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| Gasttyp: |
"Lebendes Inventar" |
Häufiger Gast |
Gelegenheitsgast |
| Durchschnittsbon: |
9,80 DM |
9,80 DM |
9,80 DM |
| Gaststättenbesuche
im Jahr (Frequenz): |
260 |
52 |
4 |
| Umsatz (Interaktionswertigkeit): |
2.548,00 DM |
509,60 DM |
39,20 DM |
| Mehrwersteuersatz: |
16% |
16% |
16% |
| Nettoumsatz: |
2.196,55 DM |
439,31 DM |
33,79 DM |
| Variable Kosten: |
50% |
50% |
50% |
| Deckungsbeitrag: |
1.098,28 DM |
219,66 DM |
16,90 DM |
| Jährliche
Fluktuation: |
12% |
12% |
12% |
| Deckungsbeitrag 1. Jahr: |
1.098,28 DM |
219,66 DM |
16,90 DM |
| Deckungsbeitrag 2. Jahr: |
966,48 DM |
193,30 DM |
14,87 DM |
| Deckungsbeitrag 3. Jahr: |
850,50 DM |
170,10 DM |
13,08 DM |
| Deckungsbeitrag 4. Jahr: |
748,44 DM |
149,69 DM |
11,51 DM |
| Deckungsbeitrag 5. Jahr: |
658,63 DM |
131,73 DM |
10,13 DM |
| Summe der Deckungsbeiträge: |
4.322,34 DM |
864,47 DM |
66,50 DM |
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Erläuterungen zu dieser Tabelle:
-
Der Durchschnittsbon wurde aktuellen Statistiken über den Außer-Haus-Verzehr
entnommen. (Siehe auch Werte für
die USA). Er berücksichtigt auch Umsätze im Fast-Food-Verzehr
und an Kiosken und in Metzgereien. In Restaurants liegt er in der Regel
etwas höher (wir verwenden
die Bezeichnung "Restaurants" nicht nur wie in Deutschland üblich
für gut bürgerliche und Gourmet-Restaurants sondern wie international
üblich für alle Speisegaststätten). Den Effekt,
daß Stammgäste häufig mehr konsumieren, weil sie ihrer
Gaststätte vertrauen, schneller bedient werden können, weil ihnen
das Angebot bekannt ist bzw. der Service weiß, was sie wünschen,
evtl. Rabatte bekommen, in der Regel schneller bestellen usw., lassen wir
dabei außer acht. Für den Bereich Mensen habe ich einen Wert
von 2,08 Euro gefunden (Quelle: http://www.kstw.de/KStW/Seitenframe/Presse/04%20Gastronomie.pdf).
In der Schweiz fiel der nationale Durchschnittsbon von 2000 auf 2001 um
4,6 Prozent auf 13,05 Schweizer Franken (Quelle: GastroSuisse).
Laut Essen und Trinken
Außerhaus, der laufenden Gaststudie von Marketinggold.
beläuft sich der nationale Durchschnittsbon am Mittag auf knapp 15
Schweizer Franken und am Abend auf knapp 25 Schweizer Franken.
-
Bei der Anzahl der Gaststättenbesuche wurde vereinfachend von folgenden
Frequenzen ausgegangen: 5 x in der Woche, 1 x in der Woche, 1 x im Quartal.
In einem Artikel der National Restaurant Organisation ("Americans'
Dining-Out Habits" vom November 2000) wird darauf hingewiesen, daß
die Anzahl der Außer-Haus-Verpflegungen stark vom Alter, aber auch
vom Einkommen und Geschlecht abhängt.
-
Der Umsatz, in diesem Zusammenhang auch als "Interaktionswertigkeit"
bezeichnet), ergibt sich als Produkt der Frequenz (Besuche pro Jahr)
und des Durchschnittsbons.
-
Die variablen Kosten umfassen vor allem den Wareneinsatz und den variablen
Teil der Personalkosten. Vereinfachend wurden 50% angenommmen. Insbesondere
die Aufteilung der Personalkosten in variabel und fix hängt stark
vom Zeithorizont und vom Entlohnungssystem ab. Kurzfristig, insbesondere
auf den einzelnen Tag bezogen, sind die Personalkosten überwiegend
fix, langfristig nur insoweit Personal nicht gekündigt werden kann
oder aus anderen Gründen ausscheidet (sog. natürliche Fluktuation).
Häufig wird auch ein Teil des Bedienungspersonal teilweise umsatzabhängig
entlohnt (Bücher zu den Themen Kostenrechnung
und Kalkulation).
-
Ein Erfahrungswert besagt, daß in jedem Monat etwa 1 Prozent der
Gäste aus dem Kundenkreis ausscheidet. Ursachen können neben
einer Unzufriedenheit mit dem Gastronomieobjekt sein: Tod, Wohnungswechsel,
Arbeitsplatzwechsel, Wechsel eines anderen sachlichen oder persönlichen
Bezugspunktes, in dessen Zusammenhang der Gaststättenbesuch erfolgt
wie Freizeitaktivitäten, Schulbesuch, Freundschaften zu anderen Gästen
oder Mitarbeitern. Einer Fluktuation von 12% entspricht eine sog.
Kundenbindungsrate
von 88% (100% minus Fluktuation). Der Kehrwert der Fluktuation ist die
Kundenhaltbarkeit, in unserem Falle also 1/12% ist gleich 100 Monate.
-
Bei der Berechnung des Wertes eines Gastes haben wir einerseits vereinfachend
auf die Abdiskontierung der erwarteteten Deckungsbeiträge
in den Folgejahren verzichtet und anderseits nur die ersten fünf Jahre
einbezogen. Wer die o.a. Tabelle mit eigenen oder alternativen Werten in
Excel 97 berechnen will, kann sich hier die XLS-Datei, aus welcher die
obige Tabelle konvertiert worden ist, downloaden.
-
Der Wert eines Gastes hängt auch von der erwarteten, wirtschaftlichen
Lebensdauer eines Objektes ab. Bei Objekten im Eigentum des Betreibers
ist der rechnerische Wert eines Stammgastes höher als bei Pachtbetrieben;
es lohnt sich also eher, in ein kundenfreundliches Verhalten zu "investieren".
Bei Pachtobjekten hängt der CLTV stark von der verbleibenden Dauer
des Pachtvertrages ab, wobei die rechtlichen
und tatsächlichen Möglichkeiten einer Pachtvertragsverlängerung
zu berücksichtigen sind. Es besteht nämlich die Gefahr, daß
der Verpächter den Wert der Stammgäste bei der Neufestsetzung
des Pachtzinses zu berücksichtigen versucht und der Pächter mit
einer höheren Pacht für den von ihm selbst geschaffenen Wert
bezahlen muß. Aus diesem Grund schließen
wir
grundsätzlich nur Pachtverträge ab mit einer Laufzeit von mindestens
zehn Jahren und möglichst einer Verlängerungsoption zu einer
Pachthöhe, die banchenüblich ist und den von uns geschaffenen
Wert der Stammgäste nicht berücksichtigt.
-
Die häufige Praxis insbesondere von Brauereien, Objekte nur für
die Dauer von fünf Jahren zu verpachten,
dürfte eine der Ursachen sein, warum viele Gastwirte zu wenig "in
Stammgäste investieren". Die durchschnittliche Restlaufzeit beträgt
in solchen Pachtverhältnissen nur 30 Monate; der Wert eines Stammgastes
sinkt auf 2/3 im Vergleich zu einer Pachtdauer von 10 Jahren und einer
durchschnittlichen Restlaufzeit von 5 Jahren.
-
Der Wert eines Gastes hängt zudem ab von der Lebensdauer des gastronomischen
Konzeptes. Konzepte können zum einen thematisch veralten oder
sie richten sich an demographische Gästegruppen, aus denen Gäste
schnell herauswachsen. So brauchen Konzepte,
die sich an Kinder oder Jugendliche wenden, eine ständigen Zustrom
neuer Gäste, genauso wie Konzepte, die etwa auf die Bewirtung von
Hochzeitsfeiern abzielen. Thematische Konzepte müssen sich ständig
um neue Attraktionen bemühen. Siehe dazu unsere Seite über Themen-
Restaurants.
Kundenbindung versus Kundentreue: was ist mehr wert?
In der Ausgabe Juli 2002 der englischsprachigen Harvard
Business Review legen Werner Reinartz und V. Kumar in ihrem Aufsatz
"The Mismanagement of Customer Loyalty" dar, daß die treuesten Kunden
nicht notwendigerweise die profitablesten sind. Sie stellen fest, daß
trotz des hohen Liedes auf die Kundentreue sich die Erzeugung von treuen
Kunden nicht auszahle. Die Autoren haben 16.000 Datensätze von Kunden
von vier Unternehmen ausgewertet (a U.S. high-tech corporate service provider,
a French retail food business, a U.S. mail order company, and a German
brokerage house). Aus Korrelationsanalysen von Kundentreue und Unternehmensgewinnen
schließen sie, daß der Zusammenhang von Kundenlebensdauer und
Unternehmensgewinne in allen Fällen schwach bis moderat sei.
Don Peppers und Marta Rogers (1to1.com) entgegnen in
einem Artikel "How
much are loyal customers really worth?", in der Tat seien Kundenloyalität
und Kundenprofitabilität zwei verschiedene Dinge. Treue Kunden seien
nicht notwendigerweise Kunden, mit denen man hohe Gewinne erziele, und
Kunden, mit denen man hohe Gewinne erziele, seien nicht notwendigerweise
treue Kunden. Der geringe statistische Zusammenhang zwischen Treue und
Profitabilität sei deshalb nicht erstaunlich. Beides seien unahbängige
Variable, von denen der Customer Lifetime Value abhänge. Das Problem
sei, daß Reinartz und Kumar Profitabilität und Treue verschiedener
Kunden an einem Zeitpunkt korrelieren würden, statt den Zusammenhang
beider Variablen für eine Kundengruppe über eine Zeitperiode
hinweg zu betrachten. Zu prüfen sei die Behauptung, ob Kunden, die
auf Dauer loyaler sind, profitabler werden als weniger loyale Kundengruppen.
Beispiele für stammgastorientierte Restaurants
Es gibt bisher recht wenige Restaurants, die es sich wie wir
explizit zum Ziel gesetzt haben, ihre Gäste "ein Leben lang" als Kunden
zu behalten:
-
Banaglio, Lubbeck/USA, weist bereits
auf der Homepage darauf hin: "Our aim is to make you customer for life.
With that in mind we have made significant enhancements and improvements
to our menu, dining room, services & Quality".
-
Kelsey's Restaurant, eine Pizzeria-Kette
im Raum Orlando, schreibt zu ihrer Firmenphilosophie:
"Kelsey's does
not rely on expensive print or electronic advertising to drive sales. It
thrives on a very personal, relationship-driven, community service-based
marketing approach, that works particularly well in small communities.
Immediately after establishing his first unit, Iltsopoulos joined Rotary
Club and met all the local town government and business leaders. He learned
that his genuine love of people made it natural to market on a personal
level by extending himself to all the local schools by sponsoring teams
and community events. "When locating in a sub-market, you are not a pea
in a pod," says Iltsopoulos. "You are a welcome addition to the community,
and through a concentrated effort to forge relationships and alliances
with community organizations, you are able to remove price competition
from the equation."
-
La Commedia, eine Pizzeria in Nürnberg.
Sie bietet ihren Gästen neben einer Restaurantzeitung einen Geburtstagsclub
und eine interaktive Website mit besonderen Features zur Kontaktpflege,
Online-Reservierungsmöglichkeit.
Burgess, Levin & Company ist ein
amerikanisches Beratungs- und Fortbildungsunternehmen, welches sich bemüht,
Unternehmen zu helfen, ihre Kundenorientierung zu verbessern. (z.B.: "
BLC designed a training program, People Who Care, for Giant Food's use
chain-wide in reinforcing its commitment to customer service. The effort
included a needs analysis involving both corporate and store-level personnel,
pilot deliveries of the customized workshops, and a Train-the-Trainer workshop
for training personnel and senior operating management, who then trained
others to deliver the program to store staff.")
Buchempfehlungen
-
Customer-Lifetime-Value-Management:
Kundenwert schaffen und erhoehen: Konzepte, Strategien, Praxisbeispiele.
Hrsg. v. Markus Hofmann u. Markus Mertiens. 2000.
-
W. Schmidt, S.H. Marzian: "Brennpunkt
Kundenwert". 2001
-
Kundenbindung
und Kundenwert von Manfred Krafft. Das Management von Kundenbeziehungen
wird zunehmend als kritischer Erfolgsfaktor gesehen. Allerdings mangelte
es bisher an einem verständlichen Überblick über Erkenntnisse
zu Kundenbindung und Kundenertragswert. Das Buch stellt zahlreiche Arbeiten
dazu im Überblick dar, beschreibt Ansätze der Praxis zur Messung
von Kundenlebenszeit und -wert und beleuchtet anhand umfangreicher empirischer
Analysen, wie Kundenlebenszeiten und deren Bestimmungsfaktoren identifiziert
werden können. Dabei zeigen die detaillierten Auswertungen, daß
der häufig unterstellte positive Zusammenhang von Kundenlebenszeit
und Kundenertragswert nicht bestätigt wird. Vielmehr gibt es große
Kundensegmente, die kurzlebig, und doch hoch profitabel sind. Das Buch
ist interessant für Wirtschaftswissenschaftler mit den Schwerpunkten
Marketing, Management und Controlling. Es wendet sich aber auch an Verkaufs-
und Marketingleiter, Controller und Praktiker der oberen Managementlehre.
-
Kundenwert.
Grundlagen - Innovative Konzepte - Praktische Umsetzungen von Bernd
Günter. In der Diskussion um Marketingtrends tauchen seit einiger
Zeit Begriffe wie Kundenbeziehungsmanagement, Kundennähe und Kundenbindung
vermehrt auf. Dies weist auf nichts anderes hin als auf einen grundsätzlichen
Paradigmenwechsel in der Absatzlehre. Der Kaufakt ist nicht mehr der Abschluß,
sondern der Beginn einer Kundenbeziehung respektive -bindung. Die weitreichenden
Konsequenzen dieser Entwicklung durchleuchtet dieses Buch in praxisnaher
Eindringlichkeit.
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Weiterführende Links
-
What is a
guest worth?, by Bill Marvin
-
Abseits.de: Zur Bedeutung der Häufigkeit des Gaststättenbesuchs
für eine auf Stammgäste ausgerichtete Gastronomie
-
Aina Keller: "Stammgäste", in der Fachzeitschrift "Küche"
vom 16. Oktober 2000.
-
Lutz Belting: Der
Wert eines Kunden - Möglichkeiten und Grenzen zur Bestimmung des Kundenwertes,
Hausarbeit bei bei Dr. Kristin Butzer-Strothmann und Dr. Thomas Platzek,
Vertiefungsfach Marketing, Sommersemester 1999, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie
Essen.
-
Americans'
Dining-Out Habits, in: Restaurants USA, November 2000.
-
The
Capital of Restaurant Spending, in: Restaurants USA, January 1998
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