie und einem Dosenbier beim Discounter, das zu Hause, auf der Straße oder in der Schwarzgastronomie konsumiert wird, verringert sich optisch (also incl. Pfand). Falls man alternativ davon ausgeht, das Pfand werde eingelöst, wird der Konsum ausserhalb der Gastronomie beschwerlicher.

  •  
  • Die dezentrale Struktur der Gastronomie legt es - besonders Kunden, die keinen PKW besitzen -  nahe, bepfandete Getränke in der Gastronomie "außer Haus" zu kaufen, vorausgesetzt Gastronomen bieten Getränke außer Haus zu Preise an, die sich eher am Preisniveau von Tankstellen als an den Preisen orientieren, die "im Haus" verlangt werden. Diese Chancen können besonders Gastronomen ohne Bierbezugsverpflichtung nutzen, da sie zu Marktpreisen einkaufen und günstige Außer-Haus-Preise bieten können. Besonders in Quartieren ohne fußläufig erreichbaren Getränkeverkaufsstellen, könnte es sich lohnen, den Außer-Haus-Verkauf zu forcieren. Auch für Brauereien wäre es eine vernünftige Strategie, ihren gebundenen Gastwirten zusätzliche Chargen zu marktüblichen Konditionen für den Außer-Haus-Verkauf anzubieten.

  •  
  • Die bisher fälligen, im Preis enthaltenen Lizenzentgelte für Einweg (Duales System Deutschland) entfallen. Einwegprodukte werden billiger. Folgendes Beispiel verdeutlicht dies:
In ihrer Preisliste "Bier Gastronomie", gültig ab 1. Augst 2001, differenziert die Kulmbacher Brauerei den Preis für ihr wichtigstes Produkt "Kulmbacher Edelherb Pils" nach Gebinden. So beträgt der Literpreis in Euro (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer): 
  • 1,60 - Fass / KEG
  • 1,50 - 0,5 l NRW-Flasche
  • 1,70 - 0,33 l - Mehrwergflasche
  • 1,76 - 0,33 l - Einwegflasche
  • 1,40 - 5 l - Dose
  • 1,20 - 0,5 l - Dose
 
    Der Preisvorteil der Mehrwegflasche von 0,06 DM je 0,33 l wird sich ceteris paribus um die Lizenzgebühren verringern. Da das Handling von bepfandeten Einweg- und Mehrwegflaschen gleichermaßen umständlich ist, können Gastronomen auf das preisgünstigere Gebinde umsteigen. Insoweit kann ein Druck auf den Getränkefachgroßhandel entstehen, vermehrt Einweggebinde anzubieten.

Nachteile für das Gastgewerbe

  • Das Umlaufkapital erhöht sich, da auch für bisher nicht verpfandete Getränke Pfand an den Lieferanten gezahlt werden muß.

  •  
  • Der Platzbedarf für Leergut steigt, sowohl an der Verkaufsfront wie auch im rückwärtigen Lager. 

  •  
  • Insbesondere bei Großveranstaltungen, bei denen gelegentlich gerne Einweg eingesetzt wird, weil es, insbesondere für die zeitliche Verteilung des Personaleinsatzes, günstiger sein kann, weggeworfene Verpackungen nach einer Veranstaltung einzusammeln als während einer Veranstaltung Leergut zurückzunehmen und Pfand auszuzahlen, ist mit erhöhtem Personalbedarf in der Spitze zu rechnen.

  •  
  • Unter die Pfandpflicht fallen, so Dr. Thomas Rummler vom Bundesumweltministerium gegenüber der Lebensmittelzeitung, auch die so genannten Deckelbecher, die besonders von.Fast-Food-Ketten zum Ausschank von Getränken eingesetzt werden. 

Was tun?

Schwierigkeiten aus der neuen Regelung erwachsen im Gastgewerbe beschaffungsseitig vor allem bei dem mehr oder weniger kleinen Teil des gelisteten Getränke, die (noch) nicht in Mehrwegverpackungen angeboten werden. Für diese Produkte bieten sich folgende alternativen Strategien an:
  • auf Mehrwegverpackung umstellen bzw. Lieferanten motivieren umzustellen,
  • auf alternative Produkte oder Marken umstellen, die bereits in Mehrwegverpackungen verfügbar sind,
  • auslisten,
  • die Rücknahme organisieren (mehr Platz für Leergut).
  • auf größere Einweggebinde umstellen, um Platz und Pfand zu sparen.
  • Um nicht mit Leergut überhäuft zu werden, empfiehlt sich die Ausgabe von Pfandmarken bzw. die Rücknahme ausschließlich im Tausch gegen Vollgut.
Gastronomische Betriebe sind aber aber auch verkaufssseitig, als Verkäufer von Ein- oder Mehrwerggebinden außer Haus,betroffen. Dabei gilt, daß in Verkaufsstellen bis zu 200m2 Fläche nur die dort verkauften Einweggebinde zurückgenommen werden müssen (wie in Gaststätten "Verkaufsflächen" zu berechnen sind, ist dabei völlig unklar). Bei größeren Verkaufsflächen muß die Rücknahme von Gebinden der Art, Form und Größe und Verpackung solcher Waren erfolgen, die im Sortiment geführt werden. Dies heißt unter anderem:
  • wer z.B. keine PET-Gebinde verkauft, muß auch keine PET-Gebinde zurücknehmen,
  • wer keine 0,33 l-Einwegflaschen verkauft, muß keine 0,33 l- Einwegflaschen zurücknehmen.
Unabhängig von der Frage, ob man zur Rücknahme verpflichtet ist, lohnt es sich eventuell darüber nachzudenken, ob man bepfandete Gebinde als Serviceleistung zurücknimmt. Zuvor sollte man aber seinerseits mit seinen Lieferanten sprechen, ob sie ihrerseits diese Gebinde zurücknehmen. Eine nur selektive Rücknahme bestimmter Arten, Formen, Größen und Verpackungen könnte sich sonst schnell als Wettbewerbsnachteil erweisen, besonders wenn die Kunden nicht mehr durchblicken, wo was zurückgenommen wird und solche Anbieter präferieren, bei denen garantiert alle leeren Gebinde akzeptiert werden. 


Inwieweit Getränkefachgroßhändler bereit und in der Lage sind, Einweggebinde aller Art, Form, Größe und Verpackung sortiert oder auch unsortiert zurückzunehmen, wird sich möglicherweise als Kriterium für die Auswahl geeigneter Getränkefachgroßhändler herauskristallisieren.

Viele Details unklar

In der politischen Diskussion um die Pfandpflicht vermißt der Praktiker noch Antworten auf einige offene Fragen. Welche Produkte sind überhaupt betroffen?


Nach den "Leitsätzen für Erfrischungsgetränke" des Deutschen Lebensmittelbuches sind unter Erfrischungsgetränken zu verstehen: 
  • Fruchtsaftgetränke, 
  • Limonaden, 
  • Brausen, 
  • künstliche Kaltgetränke und 
  • künstliche Heißgetränke. 
Darüber hinaus gibt es weitere Arten innovativer Erfrischungsgetränke, für die keine zusätzlichen Regelungen bestehen. Ihre Herstellung und Kennzeichnung richten sich stets nach den allgemeinen Vorschriften des deutschen und europäischen Lebensmittelrechts. Die Wirtschaftsvereinigung Alcoholfreie Getränke e.V hält die Leitsätze für Erfrischungsgetränke für nicht mehr zeitgemäß und weist darauf hin, daß die EG-Kommission der Bundesregierung bereits 1994 mitteilte, dass sie die Leitsätze für nicht vereinbar mit dem Gemeinschaftsrecht hält. 


In der Europäischen Union hingegen gibt es keine einheitlichen Kategorien von Erfrischungsgetränken. Wohl aber haben sich die in UNESDA, dem europäischen Dachverband der Erfrischungsgetränke-Industrie, organisierten nationalen Verbände der Erfrischungsgetränke-Industrie auf eine einheitliche gesamteuropäische Definition geeinigt. 


Aber, wenn wie vorgesehen Bier, Mineralwasser, Cola und Limonaden verpfandet werden, was ist dann mit Mischgetränken aus diesen Getränken und Getränken ohne Pfandpflicht, etwa Mischungen aus
  • Spirituosen und Cola (z.B. Jim Beam Cola in der Dose)
  • Spirituosen und Limonaden (z.B. Barcardi Riga)
  • Bier und Saft (etwa Banane + Bier oder Bier und Apfelsaft)
  • Wein und Wasser (Weinschorle)
  • Wein und Limonade (weinhaltige Getränke)
Wie werden Energiedrinks zugeordnet, etwa Red Bull, "functional drinks" wie Kampucha, Kräuterlimonaden wie Almdudler? Was ist mit solchen Getränken, die durch den Zusatz von Wasser vom Konsumenten selbst erst hergestellt werden (Brausepulver, Sirupe usw.)? Was ist mit solchen Getränken, die wie ein Getränk schmecken, für das die Pfandpflicht gilt, aber aus anderen Bestandteilen hergestellt werden, wie etwa das australische "Two Dogs Lemon Beer", auf der Basis von Zitronen und Hopfen gebraut?
 
Die Salzburger Nachrichten melden am 3. Januar 2003, Red Bull versuche, in Verhandlungen mit dem deutschen Umweltministerium eine Ausnahme zu erwirken. Denn Red Bull, so die Argumentation des Fuschler Konzerns, sei ein Energy Drink und kein kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk.
Auf eine diesbezügliche Anfrage beim Bundesumweltministerium erhielt ich, bezogen auf den Informationsstand des Referates für Öffentlichkeitsarbeit, zur Antwort: 
"die Dosenpfand-Verordnung ist auch in unserem Internetangebot noch nicht voll verfügbar. Generell veweise ich Sie jedoch darauf, daß das Pfand für alle kohlensäurehaltigen Getränke gelten soll. In Ihrer mail enthielten alle aufgezählten Beispiele zumindest teilweise Kohlensäure. Somit denke ich, daß alle Beispiele betroffen wären." 
Diese Antwort ist insoweit unbefriedigend als sie nicht näher darauf eingeht, was unter "Erfrischungsgetränken" im Sinne der Verordnung zu verstehen ist. Allein daß Kohlensäure enthalten ist, reicht zur Abgrenzung nicht aus, denn auch Sekt, Prosecco und Bier enthalten Kohlensäure.


Am 29. November hat das Bundesumweltministerium Fragen & Antworten zum Dosenpfand veröffentlicht. Danach seien Biermischgetränke wie Bier zu behandeln (also einwegpfandpflichtig), Mischgetränke mit Wein wie Wein (also nicht pfandpflichtig) also einwegpfandpflichtig, Mischgetränke mit Spirituosen aber nicht. Leider findet sich keine Ableitung aus dem Gesetezestext für diese Auffassung. Und ich kann z.B. Mischgetränke aus Bier und Alkohol wie "Bier mit Tequila" immer noch nicht einschätzen.


Auf dieser Seite wird bewußt verzichtet auf eine fundamentale Kritik am Konzept, eine Mehrwegquote zu sichern. Nur eine kurze Anmerkung mag ich mir nicht verkneifen: Die Mehrwegquote 
  • ist nicht das Resultat eines durch Ökobilanzen gesicherten Abwägungsprozesses,.
  • beruht auf dem Vorurteil der ökologischen Überlegenheit des Mehrwegsystems,
  • vernachlässigt, daß die relative Umweltbewertung von Verpackungsmethoden von den Konkurrenzmaterialien, der Transportentfernung, der Umlaufhäufigkeit der Mehrwegverpackungen und dem jeweiligen Entsorgungsweg abhängt,
  • stellt nicht sicher, daß die jeweils umweltverträglichste Verpackungsform zum Einsatz kommt.

Weiterführende Links

Startseite

 Aktualisiert am 1. Januar 2003

Be notified of page updates
it's private
 
powered by
ChangeDetection