Typische Vertriebskanäle lassen sich bilden durch den teilweise
Wegfall von Stationen. Ein Vertriebskanal ist etwa "Gastronomie
- Gast", also der Direktvertrieb: ein Reisender sucht sich selbst ein
Hotel sucht, fragt vielleicht auf gut Glück nach, ob gerade ein Zimmer
frei ist oder kehrt spontan in einem Restaurant ein. Neben den direkten
Vertriebskanäle gibt es indirekte Vertriebskanäle
über Mittler (Intermediäre).
In einer etwas anderen Terminologie spricht man von:
-
Anbietern bzw. Primärproduzenten (z.B. Hotels, Restaurants
usw.),
-
Reiseveranstaltern (auch als Package-Anbieter bezeichnet),
-
Reisebüros (Vermittler)
-
Tourist / Gast / Kunde.
Dabei wird das branchenübliche Zusammenspiel von Incoming- und Outgoing-Agenturen
vernachlässigt wie auch das Zusammenspiel des Anbieters mit einem
Intermediären am Ort der Leistungserstellung und dem reisenden Gast
und demjenigen, der die Reise (für ihn) organisiert.
Funktionen der Vetriebsstationen
Die Gastronomie kann ein Komplettanbieter sein, der Übernachtung,
Verpflegung und weitere Dienstleistungen wie Ausflüge, Stadtführungen,
Kinderbetreuung, kulturelle Veranstaltungen, einen Mietwagen, den Verleih
von Sportgeräten anbietet (z.B. ein Ferien-Camp), oder ein Teilanbieter,
der ergänzende Dienstleistungen zukauft, vermittelt oder kooperativ
mit anderen Teilanbietern anbietet. Beispiele:
-
Ein Restaurant, daß ausschließlich Verpflegung anbietet, kann
Hotels garni, Stadtführer und den lokalen Tourismus-Service empfehlen
und sich von diesen komplementären Anbietern empfehlen lassen.
-
Die "1. Familienalm Südtirols"
bietet ein reichhaltiges Angebot an Freizeitmöglichkeiten, z.B. einem
Hochseilgarten,
Online-Panorama-Ansichten, einen aktuellen Weintipp, Rezepturen für
die Eltern und einer Kinderskischule, Schwimmakademie, Reiten und vielem
mehr für die Kleinen und Großen. Diese Angebote sind teils selbst
produziert, teils von Partnern.
Der lokale Tourismusservice am Ort der Gastronomie kann ein gewerbliches
Unternehmen sein, ein Fremdenverkehrsamt, eine Vereinigung von Gastronomen
oder er arbeitet in privatrechtlicher Form ohne Gewinnerzielungsabsicht.
Er kann Dienstleistungen selbst anbieten (z.B. Stadtführer anstellen,
Speisen und Übernachtungen einkaufen) oder vermitteln. Er wirbt mit
Verzeichnisse lokaler Gastronomen, Prospekten einer Region oder einer Stadt,
bündelt isolierte Leistungen und Veranstaltungen zu thematischen Angeboten.
Ein Beispiel ist der Tourismus
& Kongreß Service Bamberg.
Überörtliche Reiseveranstalter ("Incoming") organisieren
z.B. für Gäste aus Übersee nationale oder europaweite Reise
über mehrere Orte und Landesgrenzen hinweg und bündeln die Leistungen
nationaler Veranstalter, lokaler Tourismusservices oder auch von Gastronomen.
Ein Beispiel ist Shibam Tours,
eine Incoming-Reiseagentur für den Jemen. Zwischen den lokalen Intermediären
und solchen überörtlichen Reiseveranstaltern, die länderübergreifend
bündeln, stehen oft regionale Fremdenverkehrsverbände, die ortsübergreifend
Angebote einer Region oder eines (Bundes-)Landes anbieten. Ein zweites
Beispiel ist eine Liste
von Incoming-Agenturen für die baltischen Staaten.
Überörtliche Reiseveranstalter ("Outgoing") sammeln
Buchungen direkt von Gästen oder über Reiseorganisatoren, um
auf wirtschaftlich vernünftige Gruppengrößen zu kommen,
kümmern sich um den Gästetransport (evtl. auch nur von Sammelstellen
bis zu Verteilstellen im Ausland) und kooperieren mit überörtlichen
Reiseveranstaltern ("Incoming"), z.B. bei einer Europa-Reise in verschiedenen
Ländern. Ein Beispiel ist GeBeCo
aus Kiel, ein großer Outgoing-Reiseveranstalter für deutsche
Touristen
nach China und weitere Länder.
Reiseorganisatoren bündeln die Nachfrage von Reisenden.
Sie kümmern sich vor allem um die Acquisition von Reiseteilnehmern
und die Fakturierung. Sie erstellen eigene Prospekte oder verwenden solche
der verlagerten Stufen, sie inserieren, organisieren den Transfer zum Flughafen
usw., manchmal betreuen sie auch die Reisenden während der ganzen
Reise (Reisebegleitung). Es handelt sich meist um Reisebüros,
aber auch um Vereine, Schulklassen und Reise-Abteilungen in größeren
Unternehmen ("selbstorganisierte Reisen").
Inwiefern erweitert das Internet die Möglichkeiten
der Vertriebsstationen?
Die Gastronomie, zumindest die Individualgastronomie, ist offline
kaum in der Lage, potentielle Gäste in anderen Regionen anzusprechen,
denn den hohen Grenzkosten großer Reichweiten stehen die zu geringen
Erträge von Zufallstreffern gegenüber. Im Internet hingegen sind
die Grenzkosten einer Präsentation des eigenen Unternehmens praktisch
null (genauer gesagt: ca. 15 Euro je Gigabyte Datentransfer). Gäste
aus aller Welt können Informationen über das lokale gastronomische
Angebot finden. Diese Gäste wünschen ein komplettierbares Angebot,
wenigstens Links zu weiteren Anbietern, besser noch die Beratung eines
vertrauensvollen Anbieters auch über ergänzende Angebote. Gastronomen,
denen es gelingt durch eine professionelle Website und eine schnelle Reaktion
per E-Mail oder realtime per Messenge oder ein Call-Center, Vertrauen zu
schaffen, können in die Rolle eines intermediären Anbieters schlüpfen,
also eine vermittelnde Funktion wahrnehmen, die meistens von den Tourismus-Services
wahrgenommen wird. So werden wir oft per E-Mail um Angebote über Übernachtungsmöglichkeiten
gebeten oder gar um Vorschläge für komplette, mehrtägige
Betriebsausflüge mit der Begründung, man haben den Eindruck gewonnen,
wir würden uns im Raum Bamberg auskennen, oder von Ausländern,
die der deutschen Sprache nicht so gut mächtig sind, daß sie
selbständig den Weg zu den Möglichkeiten finden, in Bamberg online
ein Hotel zu reservieren.
Der lokale Tourismusservice ist für diese vertrauensvolle
Beratung prädestiniert, da wohl überall auf der Welt solche Stellen
existieren, von denen man annimmt, daß sie Gäste nicht übervorteilen
und über die lokalen Anbieter objektiv beraten. Aber ihre Monopolstellung,
die Unterstützung durch Gebietskörperschaften und ihre meist
zentralen Standorte am Rande der Touristenpfade verlieren durch das Internet
an Bedeutung. Verstärkt wird dieser Bedeutungsverlust durch den zeitgemäßen,
aber insoweit kontraproduktiven Verzicht auf eine offizielle Anmutung ("Fremdenverkehrsamt").
Was ihnen online bleibt, ist, daß sie als Teil der quasi hoheitlichen
Domain Stadtname.de auftreten dürfen, von dieser Domain kostenlosen
Traffic erhalten und möglicherweise gerne von anderen Sites verlinkt
werden. Die spezifischen Möglichkeiten des Internetmarketings werden
meist jedoch kaum genutzt.
Die Arbeit der überörtlichen Reiseveranstalter ("Incoming"
und "Outgoing") ist durch das Internet kostengünstiger zu erledigen.
Aber sie werden ihre intermediäre Rolle nur behaupten können,
wenn sie in der Lage sind, die jedermann im Internet zugänglichen,
aber nicht verifizierten Informationen mit den Erfahrungen bei wirklichen
Reisen zu vergleichen und sie zu bewerten. Sie werden sich deshalb auf
solche Reisenden konzentrieren müssen, die den Service einer gut organisierten
Reise schätzen und dafür zu zahlen bereit sind. Grand
Circle Travel hat z.B. Amerikaner ab 50 Jahren als als Zielgruppe und
bietet spezielle Senioren-Reise-Programme an. Jede Reise ist verschieden,
jede legt Wert auf excellenten Wert, eine große Auswahl, Flexibilität
und spezielle Aktivitäten, die jede Reise zu einem Abenteuer des Lernens
und der Entdeckung werden läßt. Grand Circle Travel beschäftigt
mehr als 360 Mitarbeiter weltweit mit profunden Kenntnissen der Zielregionen.
Reisebüros begegnen der Internet-Offensive der unmittelbaren
Anbieter touristischer Leistungen in vielen Fällen dadurch, daß
sie begonnen haben, selbst Tickets über das Netz zu verkaufen. Durch
die Möglichkeit, Preise verschiedener unmittelbarerer Leistungserbringer
vergleichbar zu machen und Leistungskomponenten unterschiedlicher unmittelbarer
Anbieter zu bündeln, können die Reisemittler das Internetangebot
der Leistungserbringer möglicherweise übertreffen. Reisende,
die ihre Reise selbst organisieren wollen, wären gezwungen, vergleichbare
Bündel selbst zu schnüren. Häufig mangelt es ihnen an dem
dafür notwendigen Wissen und der Marktmacht, günstige Einkaufspreise
durchzusetzen.
Aktuelle,
detailreiche und vertrauenswürdige Informationen und Bewertungen gewinnen
an Bedeutung und bedrohen die Existenz der Vermittler. Der überragender
Erfolg der "travel survival kits" vom Verlag
Lonely Planet mit ihrer Masse an vor Ort überprüften Informationen
aber auch von Websites, die einen Austausch von Erfahrungen zwischen Reisenden
erlauben, sind ein Indiz dafür.
Reiseorganisatoren können im Internet die Zwischenhändler
aussparen:
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Unternehmen können z.B. die Dienstreisen ihrer Mitarbeiter selbst
buchen und die Reisekosten automatisch erstellen lassen und in die Finanzbuchhaltung
übernehmen (siehe z.B. den Workflow
der Software SAP Human Research works).
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Ehrenamtlichen Organisatoren, mit der Durchführung von Vereinsreisen
beauftragte Mitgliedern aber auch Lehrern wird durch das Internet die Organisation
von Reisen erleichtert, auch wenn spezielle Tools oder Websites, die die
notwendigen Organisationsaufgaben unterstützen, noch fehlen (soweit
mir bekannt ist). Stattdessen haben sich einzelne Reisebüros auf Klassenfahrten
spezialisiert und damit ein Marktsegment, welches sich früher fast
ausschließlich selbst organisiert hat, kommerzialisert, so Jupiter
Tours und GTITours.
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