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Bierabnahmepreise in der Gastronomie
 

Bierabnahmepreise in der Gastronomie

Ein erheblicher Teil der deutschen Brauindustrie vertreibt sein Faßbier "ab Rampe" über den Getränkefachgroßhandel (sogenannte "A"-Händler) in die Gastronomie. Zwischen den Getränkefachgroßhandel und der Gastronomie treten häufig zusätzliche "Bierverleger" als Zwischenhändler ("B"-Händler) auf. Außerhalb dieses geordneten Marktes gibt es sogenannte "Graumärkte",  in denen vertragliche Liefervereinbarungen unterlaufen werden. Die Brauwirtschaft versucht diese Graumärkte bisher erfolglos zu unterbinden; sie werden in grenznahen Regionen auch aus dem Ausland beliefert, etwa aus Osteuropa. 


Dies vorangestellt, leiten sich die Bierabnahmepreise für die Gastronomie beim Getränkefachgroßhandel bzw. im Direktvertrieb der Brauereien kalkulatorisch wie folgt ab: 
  • Die variablen Herstellkosten von Bier belaufen sich auf 25 bis 30 Euro je Hektoliter, die Vollkosten der Herstellung incl. Abfüllung auf ca. 44 Euro je Hektoliter. Bei Ökobier liegen die Kosten geringfügig höher und betragen knapp 51 Euro.


  • Zum Ab-Rampe-Preis der Brauereien für ganze Paletten kommen die entfernungsabhängigen Transportkosten von der Brauerei zum A-Händler. Für ein Fernsehbier wurde im Oktober 2000 ein Frei-Haus-Preis von 108 DM je Hektoliter genannt, den eine Steak-Kette bei einer Abnahme von 4.500 Hektoliter pro Jahr zahle. Gerüchteweise werden in Ausnahmefällen sogar Preise von unter 50 Euro je Hektoliter vereinbart. Vom Ab-Rampe-Preis abweichende Ab- und Zuschläge werden erhoben, je nachdem ob sortengemischte oder -reine Paletten oder ganze Wagenladungen abgenommen werden. Bei Großbrauereien ist vielfach nur eine Abnahme ganzer Wagenladungen möglich. Im Herbst 2002 bewegen sich z.B. die Ab-Rampe-Preise (Listenpreise) von Weißbieren zwischen 82,50 Euro und 108,50 Euro.

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  • Von A-Händlern holen sich B-Händler (dies sind entweder kleinere Groß- und Einzelhändler oder ebenbürtige Großhändler, die vielleicht ihrerseits gegenüber anderen Brauereien die A-Händlerfunktion wahrnehmen) in der Regel palettenweise zum Verlegerpreis ab oder lassen sich auf gemischten Paletten zum Händlerpreis beliefern. 

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  • In der Gastronomie sind häufig zusätzliche Dienstleistungen erforderlich wie das Abladen und Einräumen in die Lagerräume des Gastronomen und die  Belieferung mit Gläsern (etwa 1 Glas pro Hektoliter ist meist in den Gastronomie-Preis einkalkuliert) und anderen Werbemitteln wie Bierdeckel, Kugelschreiber oder Kellnerblöcke sowie Werbekostenzuschüsse von vielleicht 1 Euro je Hektoliter oder auch 1,5% des Umsatzes. Die Differenz zwischen dem Ab-Rampe-Preis und dem Händler-Preis beträgt durchschnittlich etwa 20 Euro je Hektoliter. Der Abstand zwischen Händler-Preis und Gastronomie-Preis beträgt etwa 10 Euro je Hektoliter (die genannten Zahlen sind Ergebnis eigener Befragungen von einzelnen Fachleuten der Branche. Ob sie repräsentativ sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Sie sind sicherlich abhängig auch von den unterschiedlichen Wettbewerbsverhältnissen auf den Teilmärkten und den jeweiligen Kostenstrukturen).

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  • Bei gebundenen Gaststätten werden sogenannte Ganterpreise verlangt, die im Rahmen von Bierlieferungsverträgen vereinbart werden. Unter Bierlieferungsverträgen versteht man langfristige, mehr oder weniger ausschließliche Bezugsbindungen von Gaststätten an Brauereien oder Bierverleger. Dabei gewährt der Lieferant von Bier dem Wiederverkäufer besondere wirtschaftliche und finanzielle Vorteile, wie Darlehen und sonstige Leistungen für den Betrieb der Schankstätten sowie für die Vermarktung des Bieres, z.B. Zurverfügungstellung von technischen Anlagen und Einrichtungsgegenständen. Ganterpreise beinhalten zusätzlich kalkulatorische Abschreibungen für die seitens der Brauereien getätigten Investitionen, Rückvergütungen an den Gastronomen oder den Eigentümer des Gründstücks (in der Regel zwischen 35 und 65 Euro je Hektoliter), Zinsverluste aus zinsfreien oder zinsbegünstigten Darlehen, Abschreibungen auf "verlorene Zuschüsse" und Risikoprämien auf Zahlungsausfälle.



  • Die Ganterpreise beinhalten in der Regel nach Gebinde differenzierte Preise. Die Differenzierung berücksichtigt Kostenunterschiede aber auch die je nach Gebinde unterschiedlichen Möglichkeiten der gebundenen Gastronomie, alternative Beschaffungskanäle zu nutzen. So ist Fassbier etwa im Vergleich zu Dosenbier oft überteuert. 
In ihrer Preisliste "Bier Gastronomie", gültig ab 1. Augst 2001, differenziert die Kulmbacher Brauerei den Preis für ihr wichtigstes Produkt "Kulmbacher Edelherb Pils" nach Gebinden. So beträgt der Literpreis in Euro (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer): 
  • 1,60 - Fass / KEG
  • 1,50 - 0,5 l NRW-Flasche
  • 1,70 - 0,33 l - Mehrwergflasche
  • 1,76 - 0,33 l - Einwegflasche
  • 1,40 - 5 l - Dose
  • 1,20 - 0,5 l - Dose

 

Bamberger Bierkrieg  

Im Bamberger Bierkrieg im Jahre 1907 geht es um die Erhöhung des Preises für einen halben Liter Bier ("a Seidla") von 10 auf 11 Pfennig. Weil die Gastwirtschaften "Weierich" und "Zum Mondschein" den Preis nicht erhöhten, gingen viele Bamberger nur noch in diese beiden Wirtschaften. Nach einer Woche gaben die anderen Gaststätten auf und nahmen die Preiserhöhung zurück
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Das Gastronomiegeschäft ist für die Brauer eigentlich lukrativ und sichert wichtige Deckungsbeiträge. Der Bierabsatz im Vertriebskanal Gastronomie nimmt aber stärker ab als der Bierabsatz generell, weil die überhöhten Preise den Verbrauchern den Konsum in der Gastronomie verleiden und weil Gastronomen in zunehmendem Maße preisgünstiger im Einzelhandel beschaffen. Gefördert wird diese Entwicklung durch die wachsende Akzeptanz von Flaschenbier vor allem beim jüngeren Verbraucher. Während 1995 noch rund 26,1 Mio. Hektoliter Bier im Faß aus den Abfüllanlagen kamen, waren es 1999 nur noch 22,4 Mio. Siehe dazu auch unsere Seite zum Thema "Brauerei-Sterben".
 
"Ich kann mir nicht vorstellen, daß künftig die immer mehr auseinander gehenden Fassbier- und Flaschenbierpreise von der Gastronomie akzeptiert werden."
Walter Heiland, Geschäftsführer der GEFAKO, in: GEFAKO aktuell, 2/2001, S. 20.
 
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Letzte Aktualisierung: 13. November 2002