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Brauerei-Sterben
Der mangelnde Wettbewerb um gebundene Gastronomen ist eine der Ursachen
der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit deutscher
Brauereien und ihres sich beschleunigenden Niederganges (sog. "Brauereisterben").
Nicht nur, daß viele Brauereien ihre gebundenen Gastwirte rüde
wie Leibeigene behandeln statt als Kunden, sie erlernen damit auch Verhaltensweisen,
mit denen sie im freien Wettbewerb keine Chance haben.
Preiserhöhungen, wie
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die des Getränkekonzerns Brau
und Brunnen AG Mitte Januar 1999 um 8 bis 10%,
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eine abgesprochene Preiserhöhung fast aller deutschen Brauereien im
Sommer 2000,
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der Versuch einiger Brauereien, die Euro-Einführung rechtswidrig zu
einer Preiserhöhung ("Euro-Glättung") zu nutzen und
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die für Anfang oder Frühjahr 2002 angekündigte und aufeinander
abgestimmte Preiserhöhung diverser Fernsehbiere (bei der das Bundeskartellamt
vermutlich wieder einmal tatenlos zusehen wird)
treffen in der Regel nur Gastronomen mit einer Bezugsverpflichtung
(bei Faßbier werden ca. 60% über gebundene Objekte abgesetzt).
Auf dem freien Markt sind solche Erhöhungen angesichts eines stark
rückläufigen Verbrauchs an Bier (in den Gaststätten minus
20% von 1994 bis 1998) kaum durchsetzbar.
Die Schere zwischen den von den Brauereien geforderten Listenpreisen
("Ganterpreise") und den tatsächlich
von freien Käufern bezahlten Preisen nimmt also weiter zu. Vor diesem
Hintergrund verwundert es nicht, wenn viele Gastronomen ihr Bier nicht
über die von den Brauereien geplanten Vertriebswege beziehen sondern
sich nach Einkaufsquellen umsehen, wo ihnen marktübliche Preise angeboten
werden. Fernsehbiere gibt es im Einzelhandel bereits für 16,60 DM
(incl. Mehrwertsteuer!) sowohl für den Kasten von 20 x 0,5 Liter als
auch 24 x 0,33 Liter. Da spart ein Gastronom mehr als 150 DM, wenn er zehn
Kästen Bier über diesen Beschaffungsweg bezieht. Einige Kollegen
haben dabei die Erfahrung gemacht, daß Gäste Flaschenbier akzeptieren
(siehe den Artikel "Wirte planen "Beethoven Brauerei Bonn" von Rolf
Kleinfeld im "Bonner Generalanzeiger" vom 21.01.1999 über einen "Faßbier-Streik"
Bonner Gastronomen). Zudem wird geschätzt, dass es sich
bei rund 20 Prozent aller in der Gastronomie ausgeschenkten angeblichen
Marken-Getränke tatsächlich um auf dem Graumarkt beschaffte Billig-Biere
handelt. (Quelle: Hopfen
und Malz beim Bier verloren, in: Tagesspiegel vom 7. Januar 2002). |
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Ursache dieser ordnungspolitisch untragbaren Verhältnisse ist,
daß die Interessen der vielen kleinen Gastronomen aber auch ihrer
Gäste im politischen System der Bundesrepublik und der Europäischen
Union kaum Berücksichtigung finden. Die Getränkekonzerne konnten
- wie auch die Mineralölindustrie mit ihren gebundenen Tankstellen
- durchsetzen, daß die Bezugsverpflichtungsverträge,
die eher an feudalistische, mittelalterliche Verhältnisse der Leibeigenschaft
erinnern, trotz widersprechender Grundsätze des Kartellrechts, weiterhin
zulässig sind. Dies zeigt sich auch in einer zynischen Entscheidung
der EU-Kommission, in welcher die Ausbeutung gebundener Gastronomen gar
in einen Vorteil für den Verbraucher gewendet wird:
"Zu den allgemeinen Vorteilen von Pachtvertraegen mit Bindungsklauseln
sei auf den Erwaegungsgrund 16 der Verordnung (EWG) Nr. 1984/83 verwiesen:
'Den Verbrauchern kommen die ... Verbesserungen insbesondere dadurch zugute,
dass ihre Versorgung mit Waren von zufriedenstellender Qualitaet gewaehrleistet
wird, wobei sie zwischen Erzeugnissen verschiedener Hersteller waehlen
koennen'.... Darueber hinaus bieten Pachtbetriebe den Brauereien
einen Anreiz, um in Lokale, die fuer die Eigenbewirtschaftung zu klein
sind, neu bzw. weiter zu investieren. Das Vertragssystem traegt somit zum
Erhalt von Schankwirtschaften bei, die unter anderen Umstaenden vielleicht
schliessen muessten und als Investitionsobjekt fuer S& N und/oder den
Paechter uninteressant wuerden. Die staendige Anwesenheit solcher Lokale
und/oder die staendige Verbesserung von Einrichtungen dank entsprechender
Investitionen sind ein klarer Vorteil fuer den Verbraucher. Es liegt auf
der Hand, dass die Pachtvertraege einer bestimmten Brauerei nur dann zu
diesem Vorteil beitragen, wenn der langfristige Betrieb der Lokale nicht
in Frage gestellt wird. Mit anderen Worten: Sofern Preisnachteile gegeben
sind, werden sie durch andere besondere Vorteile aufgewogen."
Entscheidung
der EU-Kommission vom 16. Juni 1999 in einem Verfahren nach Artikel 81
EG-Vertrag (Sache IV/35.992/F3 - Scottish and Newcastle) (Bekanntgegeben
unter Aktenzeichen K(1999) 1474) |
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Das durchschnittliche Finanzierungsvorlumen pro Gaststätte seitens
der Brauwirtschaft beläuft sich auf 81.000 DM, die durchschnittliche
Laufzeit etwas über 10 Jahre. Dazu kommen nicht unerhebliche Finanzierungen
des Getränkefachgroßhandels, entweder
in gemeinsamem Engagement mit den Brauereien oder allein. Allein bei den
Brauereien entstehen aufgrund zu optimistischer Umsatzschätzungen
bei den einzelnen gastronomischen Objekten Finanzierungsausfälle
von bis zu 480 Millionen DM pro Jahr. Daß Existenzgründer,
wenn sie den vorlauten Umsatzschätzungen der Außendienstmitarbeiter
der Brauereien für angebotene Objekte Glauben schenken, in den Konkurs
verführt werden, ist leicht nachvollziehbar. Im Vergleich dazu geben
die Brauereien etwa 840 Millionen DM für klassische Werbung aus und
etwa einen gleich hohen Betrag für Sponsoring (vergleiche eine Studie
von Roland Berger, wiedergegeben in der Zeitschrift NGZ vom 8.3.98, Seite
50 ff.) 1999 gingen diese Ausgaben um fast 12% zurück. Vergleiche
auch Angaben über die Fluktuation
in der deutschen Gastronomie. |
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Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs bei stark abnehmenden
Absatzmengen wird der Grad der Auspressung der gebundenen Gastwirte
sogar noch erhöht. Diesen geschundenen Gastronomen fehlen in Folge
die finanziellen Mittel, ihre Gaststätten zu modernisieren, die Objekte
verelenden, die Standorte verlieren an Wert. Im Grunde leben diese Brauereien,
anstatt ihre betriebswirtschaftlichen Hausaufgaben zu machen, von ihrer
Immobliensubstanz,
die sie auszehren, bis die Objekte so heruntergewirtschaftet sind, daß
sie nur noch verramscht werden können und im Konkursfalle oft genug
auch verschleudert werden müssen. Wobei es die gescheiteren unter
den scheiternden Brauereien vorziehen, die Immobilien vor der Pleite oder
dem Verkauf oder der Schließung der Brauerei in Immobilien-Verwaltungsgesellschaften
oder ins Privatvermögen abzusondern. Nach Berechnungen der Roland
Berger & Partner GmbH könnten die deutschen Bierbrauer alleine
mit ihrer nicht genutzten Kapazität von 56 Millionen Hektolitern die
Bierproduktion Frankreichs, Spaniens und Italiens ersetzen. |
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Der Erfolg der Weißbierbrauereien in den letzten Jahren
ist so nicht nur veränderten Verbrauchsgewohnheiten geschuldet, sondern
auch der Tatsache, daß diese Brauereien, weil sie außerhalb
ihres Kerngebietes im Vertriebsweg gebundene Gastronomie kaum vertreten
gewesen sind, gelernt haben, Gastwirte als Kunden zu behandeln. |
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Ausländische Brauereien profitieren
Deshalb setzen clevere ausländische Brauereien
im Außendienst ganz bewußt nicht den typischen Brauerei-Außendienstmitarbeiter
ein sondern eher Vertriebspartner und -systeme wie die Spirituosen- oder
Mineralwasserhersteller. Sie werden allen Durchhalteparolen der deutschen
Brauer zum Trotz manche deutsche Brauerei vom Markt fegen, ehe diese den
beliebten Spruch, daß ausländisches Bier in Deutschland keine
Chance habe, dreimal wiederholen können.
Fraglich ist nur noch, welche der ausländischen Großbrauereien
wie die niederländische Heineken,
die belgische Interbrew, die Southafrican
Breweries oder die amerikanischen Anheuser-Busch
oder Miller sich an Übernahmekandidaten
wie der ..... weiden werden (aus rechtlichen Gründen habe ich den
Namen weggelassen und mir stattdessen lieber Aktien dieser Brauerei gekauft,
auch wenn ich deren Bier überhaupt nicht leiden mag). (Nachtrag vom
Februar 2001: gemeint habe ich damit nicht die Schörghuber-Gruppe,
in die sich Heineken nunmehr festgebissen
hat. Nachtrag vom Juli bzw. August 2001: und auch nicht Diebels
und Becks, die von Interbrew übernommen
worden sind. Daß die anderen internationalen Konzerne nachziehen
werden, sobald der erste Schritt getan worden ist, wird allgemein vermutet.
So steht der zweitgrößte US-Brauer Miller
(Teil des Philip-Morris-Konzern) in Form einer Vertriebsallianz mit der
Warsteiner
Brauerei (5% Marktanteil) auf dem deutschen Markt Gewehr bei Fuß.
Die Fusion dieser Branchenriesen kann allenfalls durch wettbewerbsrechtliche
Einsprüche und Auflagen behindert werden, wie zuletzt die geplante
Fussion zwischen Interbrew und Bass.
Im November 2002 ging die Mehrheit der Hannoveraner Gilde-Brauerei
(u.a. mit der Marke Hasseröder)
an die Interbrew (vorbehaltlich des Ausgangs eines Rechtsstreites, mit
dem der Stadt Hannover den Verkauf der Mehrheit an die Interbrew unterbinden
will).
Einige altvorderen Branchenvertreter sehen die Zukunft der Brauereien
anders, so etwa:
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Ausländische Brauereien profilieren sich auch durch eine besondere
Berücksichtigung der Bedürfnisse der Gastronomie in ihren Marketing-Anstrengungen.
Dies zeigt sich auch an einem erheblich höheren Gastronomie-Anteil
von z.B. mehr als 50% bei Heineken im Vergleich zu weniger als 20% bei
der typischen deutschen Brauerei (siehe hierzu auch das Interview "Heineken
pflegt auch das Lokale" von Martin Sinzig mit Willem C.A. Hosang, Chef
von Heineken Switzerland, im GastroJournal
06/20001) |
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Wer hat Chancen in der Konsolidierung?
Das Beratungsunternehmen Roland Berger räumte 1997 drei Gruppen von
Brauereien die größten Chancen im Verdrängungswettbewerb
ein:
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den nationalen Verdrängern (wie etwa Holsten
und Bitburger),
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den regionalen Konsolidierern (ein Versuch in dieser Richtung stellt
die Übernahme von Henninger durch Binding dar; beide zusammen hatten
einen Absatzrückgang von 30% in den letzten drei Jahren. Henninger
wird in der Zukunft von Bindung gebraut. Die Konsolidierung wird meist
durch die Kosten von Sozialplänen für nicht mehr überzählige
Mitarbeiter und hohen zukünftigen Aufwendungen für Pensionen
erschwert). Bereits vor ein paar Jahren hat man unter dem neuen Namen Kulmbacher
mehrere Traditionsmarken aus Kulmbach zusammengeführt. Die Konzerntochter
"Kölner Verbund Brauereien" der Dortmunder Brau und Brunnen AG produziert
in ihrer Betriebssstätte in Köln-Mülheim die Kölsch-Marken
Gilden, Sion, Sester, Kurfürsten und Römer, ab 2004 auch Küppers,
das derzeit noch an der Alteburger Straße in der Südstadt gebraut
wird, und Kölner Wieß, die als Abwehrwaffe gegen süddeutsche
Weizenbiere positioniert ist. Sion ist dabei als hochpreisige Premiummarke
mit bundesweiter Distribution platziert. Gilden ist eine Konsummarke im
oberen Preisbereich dieses Segments, Küppers ist etwas preisgünstiger,
während Sester das untere Preissegment bedient. Kurfürsten ist
besonders in Bonn gut vertreten. Römer wird ausschließlich bei
Aldi vertrieben.
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den Spezialisten (wie etwa der Köstritzer
Schwarzbierbrauerei, Schneider
Weissbierbrauerei,
Schlenkerla,
Karlsberg,
Klosterbrauerei
Andechs, die Beispiele in diesem Absatz stammen von mir, nicht von
Roland Berger). Bei den Spezialisten, so Berger, komme es auf die konsequente
Besetzung einer einmal errungenen
Nischenposition sowie auf besondere
Kreativität
an. Z.B. hat sich die Bamberger Kaiserdom-Privatbrauerei
auf spezielle Services im Bereich der Lohnabfüllerei eingestellt und
exportiert in mehr als 25 Ländern mit Lizenzproduktionen in Schweden
und China und Spezialprodukten wie koscheres Bier und alkoholfreies Bier
mit 0,0 % vol. alc. für den Export in islamische Staaten wie Ägypten
und Saudi-Arabien. Daß Heineken laut einer Meldung "Heineken
steigt bei Karlsberg ein" der Lebensmittel-Zeitung Online vom 4. Juni
2002 ausgerechnet bei Karlsberg eingestiegen ist, ist ein Indiz, daß
diese Einschätzung von anderen geteilt wird.
Unter den Spezialisten finden sich sowohl traditionsbetonende Brauereien,
die in ihrer Produktphilosphie eher konservativ sind, als auch produktinnovative
Brauereien wie Karlsberg. Siehe dazu auch das Organigramm
des Karlsberg-Verbundes, das die Fähigkeit und Bereitschaft dieses
Unternehmens zu Produktinnovationen widerspiegelt, die traditionelle Abschottung
zwischen Brauerein, Saftherstellern und Mineralbrunnen zu durchbrechen.
Andere Brauereien haben zwar auch Mineralbrunnen integriert, aber nur um
sinkende Bierumsätze zu kompensieren und ihre Logistik auszulasten.
Viele mittelgroße, lokale und regionale Biermarken
hingegen befinden sich in einer Sandwich-Position zwischen Premium-Marken
und Billigproduzenten..
Herr Doktor, ich muß lachen,
Der Handel geht nicht an,
Wenn er nur Bier thät machen,
Daß mans blos trinken kann,
Das wollen wir halt hoffen,
Im Wasser gehts nicht zu Grund,
Das Bier wär längst versoffen,
Wenn es nicht schwimmen kunnt.
aus: Braunbier,
braunisch kurirt,
in: Des Knaben Wunderhorn, alte deutsche Lieder
gesammelt von Arnim und Clemens Brentano |
Ungenutzte Rationalisierungspotentiale
Brauereien werden nur überleben, wenn es ihnen gelingt, vielfach bisher
unterlassene Rationalisierungspotentiale auszuschöpfen und Arbeitsabläufe
effizienter zu gestalten:
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Konzentration auf Marken, für die ein ausreichendes Marketingbudget
verfügbar ist bzw. erwirtschaftet werden kann.
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Straffung des Sortiments durch weniger Gebindevielfalt und Verzicht
auf Nebensortimente.
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Schließlung unrentabler Braustätten.
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Kooperation beim Einkauf und in der Logistik (etwa bei der Sortierung
von Leergut, dem Einkauf von Rohstoffen).
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Höhere Gewichtung der Werbung am Point of Sale. Siehe etwa
Jägermeister
in den USA, wo auf Werbung in den Massenmedien zugunsten von Gastronomie-Promotions
völlig verzichtet wird (wie Jägermeister Band Program, Jägermeister
Music Tour, Jägermeister sponsert mehr als 115 Band, die in Bars und
Clubs auftreten).
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Kanalspezifischer Vertriebsaußendienst und Promotions. Insbesondere
wenn das Marketing durch externe Agenturen gemacht wird, verausgaben diese
lieber Etats in Medienwerbung (die sie kennen und von deren Provisionen
sie leben) als sich der Mühsal zu unterziehen, für die verschiedenen
Kanäle differenzierte Point-of-Sale-Kampagnen zu entwickeln und durchzuführen.
So hat eine bekannte Kulmbacher Brauerei vor Jahren ein Firmenjubiläum
nur im Handel gefeiert und Aktionen in ihrer Gastronomie "vergessen".
-
Zentralisierung oder Outsourcing von administrativen Tätigkeiten
wie Finanz- und Lohnbuchhaltung, aber auch von Bau-. und Reparaturdienstleistungen
und Fuhrpark. In diesem Zusammenhang - wie auch als Versuch, Wettbewerber
aus dem Vertriebskanal Getränkefachgroßhandel
zu drängen - sind auch Versuche zu sehen, den
Fachgroßhandel vertikal zu integrieren.
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Abbau von Hierarchiestufen im Verkaufsaußendienst und -innendienst,
Fokussierung
auf das eigentliche Verkaufsgeschäft, Stärkung des Telefongeschäfts,
Einsatz von Callcentern und E-Commerce zur Abwicklung von administrativen
und logistischen Arbeiten. Siehe etwa "Veltins
braut flexiblere Berichte. Neues Reportingsystem für den Vertrieb
auf Basis von Cognos" von Birgitt Loderhose, in: Lebensmittel-Zeitung
vom 18. April 2002.
-
Key Account-Management, Rating von Kunden, verbessertes Kreditmanagement
zum Abbau von Zahlungsausfällen. Die Warsteiner Brauerei hat z.B.
laut einer Meldung
der Lebensmittel-Zeitung vom 23. August 2001 ihre Verkaufsorganisation
für die Gastronomie in Erwartung struktureller Veränderungen
in Richtung "Filialisierung von Gastronomiebetrieben" neu aufgestellt und
ein übergreifendes Key Account geschaffen, organisatorisch von der
Feldorganisation (Gebietsverkaufsleitern) getrennt. Brau und Brunnen plant
eine Zusammenfassung des Key Account-Managements aller Marken im Handelsbereich,
siehe: "Brau
und Brunnen stellt Weichen im Vertrieb neu", in: Lebenmittelzeitung
vom 24. Oktober 2002.
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Aufbau von Informationssystemen, welche die Analyse, Planung und
Prognose des Absatzes über alle direkten und indirekten Distributionskanäle
erlauben. Damit können z.B. Lücken im Distributionsnetz erkannt
werden oder die in Jahresgesprächen getroffenen Vereinbarungen überprüft
werden. Siehe dazu "Warsteiner
zapft Absatzinfos", in: Lebensmittel-Zeitung vom 13. Junil 2002.
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Einführung von E-Procurement / Kosten sparen im Einkauf. Warsteiner
hat z.B. im Januar 2002 die elektronische Beschaffung mit eines System
von SAP/Wallmedien gestartet (Quelle: Pressemitteilung
von Wallmedien vom 13. September 2002).
Die Brauereien als Gastronomen?
Im August 2001 wurde Becks vom Global
Player Interbrew übernommen.
Interbrew ist über eine 80%ige Beteiligung an Diebels
auch an der DGG Diebels Gastronomiegesellschaft mit 22 Diebels Fasskeller-Betrieben
und über die Bass Brewery auch an den 32 Betrieben der Alex-Kette
beteiligt. Mit dem Ausverkauf deutscher Brauereien beginnt vielleicht auch
in Deutschland der Einstieg der Brauwirtschaft in die bierorientierte Gastronomie
und die Entstehung großer Kneipen-Ketten nach dem Vorbild etwa von
J.D.
Wetherspoon in Großbritannien (mit einem Wachstum von einhundert
Objekten pro Jahr) oder Belgo
Restaurants & Bierodrome.
Exportoffensive?
Im Vergleich etwa zu den niederländischen, aber auch belgischen Brauereien
ist die Exportquote deutscher Biere mit knapp 10 Prozent lächerlich
niedrig. Mit verantwortlich ist dafür neben defenisivem, um nicht
zu sagen: feigem Management, auch die Tatsache, daß viele Jahre lang
vor allem Pilsbrauereien innnerhalb Deutschlands zugelegt und Geld verdient
haben. Ausnahmen sind Hefeweißbrauereien wie Erdinger, Schneider
und Paulaner gewesen, die mehr oder weniger offensiv den Export angekurbelt
haben, oftmals aber nur den deutschen Touristen gefolgt sind statt ausländische
Märkte komplett zu erschließen.
In den letzten Jahren besinnen sich aber auch kleine und mittlere Brauereien
darauf, ihre Bierspezialitäten wie dunkle und Schwarzbiere, Bockbiere
usw. international zu vermarkten. Teilweise über das Internet,
z.B. über beerculture.com,
ein Schweizer Bierspezialtätenversandhändler. Aber auch durch
kooperative
Teilnahme an Biermessen, deren Beschickung für die einzelne Brauerei
zu teuer käme. So präsentieren oberfränkische Bierbrauer
sich auf einem Gemeinschaftsstand der "Expo dei Sapori", einer Aussstellung
für Wein. und Feinkostspezialitäten vom 14. bis 19. November
2002 in Mailand, um den Einstieg in den nord-italienischen Markt zu finden
und Vertriebswege nach Italien aufzubauen. An dieser Koooperation beteiligen
sich:
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Ahornberger Landbrauerei, Konradsreuth,
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Beck Bräu OHG, Lisberg / Trabelsdorf,
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Kaiserbräu, Kronach
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Langbräu OHG, Wunsiedel– Schönbrunn
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Mahrsbräu, Bamberg
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Brauerei Special, Bamberg
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Schloßbrauerei Stelzer, Oberkotzau / Fattigau
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Schloßbrauerei Reckendorf, Reckendorf
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Weiterführende Links
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Abseits.de: Linksammlung Alle Brauereien Online.
-
Abseits.de: Bier-Abnahmepreise in der Gastronomie.
-
Abseits.de: Risiken beim Abschluß eines
Pachtvertrages.
-
Abseits.de: Wie wir entscheiden,
welche Biere im Café Abseits ausgeschenkt werden.
-
Biermarkt-Studie
der Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg.
-
Stefan Beyer: "Erfolg
ist eine Frage der Strategie“. Bei Schneider Weisse hält Sohn
Georg VI. inzwischen 97 Prozent des Unternehmens, in: Die Welt Online vom
03.03.01.
-
ifo-Institut: "Bierlieferungsverträge
in den neuen EU-Mitgliedstaaten Österreich, Schweden und Finnland".
1996. (PDF-Dokument).
Studie im Auftrag der Europäischen Kommission, Wettbewerb.
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Round-table-Gespräch: Vertreter von Feldschlösschen,
Calanda-Haldengut, Eichhof, Brauerei Locher, Brauerei Baar, Actienbrauerei,
Brauerei Falken und «Unser Bier» am runden Tisch: Wie
viel Heimat braucht Bier? in: Schweizer Gastronomie, Zürich, vom
19. November 1999, Nr. 46.
-
Graphik: "Umsatz mit Getränken",
von Österreichische Gastronomie-Zeitung. Änderungen des Anteils
von Getränkegruppen von 1996 auf 1999.
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Graphik "Gründe
für den Umsatzrückgang", von: Österreichische Gastronomie-Zeitung.
-
Udo Rau: Karlsberg-Verbund:
Neue Strategie, in: Saarbrücker Zeitung vom 11.07.2001.
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Hopfen
und Malz beim Bier verloren, in: Tagesspiegel vom 7. Januar 2002.
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Beschluß
des Bundeskartellamtes (PDF), Beschlußabteilung 2 - 15963 - U
- 8/00, Beschluß zu dem dem Verwaltungsverfahren 1. Holsten-Brauerei
AG, Hamburg 2. König-Brauerei GmbH & Co. Kommanditgesellschaft,
Duisburg, vom 26. April 2000.
-
Heineken
steigt bei Karlsberg ein, in: Lebensmittel-Zeitung Online vom 4. Juni
2002.
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Die
Brauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen (PDF), ICA Consult GmbH, vom
26. September 2000.
Bücher
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